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Kicken gegen Intoleranz: Street Soccer mit Asylsuchenden
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Projektleiter Elias Vogel an der Luga 2017. (Bild: pze)

Luzerner Projekt erstmals an die Luga eingeladen Kicken gegen Intoleranz: Street Soccer mit Asylsuchenden

6 min Lesezeit 1 Kommentar 02.05.2017, 14:01 Uhr

Asylsuchende und Einheimische kicken beim Projekt Street Soccer United gegen- und miteinander. Ziel: Fairplay, Integration und Begegnung. Das Projekt ist im Aufschwung und präsentiert nun sein Angebot an der Luga. Projektleiter Elias Vogel spricht über den Verein dahinter – und kritisiert die gängigen Sportvereine.

Sport verbindet Menschen – das hört man immer wieder. Gerade König Fussball wirbt mit der Toleranz und dem Respekt. Wer Champions League schaut, sieht während den Werbeblöcken alle Grössen des Sports in ihrer Muttersprache sagen: «Nein zu Rassismus». Ein Thema, das in letzter Zeit – zumindest vordergründig – eines der Hauptanliegen der grossen Fussballverbände wurde.

Umso schöner, wenn diesen guten Vorsätzen Taten folgen: Der Verein Strassenliga Zentralschweiz organisiert Strassenfussballturniere unter dem Label Street Soccer United. Für die Events beziehen die Verantwortlichen die Asylzentren der Zentralschweiz – momentan vorrangig der Kantone Luzern und Zug – mit ein. Für das Turnier werden dann zusätzliche Teams aus interessierten einheimischen Spielern und Spielerinnen (Frauen sind sehr erwünscht) zusammengestellt. Dann wird gespielt – ohne Konkurrenz und Ligasystem. Das höchste Gebot: Fairplay.

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Das Angebot gewinnt an Beliebtheit. Erstmals ist Street Soccer United dieses Jahr an der Luga vertreten. Dort geht es darum, einem grossen Publikum einen Einblick in den multikulturellen Strassenfussball zu geben.

Auch Spontane dürfen mitkicken

Der Lugaauftritt ist nicht ganz zufällig: Das Integrations-Porjekt gehört der eidgenössischen Kinder- und Jugendförderung «infoklick.ch» an. Die Förderstelle, mit Büros im Neubad, organisiert bereits zum sechsten Mal die Sonderschau Jugend an der Luga. So haben die Kontakte zur Messeschau schon länger bestanden. Und die Luga setzt auf das Angebot: Der Turniertag, der 6. Mai, ist der zweite Luga-Samstag – das verspricht ein grosses Publikum.

Zur Person

Elias Vogel (30) kommt ursprünglich aus Menzberg. Er ist seit fünf Jahren bei Infoklick tätig. Vogel ist gelernter Kaufmann und hat an der Hochschule Luzern Soziale Arbeit (HSLU) soziokulturelle Animation studiert. Er arbeitet nebenbei bei «Sport Union Schweiz», wo er das Projekt «Mimuki» betreut. Das Angebot hat das Ziel, Familien mit Migrationshintergrund besser in die bestehenden Eltern-Kind-Turnen-Angebote zu integrieren. Seit 2015 existiert sein privates Start-Up Label «bouldelias», das Textilien und Accessoires produziert.

Bisher sind für die Messeschau zwölf Teams mit je rund sechs Spielern angemeldet. Davon sind neun Teams aus Asylzentren. «Das ist ungefähr die Quote, die wir anstreben», erklärt Vereinspräsident und Projektleiter Elias Vogel. «Es sollen immer auch Teams aus Einheimischen mitmachen. Das Ziel ist Integration und Begegnung, nicht reine Beschäftigung für Asylsuchende.»

Obwohl die Anmeldefrist abgelaufen ist, bleibe das Angebot offen für spontane Mitkicker: «Wir würden uns freuen über noch weitere Teamanmeldungen aus der Bevölkerung. Man kann sich per Email oder direkt vor Ort weiter anmelden. Ausserdem können auch Luga-Besucher, die Lust auf eine Runde Strassenfussball verspüren, spontan einsteigen. Sie werden dann Teams zugewiesen.» Da sei man sehr unkompliziert, sagt der 30-Jährige. Das mache die Angelegenheit interessant, denn so würden Einheimische und Asylsuchende neu gemischt – das fördere den Austausch miteinander zusätzlich.

Anmeldungen laufen über Asylzentren

Der Ablauf der Turniere ist simpel: Asylsuchende werden über ihr jeweiliges Asylzentrum informiert, wann der Event stattfindet und wie man sich dafür anmeldet. Die Strassenliga Zentralschweiz steht mit Jugendarbeitsstellen, der Quartierarbeit, Partnerorganisationen, Fachstellen aus dem Bereich Sport, Gesundheitsförderung, Gesellschaft und Integration im Austausch– welche ihrerseits Leute motivieren, Teams zu bilden.

«Das Ziel ist Integration und Begegnung, nicht reine Beschäftigung für Asylsuchende.»

Elias Vogel, Vereinspräsident Strassenliga Zentralschweiz

Das Angebot Street Soccer United ist für alle kostenlos. Die Kosten deckt der Verein über Unterstützungsgelder. Gespielt wird auf einer mobilen Street Soccer Anlage mit Bandenelementen 13×18 Meter, das Material für den Spielbetrieb und ausgebildete Spielleiter zur Verfügung. Der Spielmodus ist vier gegen vier ohne fixen Torhüter mit einer Spielzeit von acht Minuten. Wie im normalen Fussball gibt es eine Punktewertung nach Resultat. Zusätzlich wird am Ende Spielzeit mit dem Fairplaycoach eine Selbst- und Fremdeinschätzung des Faiplays gemacht. Diese Punktewertung fliesst in die Gesamtwertung mit ein. So gibt es am Schluss immer einen Fairplaysieger und einen Punktesieger.

Betreuungspersonen in der Pflicht

Ganz reibungslos läuft’s aber nicht immer. Elias Vogel erklärt: «Auch wenn es um nichts geht, beim Sport können immer die Emotionen hochgehen. Hinzu kommt die Sprachbarriere, was den Umgang miteinander in gewissen Situationen erschwert.» Deshalb nehmen die Teams nie in Eigenregie an Turnieren teil. Da die Anmeldung über die Asylheime läuft, in welchen die Teilnehmer untergebracht sind, werden die Teams während dem Turnier von den jeweiligen Betreuungspersonen unterstützt.

Und die Betreuer werden auch in die Verantwortung genommen: «Uns ist es ein grosses Anliegen, dass die Betreuungspersonen die Teams zu den Spieltagen begleiten und ihre Verantwortung wahrnehmen. Wir organisieren und konzentrieren uns auf den Spielbetrieb.» Die bisherigen Erfahrungen von Street Soccer United seien positiv, so Vogel.

Anregungen an reguläre Sportvereine

Kritik übt er an einem anderen Ort: Street Soccer United übernehme eine Aufgabe, die von Sportvereinen noch zu wenig angegangen wird, findet Vogel. Er erklärt, die Integrationsarbeit der Sportclubs könne noch ausgebaut werden: «Die Vereine müssen aktiver kommunizieren und auf Leute im Asylwesen zugehen.» Das Flüchtlingswesen berge ein grosses Potenzial für die Vereine, findet Vogel.

«Für uns wäre es ein Gewinn, wenn beispielsweise ein Politiker unser Angebot sieht und denkt: Das möchte ich in meiner Gemeinde auch.»

Elias Vogel, Vereinspräsident Strassenliga Zentralschweiz

Street Soccer United erhofft sich von der Luga, dass dieses Potenzial mehr genutzt wird. Vogel sagt: «Für uns wäre es ein Gewinn, wenn beispielsweise ein Politiker unser Angebot sieht und denkt: Das möchte ich in meiner Gemeinde auch. Oder dass Vertreter von Fussballvereinen sich von unserem Angebot inspirieren lassen.»

Verein will nur Fussball anbieten

Dem Verein, der das Projekt leitet, gehören bisher nur drei Personen an: Neben Elias Vogel sind Raphael Adam (Vize-Präsident) und Andreas Kaufmann (Kassier) im Verein dabei. Seit Kurzem bemüht man sich aber aktiv um neue Mitglieder. «Wir möchten sowohl Privatpersonen als auch Institutionen wie beispielsweise Gemeinden als Mitglieder gewinnen, um unser Netzwerk zu vergrössern», sagt der Vereinspräsident.

Angst davor, den Fokus zu verlieren, wenn mehr Leute mitreden dürfen, hat Vogel nicht: «Wir haben eine klare Strategie – die Rahmenbedingungen sind gegeben.» So wolle man das Sportangebot nicht erweitern: «Wir sind ‹Street Soccer United›, wir bieten Fussballturniere an.»

Hier steht am 6. Mai die Street-Soccer-Anlage.

Hier steht am 6. Mai die Street-Soccer-Anlage.

(Bild: pze)

Als Verein organisiert zu sein, biete viele Vorteile, so Vogel: «Die Strukturen sind sehr schlank, wir haben viele Freiheiten. Das führt dazu, dass wir sehr flexibel sind. Wir können auch Turniere durchführen, für die wir nur wenige Tage Vorlauf haben.»

Zur Organisation des Turniers an der Luga hatte Street Soccer United eine längere Organisationszeit. So muss man nur noch hoffen, dass das Wetter stimmt.

Zum Verein «Strassenliga Zentralschweiz»

Der Verein «Strassenliga Zentralschweiz» hat zwei Standbeine: Zum einen das Integrationsprojekt Street Soccer United, zum anderen das Projekt Strassenfussball-Tour Zentralschweiz. Das Angebot umfasst Turniere, die in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendarbeit verschiedener Gemeinden funktionieren.

Der Verein besucht Gemeinden, wo während mehreren Tagen die Steet-Soccer-Anlage aufgestellt wird. In der Freizeit der Kinder wird ein Ligasystem organisiert, bei dem sich die Kinder (über die Jugendarbeit) anmelden können. Auch hier liegt der Fokus auf Fairness und Respekt.

Anders als bei Street Soccer United wird bei der Strassenfussball-Tour der Turnier-Modus ernst genommen: Die Gewinnermannschaften qualifizieren sich für weiterführende Cups und können schlussendlich überregional gegen andere Teams antreten.

Leistungsvereinbarung mit Kanton läuft ab

Der Verein untersteht dem gesamtschweizerischen Projekt «Laureus Street Soccer». Dies ist ein Projekt von «infoklick.ch». Im Rahmen seines 50% Pensums als Mitarbeiter in der Regionalstelle von infoklick.ch Zentralschweiz ist Elias Vogel für die Projektleitung Strassenliga Zentralschweiz zuständig.

Weiter hat der Verein eine Leistungsvereinbarung mit der Sportförderung des Kantons Luzern, diese läuft aber 2018 aus. Ob diese Vereinbarung verlängert wird, ist noch unklar. Die neue Dienststelle für Asyl- und Flüchtlingswesen arbeitet noch nicht mit dem Verein zusammen. «Die neue Dienststelle braucht Zeit, um richtig anzulaufen», so Vogel, «unser Konzept liegt ihnen aber vor.» Bereits arbeite man zum dritten Mal im Rahmen der Aktionswoche Asyl des Kantons Luzern zusammen. Vom 26. bis 29. Juni wird Street Soccer United ihr Angebot im Durchgangszentrum Sonnenhof (Emmenbrücke) präsentieren, am 30. Juni im Vögeligärtli (Luzern).

Der Verein finanziert sich zusätzlich über Mitgliederbeiträge, Sponsoren und Werbung. Ausserdem erreichte der Verein im Jahr 2016 den zweiten Platz beim Challenge-Preis der Sanitas Krankenversicherung für die Strassenfussball-Tour, dotiert mit 2000 Franken. 2017 ist der Verein wieder nominiert – diesmal mit Street Soccer United.

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1 Kommentare
  1. Günther Netzer, 03.05.2017, 13:35 Uhr

    Der FC Inter Altstadt Luzern (www.interamore.ch) hat seit Jahren in dieser Sache eine Vorbildsfunktion übernommen für andere Vereine im IFV. Schon während des Jugoslawienkonflikts haben wir Flüchtlinge in die Mannschaft genommen und zur besseren Integration beigetragen. Später durch die Aufnahme des FC Inter Africa. Auch die Alternativ Liga Luzern trägt meines Wissens seit Neustem dazu bei.