Kanton Luzern verschärft Corona-Massnahmen: Ab Samstag gilt die Polizeistunde
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In Büros gilt im Kanton Luzern künftig Maskenpflicht, sofern der Abstand nicht eingehalten werden kann. (Bild: Unsplash/Engin Akyurt)

Maskenpflicht und Besuchsverbot Kanton Luzern verschärft Corona-Massnahmen: Ab Samstag gilt die Polizeistunde

3 min Lesezeit 8 Kommentare 23.10.2020, 16:15 Uhr

Der Luzerner Regierungsrat hat weitere Corona-Massnahmen beschlossen. Ab Samstag gilt die Maskenpflicht in Büros und Autos, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Bars müssen um 23 Uhr schliessen und in Altersheimen gilt ein Besuchsverbot.

Die Infektionszahlen in der Schweiz steigen auf hohem Niveau exponentiell an. Falls es nicht gelingt, die Zuwachsrate zu senken, sind die Intensivpflegestationen der Spitäler in drei bis vier Wochen an der Kapazitätsgrenze, warnen die Experten des Bundes.

Der Luzerner Regierungsrat hat deshalb dringliche Sofortmassnahmen zur Eindämmung des Virus beschlossen, wie er am Freitag mitteilt. Sie treten morgen Samstag, 24. Oktober 2020, in Kraft.

So lauten die neuen Massnahmen

  1. Maskenpflicht in Büros: An Arbeitsplätzen in Innenräumen von Einrichtungen und Betrieben gilt eine Maskenpflicht. Ausgenommen sind Personen, die allein in einem Raum arbeiten, sowie Arbeitsplätze, an denen der Abstand eingehalten werden kann oder zusätzliche Schutzmassnahmen wie Abschrankungen bestehen.
  2. Sperrstunde: Restaurationsbetriebe, einschliesslich Bars und Clubs, Diskos und Tanzlokale, müssen zwischen 23 Uhr und 6 Uhr für das Publikum geschlossen bleiben.
  3. Besuchsverbot: In Spitälern und Alters- und Pflegeheimen, einschliesslich Kurhäusern, gilt ein Besuchsverbot. Die Leitung der Einrichtung entscheidet über Ausnahmen in Härtefällen.
  4. Maskenpflicht in Autos: In geschlossenen Privat- und Transportfahrzeugen gilt eine Maskenpflicht, wenn Personen transportiert werden, die nicht im gleichen Haushalt leben.
  5. Erotikbranche: Erotik- und Sexbetriebe sind für das Publikum geschlossen.

Nach der Bundesratssitzung vom kommenden Mittwoch wird der Regierungsrat falls nötig zusätzliche Anschlussregelungen auf kantonaler Ebene treffen.

Graf: «Lage ist dramatisch»

«Die epidemiologische Lage ist dramatisch», wird der Luzerner Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf in der Mitteilung zitiert. «Laut Prognose der Science Task Force des Bundes gehen uns in etwa drei Wochen die Intensivpflegeplätze in den Spitälern aus, wenn wir die Zahl der Infektionen und Erkrankungen nicht zügig und kräftig senken. Wir können es uns nicht leisten, zuzuschauen und abzuwarten, ob die bisher getroffenen Massnahmen dazu ausreichen.» 

Der Regierungsrat will mit den Verschärfungen direkte Kontakte zwischen Personen weiter reduzieren und dort, wo sie zwingend notwendig sind, sicherer machen. Die dringlichen Massnahmen hätten vor allem auch zum Ziel, spätere, notfallmässige und gravierendere Einschränkungen mit verheerenden Auswirkungen auf die Wirtschaft und Gesellschaft zu verhindern.

Dem Entscheid ging ein Austausch mit dem Bund und der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren voraus. Die Massnahmen sind bis zum 30. November 2020 befristet.

Weiteres Testzentrum in Nottwil, allenfalls auch im Entlebuch

In den nächsten Tagen werden zudem die Testkapazitäten im Kanton Luzern erhöht. Das Testzentrum beim Armeeausbildungszentrum Luzern (AAL), das bereits am 19. Oktober den Betrieb wiederaufgenommen hat, erhöht seine Kapazitäten schrittweise von aktuell 80 auf bis zu 240 Tests pro Tag.

Ergänzend wird ein Drive-in-Testzentrum auf dem Gelände des Schweizer Paraplegikerzentrums (SPZ) in Nottwil aufgebaut. Es startet am 2. November. Die Öffnungszeiten sind (wie in Luzern) werktags von 13 bis 19 Uhr. Der Betrieb auf dem Gelände des SPZ wird durch das Testzentrum nicht tangiert und die Sicherheit aller Personen ist gewährleistet.

Zusätzlich evaluiert der Kanton einen dritten Standort in der Region Entlebuch. Dieser soll voraussichtlich per 9. November 2020 in Betrieb genommen werden.

Der Ablauf ist bei allen Luzerner Testzentren identisch: Die zu testende Person fährt mit dem Auto vor. Eine Gesundheitsfachperson nimmt einen Rachenabstrich durch das geöffnete Fenster vor, ohne dass die Person das Fahrzeug verlässt. Damit seien sowohl eine hohe Effizienz wie auch eine Minimierung von Ansteckungsrisiken garantiert.

Test nicht mehr nur auf ärztliche Überweisung 

Neu sollen ab Ende Oktober an allen Standorten Tests ohne ärztliche Überweisung möglich sein. Personen mit Symptomen, die sich testen lassen müssen, sowie Personen, die eine Mitteilung von der Swiss-Covid-App erhalten haben, können sich ab dem 28. Oktober online anmelden.

Mit der Inbetriebnahme des «Drive-in» in Nottwil können die Testkapazitäten um weitere 120 Tests pro Tag erhöht werden. Insgesamt können Testzentren, Ärztinnen und Ärzte sowie Spitäler im Kanton Luzern künftig bis zu 1’100 Tests pro Tag durchführen.

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8 Kommentare
  1. Ferdinand Hurschler, 24.10.2020, 18:09 Uhr

    Wiso gibt es keine Listen und keine Plakate im Internet zum ausfüllen der geforderten Bestimmungen. Home Page Kanton Luzern.

    Viel Bla Bla Bla.

  2. ursina thaler, 24.10.2020, 11:57 Uhr

    Es wird immer surrealer. Wir sind in einer Grippewelle, wie jedes Jahr und werden diesmal aber bevormundet, schikaniert und sozial isoliert. Der Tunnelblick auf die Corona Tests, die hochsensitiv sind, darstellen, ob man Kontakt zum VIrus hatte (wenn nicht falsch positiv wegen Schlamperei im Labor usw.), führt unweigerlich dazu, dass alle schliesslich Zuhause eingesperrt werden am besten und Aufsicht von Herrn Berset, der dann Kameras in den Schlafstuben aufstellt. Der Fokus ist völlig falsch: man muss Risikogruppen schützen und nicht die Bevölkerung in Geiselhaft nehmen.

  3. Joseph de Mol, 23.10.2020, 21:26 Uhr

    Hätte der Souverän gerne ein sozialutopisches Machtkartell, würde er an der Urne entsprechend agieren. Diese Dystopie bleibt also glücklicherweise in der Mottenkiste!

  4. Westwo, 23.10.2020, 21:00 Uhr

    Vor ein paar Jahren wollte unsere Kantonale Regierung das Spital Wolhusen schliessen.

    In der Zwischenzeit möchten Sie ein neues bauen, obwohl das Geld fehlt und eine unglaubwürdige Kostenzuzsammenstellung vorgelegt wurde.

    Jetzt plötzlich wollen alle für uns einstehen und das besten wollen.

    Ich frage mich wo wir hier sind.

  5. Duss, 23.10.2020, 20:46 Uhr

    Der bund sagte, intensiv betten sind in 2 bis 3 wochen voll.

    1. John, 24.10.2020, 13:39 Uhr

      Genau. Seit nunmehr 8 Monaten droht er damit, wenn wir nicht brav sind.

  6. Carlo S, 23.10.2020, 18:16 Uhr

    Das bürgerliche Machtkartell Luzerns kerkert lieber Betagte in ihren Pflegeeinrichtungen ein als dass sie griffige Massnahmen, insbesondere im Bereich der Wirtschaft erlässt. Wir leben in einer Dystopie.

    1. ursina thaler, 24.10.2020, 12:00 Uhr

      Das sind auch die Risikogruppen, die mehr geschützt werden müssen, während die anderen doch bitte ein normales Leben führen sollen. Ich bin allerdings auch dafür, dass die Risikopatienten selbst entscheiden, ob sie Zuhause bleiben oder nicht. Es geht um Selbstverantwortung.

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