Wegen Anlegerbetrug im grossen Stil verurteilt

Deutscher baute in Zug gigantisches Schwindelkonstrukt auf

Das Strafgericht in Zug. (Bild: mbe.)

Dutzende betrogene Anleger, Deliktsummen in Millionenhöhe und Spuren nach Spanien, Bolivien oder Afrika – darum ging es kürzlich vor dem Zuger Strafgericht. Im Mittelpunkt: ein deutscher Unternehmer und ein Zuger Anwalt.

Die Dimensionen des Betrugsfalles werden nur schon aus dem Umfang des Urteils ersichtlich. Auf fast 300 Seiten erklärt das Strafgericht Zug, zu welchem Urteil es gekommen war und warum. Mehrere Seiten nimmt nur schon die Auflistung der Privatkläger ein. Rund 50 Personen sahen sich durch die beiden Beschuldigten betrogen und gingen vor Gericht.

Bei der Lektüre zeigen sich die Dimensionen noch deutlicher: Es geht um ein Konstrukt mit zig Firmen, Verbindungen rund um den Globus, Aktien, gefälschte Urkunden und immer wieder um Unternehmen, die absolut nichts wert sind.

Im Mittelpunkt: ein deutscher Unternehmer und ein Zuger Anwalt. Eine weitere Person, die in die Betrügereien verstrickt gewesen sein soll, ist mittlerweile verstorben.

Mit wertloser Rohstofffirma Geschäfte in Bolivien vorgetäuscht

Die Liste an Vorwürfen ist lang. Zahlreiche Betrügereien und Wirtschaftsdelikte stehen im Raum. Im Kern geht es dabei um den Betrug an Investoren – während vieler Jahre und im grossen Stil. Die treibende Kraft dahinter: der Deutsche.

Anfang der 2000er-Jahre soll er eine Firma mit Sitz in Zug aufgebaut haben. Das scheinbare Ziel: Rohstoffhandel. Ein lukratives Geschäft soll der Beschuldigte versprochen haben. Es gab laut Anklage Broschüren und Infoveranstaltungen mit dem Ziel, Investoren anzulocken.

In Tat und Wahrheit soll es dem Beschuldigten aber gar nie um das ehrliche Geschäft gegangen sein. Vielmehr habe er wertlose Aktien an Anleger verscherbeln wollen. Um ein florierendes Geschäft vorzutäuschen, habe er dazu Aktivitäten vorgetäuscht, etwa in Bolivien. Dabei soll er auch auf die Dienste eines deutschen Honorarkonsuls vor Ort zurückgegriffen und diesen an der Nase herumgeführt haben.

Geschäfte habe es aber nie gegeben. Bei der Firma, die der Beschuldigte aufgebaut hatte, handle es sich lediglich um ein «Scheingebilde», schreibt das Strafgericht. Auf die Masche fielen Dutzende Anleger rein. Fast acht Millionen Franken soll der Unternehmer diesen abgeknöpft haben.

Fiktive Onlinehandelsplattform gegründet, um an Geld zu kommen

Damit aber nicht genug. Weiter soll er eine fiktive Onlinehandelsplattform mit Sitz in Zug gegründet haben. Auf dieser sollten Anleger in Firmen und Geschäfte investieren können. Stattdessen floss das Geld laut Staatsanwaltschaft in den Sack des Beschuldigten. Ausserdem sollen auch für diese Firma wertlose Aktien verkauft worden sein.

Bei diesem Konstrukt ebenso involviert war ein Zuger Anwalt. Auch er musste sich vor Gericht verantworten. Er soll bei der Gründung der Firma mit falschen Verträgen geholfen haben. Ausserdem wirft ihm die Anklage diverse Urkundenfälschungen rund um das Firmenkonstrukt vor.

Er habe dem Hauptbeschuldigten bei den Betrügereien mit seiner Funktion als Anwalt zugearbeitet und mitgeholfen, die Anleger über den Tisch zu ziehen.

Spanien, Slowenien, Komoren – Tochterfirmen, Subunternehmen, Ableger

Bei der Lektüre, wie die Konstrukte der beiden aufgebaut waren, kann es einem schnell schwindelig werden. Es geht um zig Zweige, Subunternehmen, Tochterfirmen, Unternehmen, die mal anders hiessen oder einen anderen Zweck hatten. Die Spuren führen nach Spanien, Slowenien oder auf die Komoren, einen Inselstaat in Ostafrika.

Auch die Schweizer Finanzmarktaufsicht hatte Ermittlungen aufgenommen. Im Internet finden sich zahlreiche Warnungen für Anleger, nicht bei dem Scheinrohstoffhändler oder bei der fiktiven Handelsplattform zu investieren. Laut Handelsregister sind die Firmen mittlerweile seit einigen Jahren nicht mehr tätig und liquidiert.

Ermittlungen kompliziert und langwierig

Die Straftaten begannen Anfang der 2000er-Jahre. 2017 wurde der Deutsche schliesslich in Spanien verhaftet und an die Schweiz ausgeliefert. Seither befindet er sich im vorzeitigen Strafvollzug. Die folgenden Untersuchungen waren kompliziert und langwierig. Die Zuger Staatsanwaltschaft vernahm Dutzende Zeugen und versuchte die Vorgänge zu rekonstruieren. Im Sommer 2021 erhob sie schliesslich Anklage. Acht Jahre sollte der Deutsche und drei Jahre der Zuger ins Gefängnis.

Im Januar und Februar 2022 fand die Verhandlung statt. In der Folge galt es noch diverse weitere Fragen zu klären. Nun kam das Strafgericht Zug zu einem Urteil.

Deutscher war Kopf im Betrugssystem

Es spricht die beiden Beschuldigten in mehreren Bereichen schuldig. Der hauptbeschuldigte deutsche Unternehmer sei die treibende Kraft, der Kopf des gesamten Betrugssystems gewesen. Er habe eine «beachtliche» kriminelle Energie an den Tag gelegt und egoistisch und aus rein monetären Beweggründen gehandelt, schreibt das Gericht.

Zum Zuger Anwalt heisst es, er habe das «öffentliche Vertrauen in die Sicherheit von Urkunden erheblich beeinträchtigt» und seine Pflichten als Anwalt verletzt.

Teilweise freigesprochen – trotzdem Gefängnis

Für einige der zahlreichen Vorwürfe müssen sich die beiden allerdings nicht verantworten. Ein Teil davon war bereits verjährt, in anderen Fällen sprach das Gericht Freisprüche aus. Es ging dabei etwa um die Aktien der fiktiven Handelsplattform, Immobilien in Spanien, die der Deutsche über seine Firma gekauft hatte oder um einzelne Fälle der Urkundenfälschung. Wie das Gericht schreibt, hätten die Investoren sich in einzelnen Fällen auch bewusst sein müssen, dass sie in möglicherweise riskante Aktien investieren.

Die Haft- und Geldstrafen sind dennoch nicht ohne. Der Deutsche muss für fünf Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Über vier Jahre der Strafe hat er allerdings schon abgesessen.

Ausserdem verdonnert ihn das Strafgericht zu einer Ersatzzahlung von 300'000 Franken und er muss den Privatklägern zigtausend Franken zurückzahlen.

Der Zuger Anwalt kassierte eine Haftstrafe von 15 Monaten, bedingt bei zwei Jahren und muss zusätzlich eine Geldstrafe in der Höhe von fast 100'000 Franken bezahlen.

Beide Beschuldigten haben gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Verwendete Quellen
  • Urteil des Zuger Strafgerichts vom 7. März 2024
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