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Kino-Monopoly: Zwischen Wettrüsten und Grössenwahn?
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Coming soon: Die heutigen Marktspiele werden für den Kino-Besucher bald real spürbar sein. (Bild: bra/Bildmontage)

Neue Filmpaläste in der Zentralschweiz Kino-Monopoly: Zwischen Wettrüsten und Grössenwahn?

5 min Lesezeit 21.01.2014, 07:40 Uhr

In den nächsten Jahren werden in der Zentralschweiz zahlreiche neue Filmpaläste entstehen. Die Branchenriesen Kitag und Pathé bauen ihre Multiplex-Angebote aus. Der regionale Machtkampf – nach dem Motto «mehr, grösser, besser» – wird schlussendlich für die Kunden von Vorteil sein, weiss ein Branchenkenner. Doch ob dies auch für Anhänger des alternativen Kinos gilt, darf bezweifelt werden.

Fans des Hollywood-Kinos dürfen sich auf spannende Zeiten freuen. In den nächsten Jahren werden in der Zentralschweizer Kinolandschaft Filmpaläste wie Pilze aus dem Boden schiessen. Dabei heisst das Konzept «Multiplex», das mehrere Säle unter einem Dach vereint. Die Besucher werden von einer breiten Theke, uniformierten Mitarbeitern, einer wuchtigen Treppe und vielen bunten Lichtpanels begrüsst. «Grosses Kino», sozusagen. Mit Gratisparkplätzen, vielen Blockbustern und Popcorn im «Jumbo-Pack».

Die Branchenführer Kitag und Pathé werden dieses grosszügige Leinwand-Eldorado für die Region möglich machen. Der Kitag-Betrieb Maxx in Emmenbrücke rüstet mit sechs neuen Sälen auf. Die Pathé-Gruppe will in der entstehenden Mall of Switzerland in Ebikon gleich zwölf neue Kinos bauen. Und das, obwohl die durchschnittlichen Besucherzahlen eher gesunken sind (zentral+ berichtete). Darüber hinaus ist in Baar ein Multiplex-Kino geplant. «Es ist ein Ausbau in schwindelerregendem Ausmass», kommentiert Kino- und Filmexperte Philipp Portmann, der sich als selbständiger Journalist seit 1995 ausschliesslich mit dem Thema Film und Kino beschäftigt.

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Riesige Leinwand in Ebikon

Eines ist sicher: Die regionale Expansion nutzt nicht zuletzt dem Konsumenten. Denn Angebot und Vielfalt werden in diesem Monopoly der Kinos in Zukunft massiv grösser. Im Multiplex-Kino der Pathé-Gruppe, das Ende 2016 neben dem Schindler Areal eröffnet wird, werden insgesamt 2’200 Sitzplätze betrieben. Es soll neben dem Pathé-Kino Balexert in Genf das grösste Multiplex-Kino der Schweiz werden.

Dass Pathé mit solch grosser Kelle anrühren will, mag angesichts der Zentralschweizer Besucherzahlen erstaunen. Diese sind laut Branchenverband ProCinema in den letzten zehn Jahren um 3 Prozent gesunken. Haben die Betreiber nicht ein Überangebot zu befürchten? Wie sind bei einem solch immensen Ausbau auf einen Schlag die Besucher noch in die Kinos zu locken? «Die Kalkulationen sind gemacht», sagt Pathé-Geschäftsführer Brian Jones gegenüber zentral+. «Angst haben wir nicht. Man beobachtet die Konkurrenz», sagt er.

«Als Beobachter sehe ich das in erster Linie als Verdrängungskampf»

Kino-Experte Philipp Portmann

Dem Zuschauer soll in Ebikon das gewisse Extra geboten werden. In technischer Hinsicht will Pathé gross auffahren. Jones verspricht: «Unsere Kinosäle werden ganz sicher mit modernster Technik ausgerüstet sein.» Er denkt laut über mögliche IMAX-Leinwände nach, neuste Tonanlagen und spricht auch von ausgeklügelten Sitzkonzepten «state oft the art». «Es wird ein vollständiges Unterhaltungserlebnis sein.» Konkreter will er aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht werden.

Die Möglichkeiten für solche technische Highlights hätte Pathé in der Tat. Das französische Unternehmen mit Sitz in Paris hat sich die Schweizer Exklusiv-Rechte für die IMAX-Filmtechnologie gesichert. Die Anlagen erlauben beispielsweise Leinwände in Übergrösse (zum Beispiel 29 x 21 Meter) und verschiedene 3D-Technologien. Eine entsprechende Lizenz hatte bis 2010 auch das Filmtheater Verkehrshaus Luzern. Heute werden dort Filme in anderer digitaler Form gezeigt.

«Der Konkurrenzkampf ist lanciert», sagt Brian Jones, Geschäftsführer der Pathé-Gruppe. «Wir treten in erster Linie gegen niemanden an, sondern sind darauf bedacht, unsere Stellung zu stärken. Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass Wettbewerb den Markt belebt und anspornt, besser als der Mitbewerber zu sein.»

Ausbau Emmenbrücke: «völlig unabhängig»

Diese klaren Ansagen der mächtigen Pathé mischen die hiesige Kinobranche gehörig auf. Lediglich ein paar Kilometer von Ebikon entfernt befindet sich das Kino Maxx der Kitag-Gruppe. Auch hier soll kräftig ausgebaut werden. Der bestehende Komplex mit den jetzigen acht Kinos wird mit einem Neubau schlussendlich auf 14 Kinos aufgestockt. 2016 wird es soweit sein. «Als Beobachter sehe ich das in erster Linie als Verdrängungskampf», sagt der Branchenkenner Philipp Portmann.

Die Kitag will allerdings ihre Projekte in Emmen nicht direkt mit Ebikon in Verbindung bringen. Kitag-Geschäftsleitungsmitglied Wilfried Heinzelmann: «Über das Vorhaben von Pathé sind wir selbstredend im Klaren», sagt er. «Unsere Ausbaupläne sind aber nicht die Folge davon, sondern gehen auf Planungen und Erweiterungswünsche unsererseits zurück, welche lange vorher bestanden haben. Dies unabhängig von diesem lange ‹im schwebenden Zustand› befindlichen Projekt in Ebikon», sagt er. Ob es technische Highlights für die Kinofans geben wird, will Heinzelmann noch nicht bekannt geben.

Es wird auch andere Kinos treffen

In den Fokus der zwei grossen geraten auch die bestehenden kleineren Kinos. Sie liegen teilweise im selben Einzugsgebiet. Experte Philipp Portmann befürchtet, dass die sie den Ausbau zu spüren bekommen werden. «Besonders das Luzerner Bourbaki wird Ebikon Zuschauer kosten», meint er. Denn Pathé wird in Ebikon das Programm von Bourbaki konkurrieren. Pathé nimmt teilweise die gleichen kleineren Filme ins Programm auf. Es sind eher europäische Produktionen und «Independent»-Filme.

Bourbaki-Geschäftsführer Frank Braun hingegen nimmt die künftige Konkurrenz eher gelassen. Er meint, das Filmangebot sei nicht als allein entscheidender Faktor zu betrachten. Für welches Haus sich die Konsumenten entscheiden würden, hänge noch von vielem mehr ab. «In Luzern sind die Bourbaki-Kinos mit ihrer Programmausrichtung und in der Kombination mit eigener Gastronomie konkurrenzlos», sagt er.

«Kinopaläste machen sich gegenseitig das Leben schwer»

Im Einzugsgebiet rund um Ebikon wird zudem ein Multiplex Kino zwischen Baar und Zug zu stehen kommen. «Es sind Entwürfe für zwischen vier und fünf Kinos und etwa tausend Sitzplätzen», sagt Alban Hürlimann, Teilhaber der Kino Hürlimann AG zum Stand des Projektes in der geplanten Überbauung Unterfeld. «Ja, wir haben schon Respekt vor den Kinos in Ebikon. Aber die Zuger Kinos haben bislang gut funktioniert.» Es spreche viel für das Projekt, eine S-Bahn-Station liegt in der Nähe und das Gebiet sei auch mit anderen Verkehrsmitteln gut zu erreichen.

Vor Pathé fürchtet sich der Geschäftsführer der Zuger Kinos, Thomas Ulrich, indes nicht mehr: «Die Kinopaläste machen sich höchstens gegenseitig das Publikum streitig. Noch mehr Plätze für die gleichen Blockbuster würden einzig dazu führen, dass die Filme weniger lang laufen». Das wiederum sei eine Herausforderung für die kleinen Zuger Kinos, die ihr Programm noch stärker dieser Schnelllebigkeit anpassen müssten. Kinoexperte Philipp Portmann sieht dies anders: «Für mich ist das Gegenteil der Fall: Je mehr Säle ein Kinobetreiber zur Verfügung hat, desto länger kann er einen Film spielen.» Die Zukunft wird zeigen, welcher Betrachtung das Publikum folgt.

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