Justiz
Unsichtbare Unterstützung

So hilft der Luzerner Anwaltsverband Geflüchteten

Der Anwaltsverband Luzern unterstützt Flüchtlinge aus der Ukraine per E-Mail mit einer Gratis-Rechtsberatung. (Bild: Adobe Stock / zvg)

Tausende von Frauen und Kindern haben wegen dem Krieg in der Ukraine das Land verlassen müssen. Hier angekommen, stellen sich viele Fragen – auch rechtlicher Natur. Unbürokratische Hilfe bekommen die Geflüchteten von Luzerner Anwältinnen.

Einige verteilen Essen, andere sammeln Kleider, wieder andere nehmen Menschen bei sich zu Hause auf: Die Solidarität mit Geflüchteten aus der Ukraine ist auch fast ein Jahr nach Kriegsausbruch weiterhin gross. Auch der Luzerner Anwaltsverband ist sehr aktiv: Er bietet eine unentgeltliche Rechtsauskunft für Flüchtlinge aus der Ukraine an.

«Wir haben dieses Angebot ins Leben gerufen, um als Anwaltschaft einen solidarischen Beitrag zu leisten. Die Initiative dafür ging vom europäischen Anwaltsverband CCBE aus», erklärt der Öffentlichkeitsbeauftragte und Vizepräsident Christian Leupi. Die kantonalen Verbände seien vom Schweizerischen Anwaltsverband SAV angefragt worden, ob sie Flüchtlinge unterstützen würden. «Und für uns war sehr schnell klar: Jawohl, das machen wir!»

Unterkunft und finanzielle Unterstützung sind die grossen Themen

Bereits kurz nach Kriegsausbruch wurde eine telefonische Hotline ins Leben gerufen – daneben finden auch Beratungen per E-Mail statt. «Die Anwälte stellen sich freiwillig zur Verfügung, um die Geflüchteten pro bono zu unterstützen», so Leupi.

Mehrheitlich sind es die Geflüchteten selber, die sich beim Anwaltschaftsverband melden. «Es gab viele Anfragen zum Status S. Die Betroffenen wollten beispielsweise wissen, wie das Mietrecht funktioniert, ob sie innerhalb der Schweiz umziehen dürfen und welche Regeln in Bezug auf die Asylsozialhilfe gelten», erzählt der Luzerner Anwalt. «Es gab auch einzelne Anfragen von Leuten aus der Schweiz, die sich über die rechtliche Situation der Geflüchteten informierten – beispielsweise Gastfamilien.»

Anwältinnen haben rund 40 Anfragen beantwortet

Die Freiwilligen hätten sich zunächst in die Thematik einarbeiten müssen. «Das war ein nicht unerheblicher Zeitaufwand, auch, weil zu Beginn etliche Fragen noch offen waren», so Leupi. Auch hat das Angebot gerade in den ersten Monaten sehr grossen Anklang gefunden. «Unsere Anwaltskolleginnen und -kollegen wenden nicht unerhebliche Zeit pro Fall auf. Bisher haben sie rund 40 Anfragen beantwortet.»

Während sich in der Anfangszeit wöchentlich Geflüchtete gemeldet haben, sinkt die Nachfrage seit Herbst spürbar. Per Ende Oktober wurde die Hotline eingestellt.

Oft erschwerten sprachliche Barrieren die Beratung, weil die Betroffenen weder Deutsch noch Englisch sprachen. «Deshalb setzen wir jetzt primär auf E-Mails», sagt Leupi zur Praxisänderung. «Die Anfragen und Antworten werden mit entsprechenden Tools übersetzt – das ist einfacher als der telefonische Austausch.»

Gratis-Rechtsberatung vom Anwaltsverband Luzern steht allen offen

Inzwischen sind viele der Fragen geklärt, die sich kurz nach Kriegsausbruch noch gestellt hatten. «Die Geflüchteten tauschen sich jetzt zunehmend untereinander aus und auch im Internet finden sie jetzt mehr Informationen», sagt Leupi. Das Angebot ist seit Ende Oktober 2022 in die reguläre Gratis-Rechtsberatung integriert, welche der Anwaltsverband Luzern bereits seit vielen Jahren anbietet.

Jeden Mittwoch können Menschen, die eine rechtliche Auskunft brauchen, nach telefonischer Anmeldung ihre Fragen einer Anwältin stellen. Die Kurzberatungen dauern jeweils rund 15 Minuten. «Wir können das Angebot für die Flüchtlinge aus der Ukraine aber jederzeit wieder hochfahren, wenn wieder mehr Anfragen kommen», versichert Leupi.

Beschwerden über Zentren sind keine zu hören

Schlagzeilen gemacht haben in den letzten Monaten Beschwerden von ukrainischen Flüchtlingen in der temporären Asylunterkunft Marienburg. Diese berichteten davon, psychisch und finanziell unter Druck gesetzt worden zu sein (zentralplus berichtete). Anliegen im Zusammenhang mit der Unterbringung in den kantonalen Zentren waren in den rechtlichen Beratungen allerdings bisher kaum Thema, wie Christian Leupi versichert.

Hier gibt es Gratis-Rechtsberatung in Luzern

Der Anwaltsverband bietet jeden Mittwoch von 17.00-19.00 Uhr in der Universität Luzern gratis eine kurze Rechtsberatung an. Dies allerdings nur nach telefonischer Anmeldung. Auch Pro Senectute und 65plus bieten kostenlos 20-minütige Kurzberatungen durch Anwälte an – allerdings nur für Menschen ab 60 Jahren. Personen ab 50 Jahren können sich an Avenir 50 plus wenden. Der Verband engagiert sich gratis für ältere Erwerbslose, Ausgesteuerte und Sozialhilfeempfängerinnen (zentralplus berichtete).

Auch die Gerichte in Luzern bieten Gratis-Rechtsberatung an. Am Dienstag und am Donnerstag beantwortet die Schlichtungsbehörde Miete und Pacht telefonisch Fragen. Montag bis Donnerstag führt das Arbeitsgericht telefonische Kurzberatungen durch. Beratungen im Bereich Familienrecht bieten die Bezirksgerichte nach telefonischer Anmeldung an.

Verwendete Quellen
  • Website des Luzerner Anwaltsverbands
  • Telefonischer Austausch mit Christian Leupi
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