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Kein Geld: Zug verwehrt Kantischülern den Schulbus
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Man sieht's: Der Bus der Linie 2 ist hoffnungslos überfüllt. Zusätzliche Schüler können am Talacher gar nicht mehr zusteigen. (Bild: zvg)

Neue Buslinie Oberägeri-Menzingen ist abgelehnt Kein Geld: Zug verwehrt Kantischülern den Schulbus

4 min Lesezeit 29.11.2018, 22:48 Uhr

Viele Ägerer hätten gern eine neue Buslinie, welches ihr Tal mit Menzingen verbindet, wo das nächstgelegene Gymnasium steht. Damit haben sie keinen Erfolg, denn bei den Zugerland Verkehrsbetrieben muss gespart werden. Endgültig vom Tisch ist die Idee aber nicht.

Zwischen dem Ägerital und Menzingen existiert ein Problem: Der öffentliche Verkehr verbindet beide Räume nur schlecht. 

Das bringt die Ägerer Kanti-Schüler, welche die ausgebaute Kantonsschule in Menzingen besuchen, in die Bredouille. Es werden immer mehr – derzeit sind es etwa 160.

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Zwei Forderungen nach mehr öffentlichem Verkehr

Die drei CVP-Kantonsräte Laura Dittli, Patrick Iten und Iris Bauer-Hess wollten deshalb mittels Postulat die Einrichtung eine Bus-Direktverbindung zwischen Ägerital und Menzingen erreichen.

Die Ägerer und Menzinger Kantonsparlamentarier Gabriela Ingold (FDP), Beat Iten (SP), Peter Letter (FDP), René Kryenbühl (SVP), Karl Nussbaumer (SVP), Mariann Hess (ALG), Marcel Peter (FDP) und Thomas Werner
 (SVP) doppelten nach und verlangten die Prüfung von sinnvollen Massnahmen, welcher den Missstand aus der Welt schaffen könnte.

Zusatzkurs soll Entlastung bringen

Dieses will die Zuger Regierung nun anpacken indem sie die günstigste aller denkbaren Massnahmen umsetzt. Indem sie nämlich zu Stosszeiten zusätzliche Busse auf den Streken Zug-Menzingen und Zug-Oberägeri verkehren lässt und einen Verstärkungskurs anberaumt. Nach wie vor müssten die Schüler im Talacher umsteigen, also einen Umweg von mehreren Kilometern in Kauf nehmen.

Eine Direktverbindung zwischen dem Ägerital und Menzingen hingegen lehnt die Regierung ab, «da die entstehenden Kosten in keinem Verhältnis zur Nachfrage stehen würden». Der Zusatzkurs zu Spitzenzeiten kostet gut 30’000 Franken pro Jahr, der Bund würde sich an der Finanzierung beteiligen.

Sinnloser Umweg

Eine Verbesserung der Lage träte nach dem Umbau des Knotens Nidfurren ein. Dort, wo die Kantonsstrasse nach Menzingen von der Verbindung von Zug ins Ägerital abzweigt, soll ein Kreisel entstehen. Mit der Einrichtung einer Bushaltestelle würden die Schüler nicht mehr kilometerweise vergeblich hin und her fahren.

Als zweitgünstigste Möglichkeit scheint die vom Regierungsrat abgelehnte Schaffung einer Direktverbindung zwischen Ägeri und Menzingen, die 171’000 Franken kosten würde.

Gemeinden wollen nicht allein zahlen

Und als dritte Möglichkeit, die Einführung eines Schulbusses der Kantonsschule Menzingen. Der würde jährlich 285’000 Franken kosten. Ein solcher Bus wurde bereits in den Gemeinden Oberägeri und Unterägeri, wo die Kosten hängen bleiben, diskutiert.

«Zu einer Kanti gehört auch die Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln.»

Beat Iten (SP), Unterägeri

Das Thema sei im Ägerital sehr präsent, sagte Beat Iten, SP-Gemeinderat von Unteräger am Donnerstag im Zuger Kantonsparlament. «Die Gemeinden Oberägeri und Unterägeri haben sich bisher immer auf den Standpunkt gestellt, dass der Auf- und Ausbau der Kantonsschule Menzingen ein kantonaler Entscheid war und dass zu einer kantonalen Schule auch die Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln gehört». Deshalb lehnten sie einen Alleingang  der Gemeinden ab.

Schulbus geniesst Sympathien

Einige Kantonsräte sind aber mit der günstigsten Variante nicht glücklich. Ralph Ryser (SVP) etwa brachte wiederum die Schulbus-Variante aufs Tapet, deren Finanzierung er auf mehrere Schultern verteilt sehen möchte. Ryser wollte einen Schulbus, bis 2021/2022 der Kreisel Nidfurren fertig ist.

Andreas Hürlimann (ALG) regte sich indes über all die bürgerlichen Kantonsräte auf, die in der Vergangenheit mitgeholfen hätten, das Angebot des öffentlichen Verkehrs zusammenzustreichen und nun wieder seinen Ausbau fordern, wenn es ihre Wohngemeinde betrifft. 

ZVB muss 10 Prozent einsparen

«Wir haben Verständnis für Anliegen, welche das Reisen im öffentlichen Verkehr attraktiver gestalten wollen», sagt er.  Somit habe man auch Sympathie für das Anliegen einer besseren Anbindung der Kantonsschule Menzingen. Sei dies nun aus dem Ägerital oder von anderen Ecken des Kantons Zug.

Grün: Buslinie Zug-Menzingen, rot: Buslinie Zug-Oberägeri.

Grün: Buslinie Zug-Menzingen, rot: Buslinie Zug-Oberägeri.

(Bild: google maps)

Doch im Rahmen des kantonalen Sparprogramms «Finanzen 2019» sei unter anderem die ZVB aufgefordert, Massnahmen aufzuzeigen, wie die Abgeltung ab 2021 um rund 10 Prozent reduziert werden können. «Und 10 Prozent spart man nicht einfach so mir nicht dir nichts ein», so Hürlimann. Nun 170’000 bis gegen 285’000 Franken für einen Ausbau eines sehr partikulären Angebotes zu fordern, stehe quer in der Landschaft. «Wo soll dann auf der anderen Seite weiter eingespart werden? Zwischen Baar und Zug? Zwischen Steinhausen und Zug? Oder in Rotkreuz oder Hünenberg?», fragte er.

Michel prüfte Situation vor Ort

Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel (FDP) fand, dass man die Problematik pragmatisch entschärfen könne. Indem, wie geschehen, der Unterrichtsbeginn in Menzingen gestaffelt würde. «So reichen die Kapazitäten aus». Er hat sich selber am Talacher in die Schlange der Kanti-Schüler gestellt, um dies zu überprüfen.

«Den Verkehr nachfrageorientiert zu steuern sei das Gebot der Stunde», sagt Michel. Man könne nicht unendlich zu Stosszeiten mehr Busse über die Strasse schicken. Deswegen sei man auch mit den Gemeinden im Gespräch, um den Zusatzkurs bei Bedarf umzulegen.

Dittli will in drei Jahren nochmal nachdenken

Die Oberägerer CVP-Kantonsrätin Laura Dittli behielt sich vor, die Idee einer Bus-Direktverbindung von Oberägeri nach Menzingen wieder aufs Tapet zu bringen, wenn in rund drei Jahren der Kreisel Nidfurren in Betrieb geht.

Dass ihr Anliegen auch von vielen Abgeordneten aus den Talgemeinden ernst genommen werden, zeigte die Abstimmung im Kantonsrat: Das CVP-Postulat wurde nämlich nur relativ knapp – mit 38 zu 30 Stimmen – als nicht erheblich erklärt. Als mehr oder weniger erledigt betrachten die Zuger Kantonsparlamentarier indes das andere Postulat aus dem Berggebiet, das die Prüfung von Massnahmen verlangte. Es wurde mit grosser Mehrheit abgeschrieben.  

 

 

 

 

 

 

 

 

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