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Kein Lohn, dafür gute Jobchancen
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15 Personen fanden auch dank der Arbeitsintegrationsprogramme im vergangenen Jahr einen Job in der Privatwirtschaft. (Bild: Stadt Luzern )

Stadt Luzern stellt Sozialhilfebezüger an Kein Lohn, dafür gute Jobchancen

3 min Lesezeit 15.07.2015, 17:11 Uhr

Weder Job, noch Geld, da bleibt nur die Sozialhilfe. Und gleichzeitig taucht der Vorwurf des Schmarotzertums auf. Doch statt auf der faulen Haut zu liegen, bemühen sich viele Sozialhilfebezüger um eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Die Stadt Luzern hilft ihnen dabei, gehört aber auch zu den Profiteuren. Ein Betroffener berichtet.

Die Suche nach Arbeit ist nicht einfach. Umso schwieriger wird sie bei längerer Arbeitslosigkeit. Sie wirkt sich stark negativ auf die Betroffenen aus. Diese sind frustriert und ihr Selbswertgefühl sinkt – insbesondere wenn Sozialhilfe beantragt werden muss. Eine Negativspirale, die nur schwer zu durchbrechen ist. Die Stadt Luzern scheint aber eine Lösung für das Problem gefunden zu haben. Sie hilft Betroffenen mit auf maximal ein Jahr befristeten «Praktika» den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu schaffen.

«Fit» und «ReFit» heissen die beiden Arbeitsintegrationsprogramme der Stadt Luzern. Das Ziel besteht darin, Sozialhilfebezügern Arbeitserfahrungen zu ermöglichen, sei es bei Reparatur-, Wartungs- oder Reinigungsarbeiten, wie die Stadt in einer Mitteilung schreibt. 14 Frauen und 18 Männer arbeiten zurzeit in den beiden Programmen. Nebst Stellen bei Betagtenzentren, der Stadtgärtnerei, der Volksschule oder dem Teilungsamt schuf die Stadt vor einem Jahr auch zehn Stellen beim Tiefbauamt.

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«Wieder richtig Mensch sein»

Patrick Bähler ist ein Teilnehmer des Programms «Fit». Er unterstützt die Sachbearbeiter beim Teilungsamt der Stadt Luzern. «Es tut gut, gebraucht zu werden. Ich fühle mich wieder wie ein richtiger Mensch», sagt Bähler gegenüber zentral+. Er ist sichtlich froh um die Aufgabe und den geregelten Tagesablauf und blickt mit Zuversicht der kommenden Stellensuche entgegen.

«Das Wichtigste ist, wieder ein aktuelles Arbeitszeugnis zu erhalten», erkärt er. Sei man längere Zeit arbeitslos, so würde man bei Bewerbungsgesprächen oft als arbeitsunfähig eingeschätzt. «Dank dem Arbeitsintegrationsprogramm kann ich unter Beweis stellen, dass ich arbeiten kann.» Klar sei er um jeden Franken froh, aber wegen des «wirklich niedrigen» Lohns mache er das nicht.

Job in der Privatwirtschaft angestrebt

«Die Sozialhilfebezüger, die an solchen Programmen teilnehmen, sind motiviert zu arbeiten», sagt Stadtrat Martin Merki, Sozialdirektor der Stadt Luzern. Sie würden Eigeninitiative zeigen und seien gewillt, von der Sozialhilfe los zu kommen. «Ein Hauptziel ist es, den Teilnehmern ein neues Selbstwertgefühl zu geben und ihnen den Rücken zu stärken.» Zudem würden entscheidende Schlüsselqualifikationen wie Pünktlichkeit und Teamfähigkeit vermittelt. «Das tut den Sozialhilfebezügern gut und sie bewerben sich anschliessend mit einem viel besseren Gefühl», so Merki.

Stadtrat Martin Merki ist voll des Lobes über die Arbeitsintegrationsprogramme der Stadt Luzern (Bild: zvg).

Stadtrat Martin Merki ist voll des Lobes über die Arbeitsintegrationsprogramme der Stadt Luzern (Bild: zvg).

Der Lohn für eine Arbeitsintegrationsstelle beträgt 200 Franken. Die Teilnehmer leben weiterhin von der wirtschaftlichen Sozialhilfe. «Die Motivation, am Programm teilzunehmen, liegt nicht im Lohn», hält Merki fest. Vielmehr sei es die Arbeitserfahrung, welche die Vermittlung und Eingliederung in den Arbeitsmarkt erleichtere. In der Tat sind die Jobaussichten nach dem Absolvieren des Programms gut – 15 Personen fanden im letzten Jahr wieder eine Stelle in der Privatwirtschaft.

Vermittlungen nehmen zu

Wer nun meint, die Stadt profitiere von 32 Billigarbeitern, der irrt. «Diese Personen nehmen niemandem den Job weg», sagt Merki. Sie werden zusätzlich eingesetzt und übernehmen Aufgaben, welche die Stadt ansonsten nicht leisten könnte. Den Wert der geleisteten Arbeit habe man nicht berrechnet, so Merki. Für die Stadt ist aber ein anderer Punkt fast wichtiger – nämlich dass diese Leute aus der Sozialhilfe raus kommen. «Wiedereingliederung bedeutet Erfolg für die Stellensuchenden, die Arbeitgeber und die Stadt Luzern», sagt Merki.

Betreut werden die Sozialhilfebezüger von der Fachstelle Arbeit. Diese klärt in Standortgesprächen die beruflichen und persönlichen Fähigkeiten ab. Bestehen Chancen auf einen Wiedereinstieg, werden die Personen einem Arbeitsintegrationsprogramm zugewiesen. Die Abteilung Personalvermittlung wurde im Jahr 2014 neu konzipiert. Sie ist für die Vermittlung von Sozialhilfebezügern zuständig. Und schreibt momentan eine Erfolgsgeschichte. Die Zahl der Vermittlungen konnte auch dank den Synergien mit den Arbeitsvermittlungsprogrammen mehr als verdoppelt werden (siehe Grafik).

Die Zahl der Vermittlungen hat 2014 massiv zugenommen (Bild: Stadt Luzern).

Die Zahl der Vermittlungen hat 2014 massiv zugenommen (Bild: Stadt Luzern).

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