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Keine Musik zu machen, kommt für ihn nicht infrage
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Lieber im Studio als auf der Bühne: Sänger Sebastian Meyer. (Bild: neh)

Luzerner Sebastian Meyer mit neuer Band am Start Keine Musik zu machen, kommt für ihn nicht infrage

4 min Lesezeit 29.11.2017, 13:49 Uhr

Die Luzerner Band Augustine’s Suspenders heisst jetzt Granular. Kopf des Quartetts ist der 22-jährige Sänger und Gitarrist Sebastian Meyer. Bis zur Plattentaufe bleibt eine grosse Herausforderung: Wie bringt der Soundtüftler die Songs vom Studio auf die Bühne?

Man könnte es wohl genetische Vorbelastung nennen: Sowohl die Mutter wie auch der Vater von Sebastian Meyer sind klassische Musiker. «Ich habe als Kind manchmal neben der Bratsche geschlafen, weil die beiden im gleichen Orchester tätig waren. Und eine meiner Schwestern ist Opernsängerin in Schweden», erzählt der Sänger und Gitarrist von Granular. Am 1. Dezember tauft das Luzerner Quartett in der Schüür seine erste CD.

Dass Meyers Schwester in Schweden lebt, ist kein Zufall, denn seine Mutter kommt von da. So erklären sich auch die einzigen zwei Popbands, die seine Eltern gern hören: Beatles und … ABBA.

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Zwar macht Sebastian Meyer keine klassische Musik, doch er spielt unter anderem Klavier, Gitarre und sang mal in einem Chor. Heute studiert er Keyboards in der Pop-Abteilung der Zürcher Hochschule der Künste.

Bekannte Gesichter

Hinter der neuen Band Granular verstecken sich bekannte Gesichter: Mit ähnlicher Besetzung veröffentlichte die Vorgängerband Augustine’s Suspenders 2014 eine EP. «Seither hat sich unser Sound aber recht verändert. Neue Bandmitglieder haben neue Einflüsse mitgebracht, wir sind musikalisch breiter geworden», erklärt Sebastian Meyer. «Ausserdem war der Name viel zu lang und niemand konnte ihn sich merken.»

Der Song «Ewe» von Granular:

Granular bedeutet einerseits «körnig», andererseits ist es ein technischer Begriff aus der Musikproduktion. «Ich finde es immer sehr schwierig, unseren Sound zu beschreiben. Früher waren wir eher eine Gitarrenrock-Band, heute gibt’s mehr Elektronik», so der Musikstudent. «Wir sagen meist, dass wir Progressive Pop machen, poppiger als früher, mit klassischer Songstruktur des Pop.»

Seine Musik werde oft mit jener der belgischen Band Balthazar verglichen. Schöner Zufall: Deren Kopf Maarten Devoldere ist in Luzern ein gern gesehener Gast, und er trat Ende November mit seinem Soloprojekt Warhaus ebenfalls in der Schüür auf (zentralplus berichtete).

Herausforderung Live-Konzert

Als Einziger in der Band, der Musik zu seinem Beruf machen will, fühlt Sebastian Meyer eine gewisse Verantwortung, vor allem, was die Vorbereitung der Proben und die Arrangements betreffe. «Wir schreiben selten einen Song zu viert, sondern jemand nimmt ein Demo mit und damit arbeiten wir. Auch wenn ich der Einzige bin, der Musik studiert: Die anderen sind ebenso sehr engagiert», so der Sänger, der nebenbei noch bei Radio 3fach moderiert.

Das Luzerner Quartett Granular – von links: Leroy Biscette (Drums), Sebastian Meyer (Voc, Keys, Guit), Christian Cotting (Guit, Voc) und Matthias Cotting (Keys, Bass).

Das Luzerner Quartett Granular – von links: Leroy Biscette (Drums), Sebastian Meyer (Voc, Keys, Guit), Christian Cotting (Guit, Voc) und Matthias Cotting (Keys, Bass).

(Bild: zvg/Meret Wettstein)

Für das Debüt-Album «XI» haben sie die Songs geschrieben und sogleich aufgenommen, ohne sie zuvor live an einem Konzert zu spielen. «Dadurch wurden die Songs fast etwas überproduziert, so dass wir uns im Moment überlegen müssen, wie wir das live umsetzen wollen und können, zum Beispiel in Bezug auf die mehrspurigen Drums», meint Sebastian Meyer schmunzelnd.

Streit gebe es in der Band allerdings nicht, sondern Diskussionen wie im Parlament, bei denen man die anderen mit guten Argumenten überzeuge wolle.

Klassik am Küchentisch

Der 22-jährige Meyer hat Musik mit der Muttermilch verabreicht bekommen. «Keine Musik zu machen oder zu hören, ist keine Alternative. Darum überlege ich mir auch nicht, was meine Motivation ist, Musik zu machen.» Es sei gar nie in Frage gekommen, etwas anderes zu machen: «Ich denke immer an Musik.» So spielt er neben seiner eigenen Band auch noch in verschiedenen anderen mit, zum Beispiel GeilerAsDu oder Hej Francis!.

Sein Zugang zur Musik habe sich seit seinem Studienbeginn nicht grundlegend geändert: «Musik hat schon mit Emotionen zu tun, vieles passiert aber auch im Kopf.» Er sei auch durch das Studium nicht analytischer geworden, das sei er schon früher gewesen: «Beim Zmorge lief immer DRS 2» – also klassische Musik. Aber er spiele heute mit verschiedensten Leuten, sei in Bezug auf die Stilrichtung toleranter geworden.

Musik findet man

Meyer singt bei Granular auf Englisch, nicht auf Deutsch oder Schwedisch. «Auf Schweizerdeutsch werden Texte irgendwie viel ernster, die Leute hören anders zu, als wenn man auf Englisch singt.» Musik entstehe bei ihm nicht unbedingt, wenn er an einem seiner Instrumente sitze: «Musik findet man eher.»

Er sitze lieber im Studio und tüftele, als dass er live spiele. «Klar, so ein Konzert ist toll. Und Performance ist auch ein wichtiger Teil des Studiums», sagt er. Und die Schule habe schon viele bekannte Schweizer Acts hervorgebracht, zum Beispiel spielen bei Nemo, Pegasus oder Carrousel Leute von der ZHdK. «In der Schweizer Musikszene brodelt es», so Meyer.

Umso mehr beschäftige ihn die No-Billag-Initiative – wie auch andere Musiker (zentralplus berichtete): «Ohne diese Plattform wird es für Schweizer Musiker viel schwieriger, gehört zu werden», betont der passionierte Heimwerker.

Denkt wohl auch in diesem Moment gerade an Musik: Sänger und Gitarrist Sebastian Meyer.

Denkt wohl auch in diesem Moment gerade an Musik: Sänger und Gitarrist Sebastian Meyer.

(Bild: neh)

Doch bevor er sich deswegen an die Urne aufmachen kann, steht die CD-Taufe vor der Türe. «Nach der Taufe steht allenfalls ein Video auf dem Programm, vielleicht Konzerte in Deutschland. Und dann möglichst bald neue Musik», freut er sich.

Und in fernerer Zukunft möchte Sebastian Meyer möglichst breit in der Musikszene verankert sein, ein Soloalbum aufnehmen und mit ganz verschiedenen Leuten spielen. «Das ist das Tolle an der Musik: Man kann jahrelang quasi das Gleiche machen, einfach auf ganz unterschiedliche Arten», meint er grinsend.

Granular tauft sein Debütalbum «XI» (LittleJig) am Freitag, 1. Dezember, 21 Uhr, in der Schüür Luzern. Support: Visions in Clouds. Anschliessend «Disco Noir» mit DJ Guerolito.

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