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Keine Ruhe für den Südpol
  • Kultur
Luzerner «Süd-Agglo-Herz»: Das Kulturzentrum Südpol. (Bild: zvg)

Zum 10-Jährigen wird es kühl in Kriens Keine Ruhe für den Südpol

3 min Lesezeit 07.05.2018, 13:32 Uhr

Im November 2018 feiert der Südpol seinen 10. Geburtstag. Ein halbes Jahr vorher, an der Generalversammlung, war die Feierlaune jedoch wenig ausgeprägt. Zudem muss das Kulturhaus einen gewichtigen Abgang vermelden.

«Der Südpol hat in seinen Kinderjahren stürmische Zeiten erlebt. Die Wogen haben sich geglättet, die See wird ruhiger.» So steht es im aktuellen Jahresbericht des Südpols. Doch das Rechnungsergebnis 2017 dürfe nicht verschwiegen werden, heisst es dort ebenfalls (siehe Box).

Das wirft Fragen auf. Bei der Mitgliederversammlung Ende April 2018 soll die Atmosphäre mehr als angespannt gewesen sein. Eine aufgeregte, angriffige Stimmung habe geherrscht, sagten Mitglieder des Vereins gegenüber zentralplus.

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Gerüchte zu kommentieren sei nicht seine Art, sagt der Präsident des Vereins Südpol, Luzi Andreas Meyer, aber er verstehe es, dass Mitglieder des Vereins und auch Mitarbeiter durch die Zahlen verunsichert seien und Antworten verlangten.

Dazu kommt der Rücktritt des künstlerischen Leiters Patrick Müller nach sechs Jahren, welcher die Unsicherheit nochmals verstärke. «Personelle Wechsel verursachen immer auch eine Verunsicherung», so Meyer. 

Die Massnahmen stehen an

Für das Personal habe die finanzielle Situation keine Auswirkungen. «Ein Personalabbau war und ist kein Thema», sagt Patrick Müller. Es seien feine Massnahmen, die nun getroffen würden. «Wir drehen an verschiedensten Schräublein und planen mannigfaltige Aktivitäten, welche den Südpol zu einem noch attraktiveren Begegnungsort machen werden», so Meyer. Der Vorstand nehme den Rücktritt von Patrick Müller zum Anlass, eine Standortbestimmung vorzunehmen, und gehe danach die Nachfolgeregelung an.

Auslastung hat sich verringert

Rund 3000 Gäste weniger als im Vorjahr haben das Kulturhaus besucht. Bei den Erträgen aus den Kulturveranstaltungen ist der Unterschied von 2017 zum Vorjahr bezeichnend: Im Jahr 2016 waren es 177'000 Franken, im Jahr 2017 lediglich 104'000 Franken. Das Kulturhaus im Süden von Luzern kämpft mit den Auswirkungen einer sich rasant verändernden Gesellschaft.

Im Bereich Musik wurde die Anzahl Veranstaltungen um 19 auf 78 gesteigert, die Auslastung der einzelnen Konzerte verringerte sich jedoch gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich 15 Besucher pro Konzert. Inbesondere der Club konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Dringend notwendige Rückstellungen für Technik und Infrastruktur konnten deshalb nicht vorgenommen werden, heisst es im Jahresbericht.

Es sei ja nicht so, als würden die Zahlen längerfristig nach unten zeigen. «Gerade letzte Woche hatten wir mit den Young Gods ein erfolgreiches und ausverkauftes Konzert in der Grossen Halle», so Meyer.

Die Konkurrenz schläft nicht

Die Konkurrenzsituation unter den Veranstaltungshäusern in Luzern sei besonders im Konzertbereich hoch. Doch auch im Theaterbereich ist die Konkurrenz, mit der aktiveren Freien Szene, dem Neubad als vielseitigem Veranstalter und dem Luzerner Theater mit einer niederschwelligeren, experimentelleren Schiene, gewachsen.

Patrick Müller betont jedoch: «Wir nehmen andere Institutionen nicht als Konkurrenz wahr. Schlussendlich verfolgen wir alle das gleiche Ziel: Menschen sollen sich an öffentlichen Orten real begegnen. In unserem Fall sollen sie hier auch mit Inhalten in Berührung kommen, die etwas mit ihnen machen. Mir scheint das in der heutigen Zeit extrem wichtig.»

In den kommenden Monaten dehne sich die Stadt durch den Neubau der Hochschule für Musik und die riesige Überbauung beim Krienser Mattenhof wie selbstverständlich ein ganzes Stück mehr nach Süden aus. «Diese Entwicklung ist für uns ein riesiger Gewinn», sagt Meyer schon heute.

Lokal verankert

Die Richtung, in welche sich das Programm weiter entwickeln werde, sei vom Leistungsauftrag der Stadt Luzern klar vorgegeben, so Meyer. «Wir wollen lokal noch stärker verankert sein und uns darüber hinaus noch mehr öffnen.» Doch ist das Programm des Südpols grundsätzlich zu szenig? Ist diese kleine Nische im beschaulichen Luzern zu klein, um zu rentieren?

«Ich sehe den Südpol gut aufgestellt.»
Patrick Müller, künstlerischer Leiter

Das glaubt Patrick Müller nicht. Erfolg lasse sich nicht nur an den Zahlen messen, 2017 habe es inhaltlich herausragende Projekt mit grosser Ausstrahlungskraft gegeben. «Wir setzen weiterhin auf Künstler, deren Qualität wir sehen», so Müller. «Aber natürlich holen wir auch Veranstaltungen ins Haus, die ein breites Publikum ansprechen.»

Neue Herausforderungen

Das sei 2017 nicht immer aufgegangen, aber die Massnahmen, dies zu ändern, seien getroffen. Patrick Müller betont: «Ich sehe den Südpol gut aufgestellt, die Mitarbeitenden sind sehr kompetent und die Pläne für die Zukunft erfolgsversprechend.» Seine Entscheidung, zu gehen und etwas Anderes zu machen, habe mit den aktuellen Zahlen nichts zu tun. Nach sechs Jahren habe er schlicht die Musse für etwas Neues.

Die Nachfolgeregelung für die Stelle von Patrick Müller steht noch bevor. Kein idealer Zeitpunkt, könnte man meinen. Doch Luzi Meyer sieht dies positiv: «Jede Veränderung ist auch eine Chance.»

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