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Kennst du schon den Recycling-Do-it-yourself-Schlitten?
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Dieser Tellschlitten bietet zwei Passagieren Platz. (Bild: jwy)

Luzerner schraubt eigenen Schnee-Boliden Kennst du schon den Recycling-Do-it-yourself-Schlitten?

4 min Lesezeit 2 Kommentare 19.01.2020, 16:00 Uhr

Zusammengeschraubt aus alten Ski- und Veloteilen: Der Tellschlitten aus Luzern ist aus Recycling-Materialien gebaut. Zwei solcher Gefährte kann man gratis ausleihen. Der Erfinder hofft jetzt auf Abnehmer.

Eine Velofahrt dem winterlichen Freigleis entlang. Vor dem kleinen Gratisladen gleich bei der Kreuzung Freigleis/Horwerstrasse steht Grümpel. Ob da jemand sein Altmetall entsorgt hat?

Doch Moment, bei genauem Hinsehen entpuppt sich das ungewöhnliche Etwas als ein von Hand zusammengebauter Schlitten. «Tellschlitten» heisst das Ding, verrät ein handgeschriebenes Schild.

Dieser sei aus Recyclingmaterialien zusammengebaut: Alte Skis als Kufen, ein abgetrenntes Snowboard als Unterlage, ein alter Pneu zum Draufsitzen, ja selbst eine alte Velogabel und abgetrennte Skistöcke kommen zum Einsatz.

«Jeder ist ein Unikat, ich habe keinen fixen Produktionsplan.»

Christian Jozsa, Schlittenbauer

Zwei solcher Do-it-yourself-Schlitten – einer davon ein Zweiplätzer – stehen vor dem alten Zentralbahn-Stellwerk. Das Häuschen wird momentan zwischengenutzt vom Verein «Räzel», der darin einen nichtkommerziellen Begegnungs- und Weiterbildungsort betreibt. Inklusive dem rund um die Uhr geöffneten Gratisladen (zentralplus berichtete).

Das Einer-Modell des Tellschlittens.

15 Stunden Handarbeit pro Modell

Man darf den «ausgeklügelten Recyclingschlitten» gratis ausleihen, maximal acht Tage, verrät das Schild weiter. Und weil die Dinger etwas sperrig sind, lassen sie sich für den Transport praktischerweise drehen und auf zwei kleinen Rädern rollend ziehen.

Wer hat die Dinger gebaut? Als Kontakt ist die E-Mail-Adresse [email protected] angegeben, über die man sich die Recycling-Schlitten bestellen kann.

Es meldet sich Christian Jozsa aus Kriens. Der gelernte Mechaniker hat sich die Konstruktion ausgedacht und baut die Schlitten seit fünf Jahren in seiner Werkstatt. Es habe viele Prototypen gebraucht bis zum jetzigen Tellschlitten, erzählt der 43-jährige Krienser. «Auch jetzt ist jeder ein Unikat, ich habe keinen fixen Produktionsplan.»

Zehn Stück hat er an Lager, er verkauft sie zwischen 150 und 250 Franken. Rund 15 Stunden Handarbeit steckt in einem Modell. Viel Metallstaub und Dreck falle beim Bohren und Fräsen der Teile an. «Während des Bauens kann ich abschalten», erzählt er.

Aus alten Ski- und Veloteilen und einem Pneu wird der Schlitten zusammengebaut.

Wieso nicht ein Schlitten-Verleih?

Abgesehen von den Scharnieren besteht er nur aus Wegwerfmaterial: Neben den Skis auch aus Velorahmen, Felgen, Tennisbällen, Schläuchen und Rädern von einem Kickboard. Als Bremse dient ebenfalls ein abgetrenntes Stück Ski.

Der grosse Renner ist Jozsas Schlitten bisher noch nicht, obwohl er kürzlich 3’000 Flyer in Briefkästen verteilte. Aufmerksamkeit erhofft er sich nun von den zwei gratis ausleihbaren Exemplaren beim Freigleis, wo der Publikumsaufmarsch gross ist. Er würde gern noch mehr Schlitten zur Verfügung stellen, wenn jemand Interesse hat. «Schön wäre, wenn in einem Skigebiet zehn Stück stünden, die man wie Leihvelos via Smartphone ausleihen kann», sagt er.

Den Schlitten kann man in Luzern gratis ausleihen.

Wie kam er auf die Idee, den Schlitten neu zu erfinden? Nachhaltiges Bauen interessiert ihn und die Schlitten stetig zu verbessern. Er nennt die Vorteile seines Tellschlittens: «Man kann die Arme abstützen, man sitzt aufrecht und gleitet durch das Gewicht schnell durch den Schnee.»

Er hat die Prototypen ausgiebig selber getestet und hebt insbesondere das Lenksystem mit der Hebelwirkung hervor: «Dadurch hat man eine gute Kraftumsetzung auf die Skis und man kann unverkrampft fahren.» Das dürfte vielen helfen, die sich mit der Steuerung von herkömmlichen Davoser Schlitten schwertun.

Kein umkämpfter Markt

Und wieso Tellschlitten? «Der Name war noch frei», sagt Jozsa. Zudem gebe es in der Innerschweiz viele Schlittelpisten. «Ich hätte ihn auch Krienser- oder Pilatusschlitten nennen können.» Und wie beurteilt er die Erfolgsaussichten seines Modells? Nur noch etwa fünf Schlittenbauer gebe es im Land. «Es ist kein umkämpfter Markt», sagt er trocken.

Allenfalls könnte das massive Gewicht für den Transport im öV oder der Aufstieg auf den Berg ein Hindernis sein. Der leichteste Tellschlitten wiegt 14 Kilo – andere bis zu 20.

Jetzt muss nur noch der fehlende Schnee fallen, dann steht einem Test des Tellschlittens nichts mehr im Weg. Kostenlos stehen sie zur Ausleihe bereit. «Wenn jemand etwas geben will, ist natürlich auch gut», sagt Christian Jozsa.

So sieht der Tellschlitten im Schnee aus:

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2 Kommentare
  1. Dunning-Kruger, 19.01.2020, 17:28 Uhr

    Nehmen ohne zu fragen. Diese Devise kommt mir v.a. im Zusammenhang mit anderen „Aktivitäten“ der Räzel-Anhänger und Sympathisanten bestens bekannt vor.

  2. Ram Dass, 19.01.2020, 17:07 Uhr

    Wackere Erfindung für eine bessere, gerechtere Welt! Steuert nur nach links? Oder geht auch nach rechts?