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Keine Panik am Zugerberg
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Wo ist der Schnee? Webcam-Bild vom Wildspitz mit Blick auf das Nebelmeer über Zug. (Bild: Screenshot Webcam)

Grüne Zuger Skipisten Keine Panik am Zugerberg

6 min Lesezeit 30.12.2015, 10:01 Uhr

Für die Zuger Skisportgebiete wäre jetzt eigentlich Hochsaison. Ein wichtiges Detail macht den Wintersportlern aber einen Strich durch die Rechnung: Der fehlende Schnee. Während man andernorts in Panik gerät, kommt einigen Zugern der Schneemangel aber sogar ziemlich gelegen.

«Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass unser Skiliftbetrieb ab sofort eingestellt werden muss. Wir haben leider zu wenig Schnee», lautet die Telefonbeantworter-Auskunft vom Skilift Raten. Ähnlich tönt es bei den Verantwortlichen der Langlaufloipe Unterägeri. Wer sich über den Pistenzustand informiert, wird herb enttäuscht: «Die Wintersaison 2015/16 auf den Loipen von Unterägeri steht bevor», heisst es seit Tagen auf deren Homepage. Und weiter: «Unser Loipenteam ist bereit, die Loipe ist ausgesteckt. Schnee haben wir aber keinen in Unterägeri – bis auf Weiteres ist auch keiner in Sicht …»

Skilift Nollen: Nicht in Betrieb. Langlaufloipe Menzingen: Geschlossen. Und jene am Zugerberg: Geschlossen seit dem 1. Dezember 2015. Um es kurz zu machen: Wintersport ist im Kanton Zug zurzeit nicht möglich. Dabei wäre jetzt auch hier Hochsaison. Der Kanton Zug ist vielleicht nicht gerade als Schneesportmekka bekannt. Dennoch gibt es hier einige kleine Schmuckstücke, auf denen man sich mit Brettern an den Füssen vertun könnte – oder besser: Es gäbe solche Schmuckstücke. Denn Frau Holle ist seit Wochen im Dauerstreik. Die Pisten sind grün, Skier, Schlitten und Langlaufausrüstungen bleiben im Keller.

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«Wir haben die jetzige Saison noch nicht abgeschrieben.»

Peter Schnurrenberger, Vizepräsident Loipe Zugerberg

Business as usual

Während aber andernorts grosses Wehklagen angesagt ist und der Wintersaison 2015/16 schon jetzt ein miserables Zeugnis ausgestellt wird, bleiben die Zuger Wintersportbetreiber trotz trüber Aussichten relativ gelassen. «Auch wenn uns die derzeitige Wetterlage vielleicht etwas beunruhigt, so haben wir aus den Erfahrungen der letzten Saisons die jetzige noch nicht abgeschrieben», sagt Peter Schnurrenberger. Er ist zuständig für den Betrieb und den Unterhalt der Langlaufloipen auf dem Zugerberg und für die Pflege der Pisten beim Skilift Vordergeissboden. Zurzeit hat er diesbezüglich nicht viel zu tun. Business as usual in wetterabhängigen Geschäftsfeldern.

Der «Vorteil» der Zuger besteht darin, dass man sich grundsätzlich gewöhnt ist, nicht sonderlich viel Schnee auf den Kantonspisten zu haben. Der höchste Punkt des Kantons Zug, der Wildspitz, ist knapp 1600 Meter hoch. Die Skipisten und Langlaufloipen auf dem Zugerberg liegen auf gut 1000 Meter über Meer. Der Skilift Raten in Oberägeri und die Langlaufloipe Menzingen liegen auch nicht höher. In Zug stapelt man tief, nicht nur was die Geländeerhebungen angeht, sondern auch was die erwartete winterliche Ertragsbeute betrifft.

«Bei Fön verwandelt sich der Zugerberg in kurzer Zeit in eine grüne Landschaft.»

Peter Schnurrenberger, Loipe Zugerberg

«Die Wintersaisons sind schon seit vielen Jahren sehr wechselhaft, mal besser und mal schlechter», sagt Peter Schnurrenberger vom Zugerberg und fügt an: «Durchschnittlich können wir unsere Loipen zwischen 50 und 60 Tagen als geöffnet melden.» Auch letztes Jahr konnten die Loipen am Zugerberg erst um den Jahreswechsel für kurze Zeit und erst ab Mitte Januar 2015 so richtig geöffnet werden. «Dafür war der Betrieb, zeitweise bei traumhaften Bedingungen, bis Mitte März 2015 möglich», erinnert sich der Pistenchef.

Neues Jahr, neues Glück

Die Wetterprognosen für die Alpennordseite sind für Wintersportler vielversprechend: An Silvester ziehen Wolken auf, und diese bringen nach Tagen der «Dürre» wieder etwas Abwechslung auf den meteorologischen Speiseplan. Zwar wird’s am Vormittag nur stellenweise nass. Doch setzt der Regen im Laufe des Nachmittags vielerorts ein. In der Neujahresnacht wird’s in den Alpen und den östlichen Voralpen dann überall nass. Die Schneefallgrenze befindet sich auf 1300 bis 800 Meter – Tendenz sinkend.

An Neujahr in den Alpen und im Osten zunächst noch trüb und nass. Am Nachmittag wird’s zunehmend sonnig. Am Berchtoldstag ziehen neue Wolken auf und im Laufe des Tages beginnt es aus Westen wiederum zu regnen. Am Sonntag zunächst Flocken bis 600 Meter, bei sonnigen Abschnitten tagsüber. Höchstwerte zwischen vier und acht Grad.

Das Problem ist also ein bekanntes. Im Fall des Zugerbergs spielen nicht nur das Wetter eine Rolle, sondern ebenso geografische Faktoren. Schnurrenberger erklärt: «Die Höhe des Zugerbergs ist mit rund 1000 Meter über Meer auf einer kritischen Höhe. Ausserdem ist er bei einer Fönlage so exponiert, dass sich der Zugerberg in kurzer Zeit von tiefem Winter in eine grüne Landschaft verwandeln kann.»

Keine Panik

Wie in der letzten Saison hat nicht nur der Zugerberg keinen Schnee. Wie Schnurrenberger weiss, gibt es im ganzen Kanton Zug zurzeit keine Möglichkeit zum Langlaufen. Das bestätigt Salvatore Lucini von den mit 700 Metern über Meer tiefsten kantonalen Langlaufloipen in Unterägeri: «Für unsere Kunden ist es natürlich schade», sagt er, «dennoch ist es bei uns nicht so prekär wie in Skigebieten, weil wir neben Tageskarten vor allem Loipenpässe für die ganze Schweiz verkaufen.»

Die Leute müssten wohl oder übel auf andere, alpine Wintersportgebiete ausweichen, wenn sie auf den Langlaufsport nicht verzichten möchten. Lucini bleibt aber gelassen: «Wir nehmen es, wie es kommt», sagt er mit einem Lachen. Das Wetter sei nun mal nicht beeinflussbar. Die Höhe der Berge noch weniger.

Die Saison sei aber trotz Schneemangel noch nicht gelaufen, und von Panik will er schon gar nichts wissen. «Natürlich würden wir mehr Pässe und Tageskarten verkaufen, wenn da Schnee läge. Aber viele haben ihren Loipenpass bereits Ende letzte Saison wieder gekauft. Und da wir freiwillig für den Verein arbeiten, besteht bei uns kein sonderlich grosser Profitdruck.»

«Wir machen lieber nichts als etwas Halbbatziges.»

Edgar Schuler, Präsident Snowzug

Abwarten und Tee trinken

Auch den hiesigen Skiclubs bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten. «Wir haben die Skikurse abgesagt und warten jetzt, bis der Schnee fällt», sagt Edgar Schuler vom Skiclub Finstersee. Er ist zugleich der Präsident von Snowzug, dem Dachverband der Zuger Skiclubs. Die Situation sei zwar ärgerlich, gerade weil in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr viele Kinder die Kurse besuchen würden. «So ist das aber, wenn man vom Wetter abhängig ist. Jetzt gibt’s halt Zwangsferien», sagt Schuler mit einem Schmunzeln.

Alternativen habe der Skiclub Finstersee keine zu bieten. Das wäre zu aufwendig und würde schnell zu teuer werden, sagt Schuler. «Ausserdem liegen unsere Kompetenzen klar beim Skisport. Und wir machen lieber nichts als etwas Halbbatziges.» So bleibe die Hoffnung, dass sich Frau Holle im neuen Jahr gnädig zeigen wird.

«Wenn wir bis zu den Sportferien noch immer auf grüne Hügel und Bergketten blicken, dann erst ist die Saison gelaufen.»

Salvatore Lucini, Loipe Unterägeri

Des einen Leid …

Was nicht ist, kann ja noch werden. Die Wettervorhersagen zum Jahreswechsel lassen zumindest Hoffnung aufkeimen (siehe Box). Die Zuger Skilift- und Loipenbetreiber gehen jedenfalls gelassen mit der momentanen Situation um. Die aktuelle Saison ist schliesslich noch nicht alt. «Wenn wir bis zu den Sportferien noch immer auf grüne Hügel und Bergketten blicken, dann erst ist die Saison gelaufen», sagt Salvatore Lucini von der Loipe Unterägeri.

Peter Schnurrenberger vom Zugerberg schliesst sich dem an. Noch sei es zu früh, um die Hände zu verwerfen. Einen «Plan B» bestehe zurzeit nicht: «Sollten wir jedoch eine ganz schlechte Saison zu verzeichnen haben, was wir natürlich nicht hoffen, so werden wir dies im Frühling innerhalb unseres Vorstandes besprechen und uns weitere Möglichkeiten überlegen und ausdenken», sagt er.

Des einen Leid ist ja bekanntlich des anderen Freud. Gar kein Problem damit, dass die weisse Pracht bisher ausblieb, hat das Restaurant Wildspitz an der Kantonsgrenze von Zug und Schwyz. «Wenn die Leute sonst nichts machen können, kommen sie zu uns», lacht Geschäftsführerin Christa Klingler. Die Höhe locke gerade jene Leute an, die dem Nebel im Flachland entfliehen und etwas Vitamin D tanken wollen. Und davon gäbe es gerade im Kanton Zug einige.

Deswegen seien zurzeit merklich mehr Wanderer und Biker unterwegs, was der Gaststätte durchaus zu Gute käme. Denn Wildspitz und Zugerberg sind gern gesehene Wanderdestinationen und gerade genug hoch gelegen, um der Nebelsuppe zu entfliehen. «Wir profitieren davon, dass kein Schnee liegt», sagt Gastronomin Klingler – und hat keine Zeit, dem etwas hinzuzufügen, denn die Hütte ist voll und die Gäste warten.

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