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«Klein, aber geil»: Ein Festival hat sich durchgesetzt
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Die Kapelle wird zur Bühne: «Invictis Pax»-Festival 2015.  (Bild: zvg)

«Invictis Pax» will Luzerner Nische bedienen «Klein, aber geil»: Ein Festival hat sich durchgesetzt

5 min Lesezeit 05.08.2016, 11:55 Uhr

Die Alpineum-Bar belebt mit «Invictis Pax» zum vierten Mal den Platz beim Löwendenkmal mit Musik. Es ist ein Kontrapunkt zu den Touristenmassen, was anfänglich für Zoff mit den Nachbarn sorgte. Das ist nun vorbei, sagt Mitorganisatorin Julia Furrer. Und sie erzählt, warum das Alpineum nie Ruhe gibt.

Das Kaffeehaus Alpineum ist eine Insel inmitten eines permanenten Touristenstroms. Wer vor dem Lokal sitzt und einen Kaffee schlürft, muss damit rechnen, auf Dutzenden von asiatischen Ferienfotos verewigt zu werden. Die Touristengruppen, ausgespuckt auf dem nahen Carparkplatz, marschieren unentwegt ihrem Ziel Löwendenkmal oder Gletschergarten entgegen.

An einem Samstag im Jahr wird der Platz vor dem Alpineum zweckentfremdet. Dann geht das Festival «Invictis Pax» über die Bühne – benannt nach der kleinen Kapelle vis-à-vis der Bar. Dass man sich damit nicht nur Freunde macht in der Touristenhochburg Luzern, musste das Alpineum-Team anfänglich schmerzlich erfahren.

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«Invictis Pax» von der Kapelle aus gesehen: Rechts hinter den weissen Sonnenschirmen ist die Alpineum-Bar.  (Bild: zentralplus)

«Invictis Pax» von der Kapelle aus gesehen: Rechts hinter den weissen Sonnenschirmen ist die Alpineum-Bar. (Bild: zentralplus)

Die Wogen haben sich geglättet

Schon die Aussenbestuhlung und Musik aus der Bar waren gewissen Anwohnern anfänglich ein Dorn im Auge. Als das Alpineum dann 2013 das erste Festival organisierte, sammelten verschiedene Shop-Besitzer und Anwohner Unterschriften.

Wehe, man wagt, sich dem Touristenstrom in den Weg zu stellen: «Die Strasse war derart mit Festivalbesuchern überfüllt, dass die Touristen gar nicht mehr zum Löwendenkmal, geschweige denn zu meinem Laden durchkamen», sagte damals ein Inhaber eines Souvenirladens.

Diese Episode kann man abhaken, die Wogen haben sich geglättet. Wie das gelang, wollte zentralplus von Mitorganisatorin Julia Furrer wissen.

zentralplus: Dieses Jahr heisst es zum vierten Mal «Invictis Pax». Hat sich das Festival etabliert?

Julia Furrer: Hmm, etabliert ist ein schwieriger Begriff. Vor zwei Jahren hat der Anlass in der Nachbarschaft für Wirbel gesorgt und es gab sogar eine Unterschriftensammlung gegen das Festival und das Alpineum. Aber im letzten Jahr ist nun alles ruhig gelaufen. Vielleicht waren alle in den Ferien, die sich zuvor beschwert hatten (lacht). Aber es ist inzwischen sicher akzeptiert im Quartier und es wird von den Gästen des Alpineums sehr geschätzt.

«Es gehört zu unserem Wesen, wir wollen nie stehen bleiben und immer weitergehen.»

zentralplus: Der Zoff mit den Anwohnern ist also definitiv vorbei?

Furrer: Wir hoffen schon. Wir sind sehr gut aufgestellt, haben alle Anwohner mit Flugblättern informiert, darum denke ich nicht, dass es noch Reklamationen gibt.

zentralplus: Auch der Quartierverein Hochwacht ist mit dabei, das hilft sicher?

Viel Musik aus Luzern

«Invictis Pax» heisst auf Lateinisch «unbesiegbarer Frieden». So steht es auf der kleinen Kapelle gleich gegenüber der Alpineum Bar. Das Mini-Festival findet auf dem Platz zwischen Bar und Kapelle statt: am Samstag, 6. August, ab 16 Uhr. Es gibt bewährte Alpineum-Verpflegung. Ab 23 Uhr geht’s dann im Keller des Bourbaki weiter. Das Festival ist gratis, die Party kostet 15 Franken.

Aus Luzern spielen Lower Pink, Kapnorth sowie A=f/m. Aus Berlin reisen Vsitor an, ein Duo, das eigentlich auch aus Luzern kommt. An der Party im Bourbaki treten später Marcel Puntheller (aus Heidelberg), Lotte Ahoi (Berlin) und doses (aus Luzern) auf.

Furrer: Das war von Anfang an so, auch weil die Stadt eine offizielle Anlaufstelle braucht. Wir haben ein sehr gutes Einvernehmen mit dem Quartierverein: Er kommt mit einem Stand mit Sirup für die Kinder und Informationen zum Quartier. Wir wollen ein Quartierfest sein und mit unseren Mitteln den Dialog fördern.

zentralplus: Ihr wollt einen Beitrag zur Durchmischung des Quartiers leisten: Der Platz beim Löwendenkmal soll nicht nur von Touristen bevölkert sein.

Furrer: Ja, wir sind beim Alpineum stets mit Touristen konfrontiert. Was ja auch toll ist, wir haben überhaupt nichts dagegen. Aber der Platz ist so schön, viele Leute wohnen und arbeiten da, einmal im Jahr wollen wir den Platz für Lokale beleben, das braucht es und verträgt es auch.

zentralplus: «Invictis Pax» ist wohl das kleinste und jüngste Festival auf dem Platz Luzern – wollt ihr bewusst in der Nische bleiben?

Furrer: Ja, das ist gewollt. Und es ist vom Platz und vom Ort her ziemlich beschränkt, da können wir gar nicht so viele Zuschauer haben wie etwa das Funk am See. Wir sind sehr zufrieden mit den Leuten, die wir haben und die Stimmung gibt uns recht. Im B-Sides-Newsletter war es treffend beschrieben: «Klein, aber geil.»

zentralplus: Wie viele Leute erwartet ihr?

Furrer: Über den ganzen Abend verteilt zwischen 200 und 350 Besucher, aber natürlich sitzt niemand von uns auf dem Dach und zählt nach (lacht). Es gibt einen schönen Mix von Leuten: Am Nachmittag kommen Familien mit Kindern, am Abend Jüngere, die anschliessend noch mit uns die Party im Bourbaki feiern.

zentralplus: Es gibt Leute, die haben Angst, es könnten ihnen zu insiderig sein: Wer sollte ans «Invictis Pax» kommen?

Furrer: (lacht) Jeder, der gute Musik mag und unser Angebot schätzt, etwa unsere leckeren Big-Bang-Burgers. Wir wünschen uns Besucher, die gute Laune verbreiten.

Kühler Electropop aus Berlin, gespielt von Luzernern: Vsitor spielen am «Invictis Pax» – und sie tönen so:

zentralplus: Das Festival ist gratis, gibt’s noch Tickets fürs Bourbaki?

Furrer: Es gibt noch Tickets, und es wird auch eine Abendkasse geben für Unentschlossene, die spontan kommen wollen.

zentralplus: Wie wählt ihr die Bands aus? Ist es die Musik, die euch gefällt?

Furrer: Die drei Teilhaber – Kevian Steiner, Silas Zemp und Simon Tanner – und ich setzen uns zusammen an einen Tisch, jeder hat seinen Musikgeschmack und bringt Ideen. Silas hat als künstlerischer Leiter das letzte Wort, ich organisiere und manage alles rundherum.

So tönt der Luzerner Lower Pink. Sein Debütalbum «Vision» ist 2016 erschienen:

zentralplus: Ihr seid ein kleines Team, wie managt ihr das?

Furrer: Wir vier vor allem im Vorfeld. Am Event selber sind natürlich auch die Köche sehr gefragt und die Mitarbeiter an der Bar. Zudem haben wir über 30 freiwillige Helfer, ohne diese Hilfe wäre das nicht gratis möglich.

zentralplus: Wird eigentlich die Bar selbst auch einmal erweitert? Man hört, es gäbe Pläne für einen Umbau.

Furrer: Das Haus ist ja sehr alt und denkmalgeschützt, da dauert alles etwas länger. Träume haben wir viele, aber noch keine offiziellen Pläne für eine Vergrösserung. Der ehemalige Kiosk nebenan ist inzwischen geschlossen, aber bis auf Weiteres wird da nicht gebaut. Wir sind im Gespräch, es kommt bestimmt etwas sehr Interessantes.

zentralplus: Und plant ihr weitere Alpineum-Anlässe?

Furrer: Mit einem Foodstand werden wir am Funk am See sein, zudem am Streat in der Viscose Ende September, wenn die neue Kunsti eröffnet.

Das sind Kapnorth, ebenfalls aus Luzern (zentralplus berichtete auch schon über sie):

zentralplus: Besteht eigentlich nie die Gefahr, dass ihr euch übernehmt, mit allem, was ihr macht: Bar, Festivals, Gelateria, Catering, eigene Würste, eigene Getränke – ihr gebt nie Ruhe.

Furrer: Das gehört zu unserem Wesen, wir wollen nie stehen bleiben und immer weitergehen. Wir sind alle auch privat befreundet, da kommen immer neue Ideen auf, wenn man zum Beispiel zusammen grilliert. Man muss sich als Gastrobetrieb abheben von den anderen, wir sind schliesslich nicht die einzigen.

Den Schlusspunkt setzen A=f/m, bevor im Bourbaki die Party steigt. Das Duo aus Rolf Laureijs und Belia Winnewisser spielt experimentellen Synthie-Pop – das erste Album ist in den Startlöchern:

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