Kleine Kunstwerke für den Alltag in der Isolation
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Hat eigentlich einen anderen Ursprung, wird nun aber plötzlich seltsam aktuell: Digitalisierte Zeichnung von Katrin Keller. (Bild: zvg)

Online-Plattform des Museums im Bellpark Kriens Kleine Kunstwerke für den Alltag in der Isolation

3 min Lesezeit 27.04.2020, 11:42 Uhr

Wie alle anderen Schweizer Kulturinstitutionen bleibt auch das Museum im Bellpark in Kriens vorläufig geschlossen. Doch Kunst bleibt Interessierten nicht vorenthalten. Mit «Walkie Talkie» ermöglicht das Museum eine besondere Form eines Zugangs zu Kunst und gleichzeitig einen kreativen Austausch.

In einer Zeit, in der wir alle weitgehend auf soziale Kontakte und den direkten Austausch verzichten müssen, sind andere Formen der Kommunikation gefragt. Der Austausch ist vor allem für Kunstschaffende wichtig, die durch ihre Arbeit mit kunstinteressierten Betrachtenden kommunizieren. Walkie Talkie bietet Kunstschaffenden und Kunstinteressierten eine Plattform dafür.

Jeden Tag werden auf der Bellpark-Webseite Ideen, Wahrnehmungen und Erlebnisse veröffentlicht, die in einem kreativen Prozess von Künstlerinnen und Künstlern gestalterisch zum Ausdruck gebracht werden. Diese erhalten dadurch die Möglichkeit, zu zeigen, was sie in diesen Tagen beschäftigt – in Form eines Videos, Bildern, Tonaufnahmen oder Texten.

Ein Rückblick auf die Beiträge der letzten Woche vermittelt einen Eindruck, was dabei entsteht.

Eine kreative Woche

Walkie Talkie #33, Montag, 20. April 2020

Der Luzerner Silvan Fasola Bolliger gestaltet einen literarischen Einstieg in die Woche. In «Notizen einer Eingebrochenen. Notizen aus der Einnistung» wird das Haus, die eigenen vier Wände, in denen wir gerade viel Zeit verbringen, mit einem Körper versinnbildlicht – mit Brusthaaren, Lunge und Augen, die zu leuchten beginnen, wenn es draussen dunkel wird. Dieser Körper ist zugleich heimelig und vertraut und doch auch unbequem und befremdlich. Und doch bleibt einem nichts anderes übrig, als sich darin einzunisten.

Notizen einer Eingebrochenen, Notizen aus der Einnistung – Silvan Fasola Bolliger. (Bild: Museum im Bellpark Kriens)

Walkie Talkie #34, Dienstag, 21. April 2020

«Überlagerung» betitelt die Luzerner Künstlerin Ruth Rieder die drei mit Tintenstrahler erstellten Drucke, die kurz nach 09/11 in den USA entstanden sind und die sie jetzt mit Tinte überzeichnet hat. Auch wenn die Ereignisse der Vergangenheit und der Gegenwart wenig Überschneidungspunkte aufweisen, gibt es doch Ähnlichkeiten: eine allgemeine Verunsicherung und das ungläubige Staunen über das, was gerade geschieht.

Überlagerung – Ruth Rieder. (Bild: Museum im Bellpark Kriens)

Walkie Talkie #36, Donnerstag, 23. April 2020

Thomas Muff zeigt ein Foto aus seinem Atelier in Emmenbrücke. Für ihn hat sich der Alltag mit dem Lockdown nur dadurch verändert, dass er jetzt zu Fuss zur Arbeit geht. Der Weg von Luzern Süd bis in das Viscosiareal verändert sich jeden Tag im Kleinen, der Rhythmus des Gehens bleibt gleich.

Aus dem Atelier – Thomas Muff. (Bild: Museum im Bellpark Kriens)

Walkie Talkie #39, Sonntag, 26. April 2020

Faszinierend ähnlich sind sich die Abbildung eines Querschnitts durch die Erde von 1665, die visualisiert, wie Vulkane im inneren der Erde entstehen und ihre Lava an die Erdoberfläche dringt, und die Tuschezeichnung von Katrin Keller, die der mittlerweile verbreiteten Darstellung des Corona-Virus gleicht. Katrin Keller weist nicht nur auf die visuelle, sondern auch auf die inhaltliche Ähnlichkeit zwischen Vulkan und Corona hin.

Einblick in den Alltag der Kunstschaffenden

«Walkie Talkie» ist eine Abwechslung und eine Bereicherung für den Alltag. Jeden Tag einen kurzen Blick auf die Plattform zu werfen, ermöglicht die Entwicklung neuer kreativer Ideen. Die Beiträge der Künstlerinnen und Künstler sind Denkanstösse, die neue Perspektiven auf die aktuelle Situation, aber auch auf unsere Welt in Zukunft auslösen. Oder man lässt sich dadurch für das Umsetzen eigener kreativer Ideen motivieren.

Wir sind gespannt, welche Überraschungen «Walkie Talkie» noch bringt! Wer neugierig geworden ist, wirft am besten einen Blick auf die Webseite. Bis zur Wiedereröffnung des Museums wird die Plattform sicher noch weitergeführt. Und weil alle Beteiligten Freude daran haben, vielleicht auch darüber hinaus.

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