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«Kikis» Erdöl auch in Zug
  • Wirtschaft
Ist für alle Verkäufe der staatlichen Anteile an Kongos Rohöl zuständig: Denis Christel Sassou Nguesso, genannt «Kiki der Rohstoffhändler». (Bild: zvg (jeune afrique))

Zuger Rohstoffhandel «Kikis» Erdöl auch in Zug

3 min Lesezeit 1 Kommentar 02.03.2015, 19:41 Uhr

Eine Genfer Firma dient einem kongolesischen Präsidentensohn als «Bankomat», schreibt die «Erklärung von Bern». Und verkaufe abgezweigtes staatliches Erdöl auch nach Zug – die Firma AOT ist offenbar in die Deals der dubiosen Firma verwickelt. Und habe damit der Herrscherfamilie in die Taschen gewirtschaftet. Pikant: Der Präsident des Zuger Branchenverbands ist Mitglied der Geschäftsleitung bei der AOT.

Die «Sonntagszeitung» bezeichnete es als «Rohstoff-Krimi», und der schlägt seine Wellen bis nach Zug: Betroffen ist auch der Sprecher des Zuger Branchenverbandes «Zug Commodity Association» – und seine Arbeitgeberin, die Zuger Firma AOT Trading.

Aber von vorne. Die Genfer Firma Philia SA fungiert offenbar für den Sohn des Präsidenten der Republik Kongo als Mittel zum Abzweigen von staatlichem Rohöl – und damit zur Bereicherung des eigenen Clans.

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Der schwerreiche Präsidentensohn Denis Christel Sassou Nguesso mit dem Übernamen «Kiki der Rohstoffhändler» setzt offenbar einen Grossteil des abgezweigten Öls über die Schweiz ab: Die NGO «Erklärung von Bern» (EvB) hat in ihren Recherchen aufgedeckt, dass der einzige Aktionär der Genfer Firma «Philia SA» zum Dunstkreis der kongolesischen Herrscherfamilie gehört – und wohl deswegen den alleinigen Zuschlag für den Verkauf von Öl aus der staatlichen Raffinierie «Coraf» bekommen hat. Mit einem Vertrag, der Coraf diverse Nachteile, und der Genfer Firma genausoviele Vorteile einräumt. Ohne öffentliche Ausschreibung und mit einer hohen Gewinnmarge.

Selbstbedienungsladen aufgebaut

«Der von Kiki geleitete Staatsbetrieb gewährte dem kleinen Genfer Rohstoffhändler Blankokredite, welche es Philia erlaubten, sich den bei Kreditvergaben durch Banken üblichen Compliance-Verfahren zu entziehen», schreibt die Erklärung von Bern. Dem Staat Kongo entstünden so riesige Löcher in der Staatskasse – und die Firma muss sich nicht ausweisen, da sie von Banken unabhängig operieren kann. Das Geld wandert, so mutmasst die Organisation, in die Taschen der kongolesischen Herrscherfamilie. «Alle Indizien deuten darauf hin», sagt Oliver Classen, Sprecher der Erklärung von Bern, «dass sich da jemand einen Selbstbedienungsladen aufgebaut hat.»

Ein Selbstbedienungsladen mit Ablegern bis nach Zug. Die Philia SA habe das Öl an mehrere Schweizer Firmen direkt weiterverkauft, unter anderem an die Zuger AOT Trading AG. Sie hat im Jahr 2013 für knapp 30 Millionen Dollar von der Philia SA 43’981 Tonnen Öl gekauft. Und damit, zumindest wenn die Erklärung von Bern mit ihren Recherchen Recht behalten sollte, direkt in die Taschen der kongolesischen Herrscherfamilie gewirtschaftet.

«Wir halten uns an alle Gesetze»

Martin Fasser ist Mitglied der Geschäftsleitung der AOT Trading AG und gleichzeitig Sprecher der Zuger Rohstoffbranche: Er ist Präsident der Zug Commodity Association (ZCA). In einem Gastkommentar in der NZZ hatte er geschrieben, die Rohsstoffirmen seien sich «ihrer Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt bewusst.» Gegenüber zentral+ sagt er auf Anfrage, dass er  als Mitglied der Geschäftsleitung der AOT über den Fall nichts sagen darf:  «Wir sind eine private Firma und geben keine Auskunft zu unseren Geschäftsbeziehungen. Wir halten uns strikt an alle Gesetze.»

Für Classen von der Erklärung von Bern ist das eine Enttäuschung: «Ich hätte mindestens erwartet, dass Fasser so viel Haltung zeigt und die Grundproblematik anerkennt, die dieser Fall illustriert», so Classen. «Und sagt, aha, das ist uns durch die Lappen, dem werden wir nachgehen.» Für Classen zeige sich nun das wahre Gesicht der Zug Commodity Association. «Herr Fasser hat politisch jahrelang die freiwillige Selbstkontrolle gepredigt. Jetzt, wo wir nachweisen können, dass auch seine Firma eklatante Sorgfaltspflichtverletzungen begangen hat, fehlt ihm jegliches Problembewusstsein.»

«So glaubwürdig wie die ganze Branche»

Fasser sei mit einem Saubermann-Image angetreten, sagt Classen. «Er steht als Exponent in der Verantwortung. Dass er jetzt als Branchensprecher sagt, zu einer privaten Firma könne er sich nicht äussern, das ist zurück auf Platz eins. Als hätte in den letzten vier Jahren keine Rohstoffpolitische Klimaveränderung stattgefunden.» Kann Fasser als Branchensprecher noch glaubwürdig sein? Classen: «Dieser Branchenverband ist nun so glaubwürdig wie die ganze Branche.»

Mit Martin Fasser hat zentral+ ein längeres Interview geführt, Fasser hat aber seine Aussagen nachträglich zurückgezogen. Er müsse als Mitglied der Geschäftsleitung der AOT beim Branchenverband in den Ausstand treten.

Für Classen ist der Fall klar: «Es geht hier um Schweizer Firmen, die vorsätzlich von korrupten Ländern profitieren. Die Schweiz hat hier einen riesigen Hebel, um für die Leute in diesen Ländern etwas zu ändern. Sie muss ihn schnellstmöglich nutzen.»

 

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1 Kommentare
  1. Urs Nussbaumer, 02.03.2015, 21:26 Uhr

    «Die Rohstoffbranche hat sich in den vergangenen Jahren massiv gewandelt. Ein Zeichen dafür ist auch die Gründung von Rohstoffvereinigungen in Genf (GSTA), Lugano (LCTA) und Zug (ZCA), deren Ziel es unter anderem ist, Fragen zu beantworten, Abläufe zu erklären, um somit zur Entmystifizierung der Branche beizutragen.»

    Das sind Herrn Fassers Worte. Nachzulesen unter http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/rahmenbedingungen-sollten-international-geregelt-sein-1.17894404