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Keine leichte Kost zum Festivalauftakt
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«Zur Eröffnung setzte Willisau auf die familiäre Atmosphäre und ein waches Ohr der Gäste.» (Bild: Daniel Spiesecke)

Eröffnungsabend des Jazz Festivals Willisau Keine leichte Kost zum Festivalauftakt

3 min Lesezeit 31.08.2017, 17:14 Uhr

Fünf Tage lang schaut die Jazz-Welt nach Willisau. Die Eröffnung des Festivals «Le String’Blö» war von konzentrierter, virtuoser Musik geprägt. Die Leichtigkeit des Jazz stellte sich erst später mit Posaunist Ray Anderson ein.

Einmal im Jahr beweist Willisau, dass es auch Weltstadt sein kann. Die pittoreske Altstadt gerät für einige Tage aus dem Fokus und Jazztalente aus der ganzen Welt geben den Ton an: es ist Jazzfestivalzeit (zentralplus berichtete)!

Am möglicherweise letzten Tag des Sommers eröffnet nun wieder ein kleines Gastro-Dorf rund um die Festhalle. Das Ambiente ist einladend, Musiker sitzen gemeinsam mit Besuchern aus aller Welt und den Gästen im Lounge-Bereich. Manche kommen auch nur zu einem Bier vorbei, ohne nachher das Konzert zu besuchen. Schliesslich treten auch vor dem Hauptkonzert schon Künstler unter freiem Himmel auf.

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Zuerst stürmen «Le String’Blö» die Bühne. Ihr harmonisch und rhythmisch sehr freier Start führt die Zuhörer erstmal in die Irre. Erwartet das Publikum jetzt eine ganze Stunde impressionistische Klangcollage? Nein, nach wenigen Minuten finden sie sich zu einem gewaltigen Unisono zusammen und geben dann ein nachvollziehbares Metrum vor.

Angeführt wird die fünfköpfige Band von den Luzerner Saxophonisten Lino Blöchlinger und Sebastian Strinning, die sich auf gleich mehrere Blasinstrumente verstehen. Zu den Tenorsaxophonen treten etwa eine virtuos beherrschte Bassklarinette und ein Basssaxophon hinzu.

 

Experimentelle Harmonien

«Le String’Blö» zeichnen sich durch den organischen Wechsel zwischen grundverschiedenen musikalischen Elementen aus. Freie Funk-Improvisationen werden von tutti-Einlagen aufgefangen, die wuchtig wie Rock-Riffs sind. An jeder musikalischen Stellschraube wird gedreht, auf experimentelle Harmonien folgen rhythmische Zwischenspiele. Diese Musik ist keine leichte Kost und sorgt nicht für kollektive Entzückung, wird aber gut aufgenommen, «Le String’Blö» revanchieren sich dafür mit Zugaben.

Nach der Pause lockt ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten die Gäste wieder in die Halle. Der Posaunist Ray Anderson führte das schelmisch nach den Instrumenten benannte Trio «BassDrumBone» an. Er trat in Willisau schon in den 70er-Jahren auf, 2009 veröffentlichte er sogar eine Aufnahme seines Auftritts beim Festival gemeinsam mit dem Saxophonisten Marty Ehrlich.

Entsprechend goutiert das Publikum in der fast vollen Festhalle die Ankunft des Rückkehrers. «Wir kommen mit grosser Dankbarkeit zurück nach Willisau. Es ist toll, einfach mit seinen Freunden Musik zu machen und das jetzt schon seit 40 Jahren», lässt Anderson seine Fans wissen.

Neues wagen und alte Bekannte treffen

Nicht nur Willisau kennt Anderson also recht gut, sondern auch seine Bandkollegen. Sein raues Spiel mit den Geräuschen, die eine Posaune abseits eines hellen Tons erzeugen kann, steht nicht alleine da. Auch seine Bandkollegen Mark Helias und Garry Hemingway sind Meister ihrer Instrumente. Sein Wissen gibt Hemingway übrigens an der Hochschule Luzern weiter. Nur kleine Gesten und kurze Worte brauchen die drei, um ihr Spiel zu koordinieren.

Abgesehen von der Treue, die das Publikum seinen Helden auf der Bühne entgegenbringt, spricht sicher auch die Konzentrationsfähigkeit für die Besucher. Die Bands freuten sich sichtlich über die Wertschätzung in Form des aufmerksamen Zuhörens. Mit dem Song «Oh Yeah» gewinnt die fokussierte Atmosphäre dann auch noch etwas Lockerheit. Er könne diesen fröhlichen Song «trotz der Tatsache, dass in den Vereinigten Staaten nicht alles gut läuft im Moment» vertreten. Anderson ruft das «Oh Yeah» mit dem Publikum hin und her, Scat-Gesang ersetzt hier die Posaune. Auch «BassDrumBone» werden nicht ohne Zugabe ziehen gelassen.

Bühne frei für Aussergewöhnliches

Zur Eröffnung setzte Willisau auf die familiäre Atmosphäre und ein waches Ohr der Gäste. Dieser wichtige Charakter des Festivals wird in den nächsten Tagen noch durch farbenfrohe und beschwingtere Ensembles ergänzt. So wird etwa ein riesiges Jazz-Orchester mit über 30 Musikern die Festhalle zum Klingen bringen.

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