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Keine Extrawurst für Mall of Switzerland
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Mall of Switzerland: Wurde Druck auf Politiker ausgeübt? Düstere Vorgeschichten kommen wieder ans Licht. (Bild: halter.ch)

Öffnungszeiten gelten auch für Einkaufszentrum Keine Extrawurst für Mall of Switzerland

5 min Lesezeit 1 Kommentar 05.01.2017, 10:40 Uhr

Die Mall of Switzerland wollte sich als touristische Attraktion anpreisen und damit längere Öffnungszeiten erreichen. Nun steht fest: Daraus wird nichts. Dafür will man die Kunden mit besonderem Service in den Konsumtempel locken.

Um die Öffnungszeiten in der Mall of Switzerland zu verlängern, plante das Shoppingcenter, sich als touristische Attraktion zu deklarieren. «Wir haben den Anspruch geprüft und er ist vom Tisch», erklärt der Kommunikationsbeauftragte der Mall, Werner Schaeppi. Die 450 Millionen teure Mall of Switzerland wird am 28. September 2017 eröffnet und bietet 65’000 Quadratmeter Fläche für Einzelhandels-, Gastro- und Freizeitangebote. Sie ist damit das grösste Einkaufszentrum der Innerschweiz und das zweitgrösste schweizweit.

Eine Attraktion vielleicht, aber keine touristische

Gemeinden dürfen laut dem Ruhetags- und Ladenschlussgesetz (RLG) für speziell auf den Tourismus ausgerichtete Verkaufsgeschäfte längere Ladenöffnungszeiten beantragen: An Werktagen bis 22:30 Uhr und an Ruhetagen bis 20:00 Uhr. Um als touristischer Hot Spot zu gelten, müsste eine Mehrheit der Geschäfte in der Mall auf eine touristische Kundschaft ausgerichtet sein. Das sei aber nicht der Fall.

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Ganz anders äusserte sich Schaeppi im Februar 2016 gegenüber «20 Minuten»: «Wir sind überzeugt, dass die Mall of Switzerland eine ganz grosse touristische Attraktion der Region Luzern und der ganzen Innerschweiz wird. Daher denken wir, dass wir auch entsprechend längere Öffnungszeiten zugebilligt bekommen.» Haben sich die Verantwortlichen verkalkuliert? Schaeppi widerspricht: «Das war keineswegs eine Fehlannahme.» Mit den 150 Ladengeschäften und dem breiten Freizeitangebot werde man eine weitere Attraktion der Luzerner Tourismusregion Luzern sein, so Schaeppi.

«Kanton muss bei Ladenöffnungszeiten umdenken»

Nun steht also fest: Der Alleingang der Mall klappt nicht, es gelten die üblichen Regeln für die Öffnungszeiten: Unter der Woche bis 18:30 Uhr, mit Ausnahme von zwei Abendverkäufen pro Woche bis 21 Uhr, und an Samstagen bis 16 Uhr. Das gilt aber nicht für Geschäfte innerhalb des Komplexes, die vom Ladenschlussgesetz ausgenommen sind, wie das Kino mit den zwölf Sälen, das Fitness-Center oder Gastronomiebetriebe.

«Nach drei Nein-Voten in den letzten zehn Jahren zur Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten besteht hier jedoch wenig Spielraum auf kantonaler Ebene.»

Werner Schaeppi, Kommunikationsbeauftragter Mall of Switzerland

Das Schoppingcenter hat ausserdem gemeinsam mit verschiedenen Akteuren aus der Branche über politische Möglichkeiten diskutiert, die Ladenöffnungszeiten im Kanton zu liberalisieren. «Nach drei Nein-Voten in den letzten zehn Jahren zur Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten besteht hier jedoch wenig Spielraum auf kantonaler Ebene», räumt Schaeppi ein. Er ist dennoch überzeugt, das Luzern «umdenken muss» bei den Ladenöffnungszeiten. Sonst drohten mittelfristig Arbeitsplätze im Detailhandel verloren zu gehen.

Ein faszinierendes Gebäude im Kleinformat: Das Modell der Mall of Switzerland im Business-Center D4 in Root.

Das Modell der Mall of Switzerland im Business-Center D4 in Root.

(Bild: bra)

Heinz Bossert, Präsident des Detaillistenverbandes Kanton Luzern (DVL), ist nicht überrascht, dass es mit den längeren Öffnungszeiten bei der Mall of Switzerland nicht klappte: «Für alle Detaillisten im Kanton Luzern gelten die gleichen Spielregeln. Im Übrigen waren die Verantwortlichen bereits vor Baubeginn über die rechtlichen Rahmenbedingungen der Ladenöffnungszeiten im Kanton Luzern unterrichtet.»

Für Franz Stalder, Präsident der Cityvereiniung Luzern, ist das Thema Ladenöffnungszeiten «ein Dauerbrenner». Wie Bossert ist Stalder keineswegs überrascht, dass die rechtlichen Bestimmung keinen Spielraum erlauben. «Der Volkswille bei den Ladenöffnungszeiten in Luzern ist bekannt.»

Shoppingcenter verlieren Marktanteile

Ein weiterer Aspekt dürfte den Mall-Betreibern Sorgen bereiten: Schweizer Shoppingcenter verlieren zunehmend Marktanteile an den Online-Handel, wie das Marktforschungsinstitut GFK Switzerland in einer Untersuchung bilanziert. Der Konsumtempel in der Luzerner Agglo tritt in einen stark umkämpften Markt ein (zentralplus berichtete).

Der Kommunikationsbeauftragte Schaeppi erklärt, man möchte diesem Trend mit mehr Service entgegentreten. «Wir bieten unseren Mietern die Infrastruktur für Click- & Collect, Heimlieferservice», so Schaeppi. Die Kunden können Waren im Internet bestellen und danach selbst im Geschäft abholen oder sich umgekehrt ihren Einkauf vor die Haustüre liefern lassen, während sie z.B. in der Mall noch ins Kino gehen. Um die Kunden nach Ebikon zu locken, wolle man den Besuchern ausserdem ein Erlebnis bieten. Unter anderem finden sich in der Mall eine Indoor-Surfanlage (zentralplus berichtete), Fitnesscenter, ein Grosskino, ein Kinderhort und spezielle Attraktionen für Kinder.

«Die Sogwirkung der Shoppingcenter entzieht vielen KMU-Geschäften die Existenzgrundlage.»

Heinz Bossert, Präsident Detaillistenverband Kanton Luzern

Grundsätzliche Vorbehalte gegenüber Grossprojekt

Grundsätzliche Vorbehalte gegenüber dem Grossprojekt vor den Toren der Stadt bleiben bei DVL-Präsident Bossert: Der Trend hin zu grossen Shoppingcenter in der Peripherie sei insbesondere ein Problem für das Kleingewerbe. «Die Sogwirkung der Shoppingcenter entzieht vielen KMU-Geschäften die Existenzgrundlage.» Nachweislich bestehe in der Zentralschweiz ein genügender Versorgungsgrad. «Bei dieser Ausgangslage frage ich mich, ob mittels Umverteilung überhaupt von einer Wertschöpfung im Handel gesprochen werden kann».

«Die Mall of Switzerland ist ein Beispiel für verfehlte Raumplanung.»

Heinz Bossert, Präsident Detaillistenverband Kanton Luzern

Der Kommunikationsbeauftragte der Mall of Switzerland lässt Bosserts Vorwurf nicht gelten: «Der Trend zur räumlichen Konzentration im Detailhandel besteht schon seit Jahrzenten.» Nicht nur Shoppingcenter würden in diesem Sinne als Magnet für Kunden und Anbieter wirken. Auch Bahnhöfe, Flughafen oder attraktive Dorf- und Stadtzentren hätten diesen Effekt auf ihre jeweilige Umgebung, argumentiert Schaeppi.

Mall of Switzerland verspricht Massnahmen

Auch beim Thema Verkehr findet der Präsident des Detaillistenverbandes klare Worte: «Die Mall of Switzerland ist ein Beispiel für verfehlte Raumplanung und läuft den Umweltschutzbestrebungen zuwider. Der automobile Einkauf, welcher zu allen ökologischen Bestrebungen und Massnahmen im Widerspruch steht, wird geradezu provoziert.»

Werner Schaeppi verspricht beim Verkehr Massnahmen. «Neben dem bestehenden Anschluss an die S-Bahn wird der Busbetrieb bis zur Mall stark ausgebaut.» Die Mall zahle laut Schaeppi an die Verlängerung der Buslinie 1 einen einmaligen Beitrag von 1,5 Millionen Franken sowie während der kommenden 15 Jahre jährlich 500’000 Franken an deren Unterhalt, also insgesamt 9 Millionen Franken.

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1 Kommentare
  1. Ronja Rebel, 05.01.2017, 12:03 Uhr

    Ich verstehe ja nicht warum man dem Bahnhof Luzern andere Öffnungszeiten zuspricht. Dieser ist ja mittlerweile nun wirklich nichts anderes als eine Shoppingmall.

    Wenn schon, dann auch dort ab 18:30 die Läden dichtmachen.