Kaputte Solaranlagen in Zug treiben Kosten in die Höhe
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Die heftigen Hagelstürme haben bei zahlreichen Photovoltaik-Anlagen irreparable Schäden hinterlassen. (Bild: Kaufmann Elektro/zvg)

Hagelschäden gehen ins Geld Kaputte Solaranlagen in Zug treiben Kosten in die Höhe

5 min Lesezeit 6 Kommentare 26.08.2021, 05:00 Uhr

Eingeschlagene Fenster, geflutete Keller und abgedeckte Dächer: Die heftigen Juni-Unwetter haben im Kanton Zug einiges an Zerstörung angerichtet. Betroffen sind auch zahlreiche Solaranlagen, deren Reparatur aufwändig und teuer ist.

Die jüngsten Unwetter haben im Kanton Zug hohe Schäden hinterlassen. Seien es zerstörte Dächer, Fenster oder Fahrzeuge (zentralplus berichtete). Gemäss der Gebäudeversicherung Zug (GVZ) sind seither über 7’000 Schadensmeldungen eingegangen. «Jeden Tag kommen weitere hinzu», schreibt die GVZ Ende Juli.

Von den teils zentimetergrossen Hagelkörnern besonders betroffen waren auch Photovoltaik-Anlagen zur Erzeugung von Solarstrom. Diese Solarpanels werden meistens auf Dächern oder freien Flächen montiert, wo die Sonne sie in vollem Umfang trifft – sie aber auch allen anderen Witterungen ausgesetzt sind. Auf Anfrage von zentralplus bestätigt die GVZ, dass es bei «einigen Photovoltaik-Anlagen grössere Schäden an den Paneelen gegeben» hat.

Schaden kann noch nicht genau beziffert werden

Wie hoch die Schadenssumme in diesem Bereich ausfallen wird, kann noch nicht beziffert werden. «Aktuell gehen wir jedoch davon aus, dass sich diese Schäden auf mehrere Millionen Franken belaufen werden», sagt Richard Schärer, Direktor der Gebäudeversicherung Zug.

Für die Gebäudeversicherung liege der primäre Fokus momentan auf der Schadensbewältigung. «Die Auswertung, wie hoch die Schäden an Solaranlagen – oder auch anderen Einzelbauteilen – sind, ist mit einem erheblichen Aufwand verbunden und daher zurzeit nicht von oberster Dringlichkeit.»

«Nach aktueller Schätzung betragen die Schäden an unseren Solar-Anlagen rund 250’000 Franken.»

Florian Weber, Baudirektor Kanton Zug

Eine provisorische Schätzung über die gesamte Schadenssumme der Unwetter vom 21. und 28. Juni und dem 25. Juli beläuft sich gemäss Schärer auf rund 75 Millionen Franken.

Zu den «Opfern» der Unwetter zählen auch die vier Solar-Anlagen, die vom Kanton Zug betrieben werden. Wie Baudirektor Florian Weber auf Anfrage erklärt, wurden alle vier beschädigt. Die Kosten für die Reparatur oder den Ersatz wird durch die kantonale Gebäudeversicherung übernommen. «Nach aktueller Schätzung betragen die Schäden an unseren Solaranlagen rund 250’000 Franken», so Weber.

Zugs grösste Solar-Anlage hat’s auch erwischt

Im November 2020 hat das Zuger Photovoltaik-Unternehmen Convoltas AG für die Risi Immobilien AG im Baarer Industriegebiet Gulmmatt die grösste Solar-Anlage des Kantons gebaut. Kostenpunkt: 1,8 Millionen Franken. Auf Nachfrage bei der Convoltas sagt Sarah Lüönd, Leiterin Administration und Marketing: «Die Anlage in der Gulmmatt hat es sehr stark erwischt. Hier sind wir nun mitten in den Reparaturarbeiten.»

Wie Drohnenbilder zeigen, wurden zahlreiche Panels der Anlage Gulmmatt von den Hagelschauern getroffen. «Unsere verbauten Photovoltaik-Module halten Hagelkörnern von einem Durchmesser von 3 Zentimeter stand», erklärt Lüönd. Heuer seien jedoch grössere Hagelkörner vom Himmel gefallen.

Von den verschiedenen Anlagen, welche die Firma auf Zuger Boden realisiert hat, sei die in Baar aber als einzige in Mitleidenschaft gezogen worden. Ausserkantonal habe es dafür noch einige andere erwischt. Man sei aber im Vergleich zu anderen Unternehmen mit weniger als fünf beschädigten Anlagen noch glimpflich davongekommen.

«Jedoch muss man bedenken, dass die Flächen unserer Anlagen vielfach sehr gross sind und somit ein hoher Schaden auf wenigen Anlagen verursacht wurde», so Lüönd. Mit einer Fläche von rund 7’300 Quadratmeter ist die Gulmmatt-Anlage grösser als ein Fussballfeld.

Die Reparaturarbeiten dauern auch noch an, beeinträchtigen das «daily business» aber nicht. Ein Grund für die anhaltenden Arbeiten sei auch, dass die Schäden an den einzelnen Modulen nicht immer sichtbar seien, und somit muss die Convoltas «jedes einzelne Modul mit einem speziellen Verfahren auf unsichtbare Schäden überprüfen lassen».

Kaum Schutz für Anlagen möglich

Auch bei der Axpo, die ebenfalls im vergangenen November auf dem Industrieareal des Unterwerks Altgass in Baar eine 2’500 m2 grosse, frei stehende Solaranlage mit 1020 Panels in Betrieb genommen hat, kam es zu Schäden – wenn auch zu vergleichsweise kleinen.

«Es wurden drei der insgesamt 1’020 Panels beschädigt. Diese werden in den nächsten Wochen durch unsere Tochterfirma CKW – sie hat die Anlage auch installiert – ersetzt», erklärt Axpo-Mediensprecher Hans-Ulrich Walther auf Anfrage.

Verhindern lassen sich solche Schäden grundsätzlich kaum. «Wir können die Anlage ja nicht überdachen und auch Hagelschutznetze können nicht installiert werden, weil diese die Anlage verschatten würden», erklärt Walther weiter. Trotzdem: «Die Panels sind für normale Hagelschauer ausgelegt und zertifiziert. Bei einem starken Hagelschlag bleibt aber ein Restrisiko, dass die Panels dennoch beschädigt werden können.»

Ein kurzer Blick über die Kantonsgrenze

Ein Blick über die Kantonsgrenzen zeichnet ein ähnliches Bild. In der Region Wolhusen, wo die Unwetter besonders stark getobt haben (zentralplus berichtete), bleibt die Situation akut. «Die Reparatur- und Instandstellungsarbeiten werden noch mindestens bis in den Winter hinein dauern. Vielleicht sogar bis ins nächste Jahr», sagt Thomas Baumeler, Projektleiter von Kaufmann Elektro, einem Unternehmen, das auch Photovoltaik-Anlagen installiert.

Ein Grund dafür ist nebst der schieren Auftragsmenge – in Wolhusen sind über 40 Solar-Anlagen betroffen – auch die Tatsache, dass man diese meistens nur schwer reparieren kann. In vielen Fällen ist ein kompletter Ersatz die effektivere Lösung. «Die Grösse der Panels ist nicht genormt. Jeder Hersteller hat also andere Formate», so Baumeler. Das mache auch eine Reparatur schwierig, da ältere Modelle schnell nicht mehr verfügbar sind.

Zerschlagene Ziegel, Einschläge bei den Solar-Panels – auch in Wolhusen haben die Unwetter zahlreiche Anlagen zerstört.

Der Kanton Zug setzt auf Solarenergie

Schäden hin oder her, der Kanton Zug setzt auf Solarenergie. Derzeit werden rund 30 Gigawatt Solarstrom erzeugt – das macht etwa vier Prozent des gesamten Strombedarfs im Kanton aus. In Zukunft will Zug diese Bilanz aber erhöhen – um dem Ruf als Energiestadt auch weiterhin gerecht zu werden.

Um den Strombedarf eines vierköpfigen Haushalts zu decken, braucht es 25–35 m2 Modulfläche. Wie der Kanton Zug schreibt, könnten mit einer Kollektorfläche von 5 m2 bereits 70 Prozent des Warmwasserbedarfs eines 4-Personen-Haushalts gedeckt werden.

Was Besitzer von Solar-Anlagen übrigens beachten müssen: Die Anlage muss nach der Fertigstellung aktiv bei der Gebäudeversicherung gemeldet werden – vorausgesetzt, die Anlage befindet sich auf oder am Gebäude selbst. Tut man dies nämlich nicht, bezahlt man die Reparatur – oder den Ersatz – aus der eigenen Tasche. Eine schmerzhafte Erfahrung, die gemäss Baumeler einige Besitzer nach den Unwettern im Juni machen mussten.

Welche Dächer sich im Kanton Zug übrigens besonders gut für Solar-Anlagen eignen, siehst du hier.

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6 Kommentare
  1. Marco Meier, 26.08.2021, 13:46 Uhr

    Ist denn der Strom immer noch Ökologisch, wenn bei jedem größeren Unwetter die Solarpanelen ersetzt werden müssen? Oder wird Das einfach ignoriert, bei der Berechnung?
    Hauptsache, es macht einen «Grünen» Eindruck?

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    1. Kasimir Pfyffer, 26.08.2021, 16:54 Uhr

      Oben steht, dass die Panels bis zu einer Hagelkorngrösse von 3 Zentimetern zertifiziert sind. Pingpongball- oder gar tennisballgrosse Hagelkörner wie diesen Sommer sind ganz bestimmt nicht Teil «jedes grösseren Unwetters». Worauf genau also bezieht sich Ihre Frage?

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  2. Jacques Willimann, 26.08.2021, 08:30 Uhr

    Immerhin kann man sich dank der kaputten Sonnenfänger schon mal Gedanken über deren Entsorgung nach dem Ende der Lebensdauer machen. Darüber spricht niemand, das ist tabu und könnte ja die Solar-Euphorie killen. Die Entsorgung von PV-Paneelen ist ebenso wenig geklärt wie die von ausgedienten Windkraftanlagen. Es geht um gerade mal rund 25 Jahre Betriebsdauer.

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    1. Peter Wirsing, 26.08.2021, 10:01 Uhr

      Die Entsorgung von Brennstäben ist noch viel weniger geklärt.

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      1. Louis Flückiger, 26.08.2021, 12:10 Uhr

        Zum einen besteht schon mal ein gewaltiger Unterschied zwischen Bandstrom aus KKWs und wetter-, zeit- und jahreszeitabhängigem Flatterstrom aus Solaranlagen. Im Winterhalbjahr ist der Kt. LU mind. zu 50% von Atomstrom abhängig.

        Zum andern geht es neben den Brennstäben auch um die Entsorgung von radioaktivem Abfall aus Medizin, Industrie und Forschung. Im Felslabor bei St-Ursanne JU wird gezeigt, wie die Entsorgung sicher und dauerhaft funktioniert (Verglasung, Lagerung in Opalinuston, Verschliessung des Endlagers). Das ist ein Projekt des Bundes mit internationalen Partnern. Es gibt täglich Führungen für Interessierte. Diese dürften allerdings das Weltbild der KKW-Gegner etwas erschüttern.

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      2. Thomas Inderbitzin, 26.08.2021, 12:26 Uhr

        @Louis Flückiger: Das ist sicher richtig. Doch Sie vergessen, wie parallel zum Ausbau der Atomkapazitäten die Kapazitäten der Elektroheizungen erhöht wurden. Dieser Ausbau wurde mit extra billigen Elektroheiztarifen gefördert, damit man den Atomstrom auch in der Nacht braucht. Neubau und Ersatz von Elektroheizungen ist glücklicherweise nicht mehr erlaubt, so dass hier im Winter bald auch der Strom nicht mehr gebraucht wird.

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