Kaufen Zuger bald bis 20 Uhr ein? Was dafür spricht – und was dagegen
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Wäre nicht Corona, dürften Zuger Läden derzeit bis 19 Uhr geöffnet haben. (Bild: jal)

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Abstimmung Kaufen Zuger bald bis 20 Uhr ein? Was dafür spricht – und was dagegen

5 min Lesezeit 3 Kommentare 08.02.2021, 15:31 Uhr

Eine Initiative der bürgerlichen Jungparteien will im Kanton Zug die Ladenöffnungszeiten liberalisieren. Am 7. März entscheiden die Stimmbürger, ob Geschäfte künftig eine Stunde länger offen haben dürfen. Was dafür und was dagegen spricht – und wie die Chancen stehen.

Worum geht es?

Die Läden im Kanton Zug sollen künftig eine Stunde länger offen sein dürfen. Das verlangt die Volksinitiative «+1», über die am 7. März abgestimmt wird. Lanciert wurde sie von den Jungfreisinnigen, den Jungen Grünliberalen und der Jungen SVP des Kantons Zug.

Was würde sich ändern?

Heute müssen die Geschäfte im Kanton Zug wochentags um 19 Uhr und samstags um 17 Uhr schliessen. Ausgenommen sind die Läden an Tankstellen und in den Bahnhöfen.

Bei einem Ja am 7. März gingen die Türen spätestens um 20 Uhr (Montag bis Freitag) beziehungsweise 18 Uhr (Samstag) zu.

Was sagen die Initianten?

Die liberalen Jungparteien wollen für alle Läden gleich lange Spiesse schaffen. Gerade der Andrang an den Bahnhöfen und Tankstellenshops zeigt ihrer Meinung nach, dass die Nachfrage der Kunden nach längeren Öffnungszeiten vorhanden sei. «Die gesellschaftlichen Bedürfnisse haben sich gewandelt», argumentiert das Pro-Komitee.

Immer mehr Menschen kämen erst nach 19 Uhr zum Einkaufen. Die Initianten wollen den Detailhändlern die Chance geben, darauf zu reagieren und das Gesetz der Realität anzupassen. Sofern sie das wollen: Denn jede Ladenbesitzerin könnte weiterhin selber entscheiden, ob sie um 19 oder 20 Uhr schliessen will. Es gehe also nicht in erster Linie um längere, sondern vor allem um flexiblere Öffnungszeiten.

Tabea Estermann, Gian Brun, Laura Anderrüthi und Kathi Büttel von den bürgerlichen Jungparteien kämpfen für die Initiative.

Mit der Liberalisierung kann laut den Befürwortern auch der Einkaufstourismus unterbunden werden. Heute würden Kunden ihre Besorgungen oft in den Nachbarkantonen machen, wo die Geschäfte länger offen sind. Dort zeige sich zudem, dass die ausgedehnteren Öffnungszeiten kaum negative Konsequenzen hätten.

Was sagen die Gegner?

Die Gegner der verlängerten Ladenöffnungszeiten führen in erster Linie die negativen Folgen für die Angestellten, ihr Freizeit- und Familienleben und die kleinen Läden ins Feld. Die Initiative ist ihrer Ansicht nach Ausdruck einer egoistischen Anspruchshaltung seitens der Konsumenten, denen eine Menge Nachteile gegenübersteht.

Ihrer Meinung nach leiden Arbeitnehmerinnen im Detailhandel, wo die Löhne eher tief sind, bereits heute unter Stress. Hätten die Geschäfte neu bis 20 Uhr offen, würden sie zudem vom Vereinsleben ausgeschlossen und hätten noch mehr Schwierigkeiten mit der Kinderbetreuung.

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Auch für die Geschäfte würden längere Öffnungszeiten nur höhere Lohnkosten und nicht mehr Umsatz bringen. Als Beispiel nennen sie den Abendverkauf, der bereits heute oft eine «Flaute» sei. Gerade kleinere Geschäfte kämen aber unter Druck, mit den grösseren Shops und Ladenketten mitziehen zu müssen. Zudem würde kaum ein Zuger, der heute auf dem Heimweg beim Bahnhof oder Tankstellenshop Halt macht, deswegen künftig im Stadtzentrum einkaufen gehen. Und gegen den konkurrenzierenden Onlinehandel seien längere Ladenöffnungszeiten das falsche Rezept.

Wie ist es in den Nachbarkantonen?

Im Vergleich mit vielen Nachbarkantonen sind die Regeln in Zug strenger. Aargau, Zürich und Schwyz wie auch Ob- und Nidwalden haben keine eigenen Gesetze mit fixen Ladenöffnungszeiten. Sprich: Die Läden können nach eigenem Wunsch bis maximal 23 Uhr geöffnet sein. Die Realität zeigt aber, dass die wenigsten diesen Spielraum nutzen und viele um 19, 20 oder 21 Uhr schliessen.

Anders im Kanton Luzern, in dieser Frage lange der konservativste der Schweiz: Dort müssen die Läden seit knapp einem Jahr von Gesetzes wegen ebenfalls um 19 Uhr schliessen (zentralplus berichtete). Im gesamtschweizerischen Vergleich liegt Zug indes ungefähr im Durchschnitt.

Wie stehen Regierung und Kantonsrat dazu?

Der Regierungsrat wollte ursprünglich ganz auf kantonal vorgeschriebene Ladenöffnungszeiten verzichten – analog zu Aargau, Zürich oder Schwyz (zentralplus berichtete). Damit hätte jeder Laden selber entscheiden können, ob er um 19 oder erst um 23 Uhr schliessen will, sofern das Arbeitsgesetz eingehalten wird. Dieser Gegenvorschlag fand im Kantonsrat aber keine Mehrheit.

Allerdings war das Parlament wegen des Gegenvorschlags zu einer taktischen Abstimmung gezwungen (zentralplus berichtete). Offiziell lehnen Regierungs- und Kantonsrat die Initiative «+1» deshalb ab. Gemäss Abstimmungsbotschaft halten sie die aktuellen Ladenöffnungszeiten für ausreichend und sehen keinen Bedarf für eine Ausweitung.

Wer ist dafür?

Die Ja-Parole beschlossen haben die FDP und die GLP. Auch die Zuger Wirtschaftskammer begrüsst verlängerte Öffnungszeiten. In der Vernehmlassung haben sich zudem auch die Vereinigung Pro Zug und der Zuger Gewerbeverband dafür ausgesprochen.

Nebst den Initianten um die Jungfreisinnigen, um Junge Grünliberale und Junge SVP ist – anders als die Mutterpartei – auch die Junge Mitte (ehemals JCVP) dafür.

Wer ist dagegen?

Ein überparteiliches Komitee bekämpft die längeren Ladenöffnungszeiten. So empfehlen SP, ALG sowie auf bürgerlicher Seite die CVP die Nein-Parole. Auch die Juso und die Junge Alternative sind dagegen.

Die SVP hat Stimmfreigabe beschlossen. Exponenten der Partei engagieren sich im Pro- und im Contra-Komitee.

Wie stehen die Chancen?

Entsprechende Forderungen haben an der Urne keinen einfachen Stand. In den letzten Jahren sind Anpassungen vielerorts am Widerstand des Stimmvolks gescheitert. Denn der Widerstand ist oft breit gestreut. Das zeigt auch die Tatsache, dass sich in Zug nicht nur die linken Parteien gegen längere Ladenöffnungszeiten wehren, sondern auch bürgerliche Politiker.

Die letzten Versuche, im Kanton Zug am Ladenschluss zu rütteln, blieben erfolglos. 1997 lehnten es die Zuger mit 61 Prozent ab, dass samstags bis 19 Uhr eingekauft werden kann. 2002 scheiterte eine Lockerung der Öffnungszeiten an Werktagen, damals stimmten 54,5 Prozent Nein. Seither sind indes fast 20 Jahre vergangen. Ob sich mit dem Wandel der Gesellschaft auch die Haltung der Zuger zu den Ladenöffnungszeiten verändert hat, zeigt sich am 7. März 2021.

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3 Kommentare
  1. Felix, 09.02.2021, 08:17 Uhr

    Diese Öffnungszeiten sind schlecht für das Verkaufspersonal und kleine Läden. Als ehemaliger Verkäufer werde ich ein klares Nein in die Urne legen.

  2. Hslter, 08.02.2021, 17:22 Uhr

    Wieso bringen sie solches blöde Rätsel ins Internet wenn man es nicht lösen kann über Beizen Namen

  3. Sandra Klein, 08.02.2021, 16:45 Uhr

    Ich verstehe die aktuelle Regelung nicht. In AG, ZH und SZ sind die Läden länger geöffnet. Da Zug so klein ist, ist man sofort in einem angrenzenden Ort. Wäre also besser, man könnte in Zug länger einkaufen und wäre nicht zu einem Umweg oder Besuch des Tankstellenshops gezwungen, denn nicht alle haben so früh Feierabend.

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