Justiz
Casino-Betrug in Luzern

Verdächtiger sitzt monatelang zu Unrecht in U-Haft

30'000 Franken Gewinn machten die Männer im Casino Luzern – dank einem Betrug. (Bild: Pixabay)

Der Kanton Luzern muss einem Mann eine Genugtuung zahlen. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass er an einem Betrug im Casino Luzern beteiligt war – kann es aber nicht beweisen.

Betrüger haben 2019 einen Roulette-Tisch im Casino Luzern manipuliert – und sich mit rund 30’000 Franken aus dem Staub gemacht (zentralplus berichtete). Das Bezirksgericht Luzern verurteilt einen der Männer nun zu einer Geldstrafe. Sein angeblicher Komplize hingegen wird freigesprochen.

8, 24, 11, 17, 29 und 26. Auf diese «Glückzahlen» hat ein Mann im April 2019 an der Roulette-Slotmaschine im Casino Luzern immer wieder gesetzt. Bloss: Mit Glück hatte es wenig zu tun, dass er kurz darauf mit vollen Geldtaschen nach Hause ging.

Casino Luzern wird Opfer eines Betrugs

Ein Komplize hatte zuvor hauchdünne Metallblättchen auf die Zahlen am Roulette-Tisch gelegt. Diese sorgten dafür, dass die Kugel nicht mehr ganz so leicht zur nächsten Zahl hüpfte. Das klappte zwar nicht jedes Mal. Aber oft genug, um einen fetten Gewinn einzustreichen, ohne dass es gleich auffiel.

Das Casino Luzern merkte jedenfalls nicht, dass der Tisch manipuliert war. Auf die Schliche kam die Polizei den Männern nur, weil sie am Zoll mit einem grossen Haufen Bargeld aufgegriffen wurden. Mit im Gepäck hatten sie die verdächtigen Metallblättchen, einen Starkmagneten und einen Casino-Chip.

Betrug lohnt sich nicht: Beute geht zurück ans Casino Luzern

93 Tage verbrachten zwei der Verdächtigen nach ihrer vorläufigen Festnahme in der Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Luzern klagte sie schliesslich wegen Betrugs und Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage an. Vor dem Bezirksgericht Luzern hatte sie damit aber nur mässigen Erfolg.

Einer der Männer wurde wegen Betrugs zu einer bedingten Geldstrafe von 125 Tagessätzen à 30 Franken verurteilt. Er muss zudem eine Busse von 960 Franken zahlen – und die Beute geht natürlich ans Casino zurück.

Den Vorwurf des Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage liess das Gericht nicht gelten, weil der physische Tisch manipuliert worden war – und nicht die Slotmaschine. Und: Der angebliche Komplize wurde freigesprochen.

Spielsperre erweist sich als Glücksfall

Der Grund: Der Mann soll zwar Mitglied der Betrügerbande gewesen sein. Er selber schaffte es aber gar nicht ins Casino Luzern. Weil er eine Spielsperre hat, wurde ihm der Zugang verweigert. Wie aus dem Urteil des Bezirksgerichts Luzern hervorgeht, hatte er bei seiner Verhaftung zwar verdächtige Gegenstände bei sich. Das allein beweise aber nicht, dass er am Betrug beteiligt gewesen sei.

Das bedeutet: Der Georgier war drei Monate zu Unrecht in Untersuchungshaft – und hat deshalb Anspruch auf eine Genugtuung. Diese beläuft sich gemäss dem Entscheid auf 4'650 Franken. Das entspricht 50 Franken pro Tag.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann an das Kantonsgericht weitergezogen werden. Das Casino Luzern hat nach dem Vorfall seine Sicherheitsmassnahmen verschärft, sodass der Metallblättchen-Trick mittlerweile nicht mehr funktioniert.

Verwendete Quellen
  • Urteil 2Q1 19 76 / 81 des Bezirksgerichts Luzern
  • Art. 147 Abs. 1 in Schweizer Strafgesetzbuch

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