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Keine Ampeln und Tempo 30 für fröhliche Shopping-Touren
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Blick vom Postplatz in Richtung Neugasse: Auch hier soll nach Plänen des Kantons künftig Tempo 30 gelten – obwohl der Verkehr schon aufgrund des hohen Fahrzeugaufkommens immer wieder stockt. (Bild: pbu)

Grünliberale fordern neues Verkehrsregime in Zug Keine Ampeln und Tempo 30 für fröhliche Shopping-Touren

5 min Lesezeit 29.08.2016, 18:05 Uhr

Die Grünliberalen der Stadt Zug geben nicht auf. Erneut startet die Partei einen Versuch, die Höchstgeschwindigkeit in der Zuger Innenstadt von 50 auf 30 Stundenkilometer zu reduzieren. Dieses Mal zum Wohle einkaufswütiger Passanten.

Die Hauptachse der Zuger Innenstadt soll an Samstagen sicherer und flüssiger gestaltet werden. Das fordern die Grünliberalen (GLP) in einem Vorstoss. Was zunächst vernünftig erscheinen mag, lässt auf den zweiten Blick allerdings mehr als ein Fragezeichen aufblitzen. Das Anliegen soll nämlich mit zwei Massnahmen erreicht werden: zum einen mit einer Temporeduktion von 50 auf 30 km/h, zum anderen mit der Abschaltung der Verkehrsampeln am Postplatz, am Bundesplatz und beim Metalli – jeweils temporär von 9 bis 17 Uhr.

«Als Stadtbewohner ist mir aufgefallen, dass die Zuger Innenstadt am Samstag ein unangenehmer Ort für Passanten ist», erklärt Gemeinderat David Meyer seine Motivation für den Vorstoss. Die Passanten würden bei Dunkelorange über die Strasse springen, um nicht schon wieder die schwere Einkaufstasche abstellen zu müssen, habe der GLP-Politiker beobachtet. Und auch als Autofahrer wisse er, dass die Situation auf den Strassen unbefriedigend daherkomme. «Alle 100 Meter kommt man an einem Rotlicht zum Stehen. Dieses ständige Stop and Go ist nicht optimal.»

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Alle Jahre wieder

Diesen «arhythmischen Zuständen» wollen Meyer und sein Parteikollege Stefan W. Huber mit einer zweijährigen Testphase entgegenwirken. Das GLP-Anliegen ist nicht neu, kommt nun allerdings bereits zum zweiten Mal in einem neuen Gewand daher. Im September 2014 forderte die Partei in einer Motion vom Stadtrat, sich beim Kanton für eine Tempo-30-Zone einzusetzen. Damit sollte der Strassenraum zwischen Bahnhof und Metalli sowie Gubel- und Gotthardstrasse aufgewertet werden. Ein Jahr darauf, im September 2015, wurde der Stadtrat damit beauftragt, beim Kanton einen Versuch für eine Tempo-30-Zone auf der Achse Casino–Gubelstrasse zu beantragen – um den Verkehr zu beruhigen.

«Wir wollen keine Tempo-30-Zone, sondern eine temporäre Temporeduktion.»

David Meyer, GLP-Gemeinderat

Nun soll die Temporeduktion in Kombination mit stillgelegten Ampeln also dazu dienen, den Passanten ein sicheres und stressfreies Einkaufserlebnis zu gewähren. Von altem Wein in neuen Schläuchen möchte Motionär David Meyer jedoch nichts wissen: «Der Unterschied liegt darin, dass für unser Anliegen praktisch keine baulichen Massnahmen nötig sind. Auch die Kosten bleiben marginal. Wir wollen schliesslich keine Tempo-30-Zone, sondern eine temporäre Temporeduktion.»

Das klappt schon – mit etwas Verkehrssinn

Die Motionäre stellen sich vor, dass die vorübergehende Temporeduktion mit Wechselschildern angezeigt wird. «Analog der Autobahnbeschilderung, bei denen sich die Geschwindigkeitslimiten im Handumdrehen anpassen lassen», erklärt Meyer. Die Verkehrsregeln liessen sich damit von einer Minute auf die andere ändern. Um 8.59 Uhr darf 50, um 9 Uhr nur noch 30 gefahren werden. «Wer an einem Samstag in der Innenstadt unterwegs ist, der weiss, dass es sich dabei um eine Anpassung handeln würde, die heute faktisch bereits besteht», meint Meyer. Man könne ohnehin selten auf 50 km/h beschleunigen, da das nächste Rotlicht bereits warte.

Wenn man aber gar nicht erst auf 50 km/h beschleunigen dürfe, würde sich die Situation für alle Verkehrsteilnehmer beruhigen. «Wenn man die Strasse überqueren will, sieht man herankommende Autos gut und kann sich, mit etwas Verkehrssinn, frei über den Fussgängerstreifen bewegen», schreiben die Motionäre. Und weiter: «Die achtsamen Automobilisten sehen frühzeitig querungswillige Fussgänger und können so ihre Geschwindigkeit optimieren und flüssig weiterfahren.»

Ausserdem spreche man dabei von einer Versuchsphase, betont Meyer. «Während zwei Jahren könnten wir die Situation beobachten und analysieren. Falls es sich nicht bewähren sollte, liessen sich die Massnahmen problemlos wieder rückgängig machen.»

«Würden die Ampeln bei den Fussgängerstreifen entfernt, käme der Verkehr noch mehr ins Stocken.»

Jürg Messmer, SVP-Fraktionschef

Mehr Stau, weniger Sicherheit

Gar kein Verständnis für diesen Vorstoss hat SVP-Fraktionschef Jürg Messmer. «Zunächst einmal ist die Stadt der falsche Adressat dafür. Weil es sich dabei um Kantonsstrassen handelt, wäre dies Sache des Kantons. Aber auch unabhängig davon bin ich klar gegen die Motion. Denn die angepriesene Verkehrsverflüssigung würde sich schlicht nicht einstellen.» Fahrzeuge in der Innenstadt würden sich heute auch an Fussgängerstreifen ohne Ampeln stauen, sagt der SVP-Gemeinderat. «Würden die Ampeln auch bei anderen Fussgängerstreifen entfernt, käme der Verkehr noch mehr ins Stocken.»

Als Beispiel nennt er die Bushaltestelle beim Metalli. Wenn dort 50 Leute aussteigen würden, dann käme der Verkehr kurzerhand zum Erliegen. In sicherheitstechnischer Hinsicht kann Messmer ebenfalls keine Vorteile erkennen. «Am Samstag darf ich von 9 bis 17 Uhr über den Fussgängerstreifen laufen. Unter der Woche muss ich mich nach der Ampel richten. Gerade für Kinder ist diese fehlende Rechtssicherheit höchst problematisch.» Solche Bedenken teilt David Meyer auf der anderen Seite nicht: «Die Autos wären langsamer unterwegs. Die Verkehrssituation wird ruhiger, auch akustisch, sicherer und berechenbarer.»

Am Anfang war der Samstag

Jürg Messmer könne sich indes vorstellen, dass das geplante Verkehrsregime künftig nicht nur an Samstagen, sondern in einem zweiten Schritt auf alle übrigen Wochentage ausgedehnt werden solle. «Plötzlich heisst es dann, an den Abendverkäufen donnerstags müsse man das auch machen. Da steckt sicherlich mehr dahinter als nur der Samstag.» Ein deutliches Dementi darauf kommt vonseiten der GLP nicht: «Wenn es sich bewährt, kann man das anschauen», sagt David Meyer, fügt aber sogleich an, dass die Situation an Samstagen eine ganz andere sei als an Werktagen. An keinem anderen Tag seien so viele Passanten in der Zuger Innenstadt unterwegs wie samstags zu Ladenöffnungszeiten.

Im Grossen Gemeinderat wird der Vorstoss jedenfalls einen schweren Stand haben. Bereits die ersten beiden Versuche, eine Tempo-30-Zone einzuführen, stiessen beim Stadtrat auf wenig Gegenliebe. Dass sich die Stadt nun dafür stark macht, im Zentrum nicht nur das Tempo zu reduzieren, sondern auch gleich noch die Rotlichter ausser Betrieb zu setzen, ist zu bezweifeln – auch wenn es sich faktisch nicht um eine geplante Tempo-30-Zone handelt.

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