Justiz
Bei einem Bibelverlag?

Buch über Zuger Landammannfeier erscheint nächste Woche

Jolanda Spiess-Hegglin kämpft gegen das Buch von Michèle Binswanger, weil sie befürchtet, dass darin ihre Persönlichkeitsrechte verletzt werden. (Bild: Pixabay/ber)

Das Buch von Michèle Binswanger über die Zuger Landammannfeier 2014 hat die Justiz über Jahre beschäftigt. Ende Monat erscheint es – bei einem Verlag, den hier keiner kennt.

Bis vor Bundesgericht hat sich die ehemalige Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin gewehrt, um zu verhindern, dass das Buch über die Landammannfeier 2014 erscheint (zentralplus berichtete). Jetzt kündigt die Journalistin Michèle Binswanger auf Twitter an, dass die Veröffentlichung kurz bevorsteht.

Allerdings: Das Buch ist in Luzern und Zug nicht bestellbar. zentralplus hat es bei drei Buchhandlungen in der Region versucht – und löste damit höchstes Erstaunen aus. Es sei eigenartig, meinte eine Verkäuferin am Telefon. Offenbar habe das Buch weder einen Schweizer Verlag noch einen Auslieferer gefunden. Es sei kein Lieferant hinterlegt. Normalerweise laufe das anders. «Für uns ist es ein Rätsel, wo wir das bestellen können», meinte eine andere Buchhändlerin. Eine Dritte meinte, das Buch könnte allenfalls gar nicht in den Schweizer Buchhandel kommen.

Die Zuger Landammann-Affäre: Ein Bibelbuch?

 «Die Zuger Landammann-Affäre: Eine Recherche» lässt sich lediglich auf der deutschen Website eines weltweit tätigen Online-Versandhandels bestellen. Dort ist zu lesen, dass das Buch 219 Seiten umfasse, am 31. Januar erscheinen werde und von «Truth Publications» herausgegeben werde.

Ob das stimmt, lässt sich nicht verifizieren. Autorin Michèle Binswanger liess die Frage von zentralplus bislang unbeantwortet, wo und wann ihr Buch gekauft werden kann*. Sollte «Truth Publications» tatsächlich ihr Verlag sein – Binswanger es also nicht via Self-Publishing unter diesem Namen vertreiben – wäre das zumindest bemerkenswert.

«Wir befinden uns in einer Rechtsunsicherheit, niemand hat grünes Licht für die Publikation eines solchen Buches gegeben.»

Jolanda Spiess-Hegglin

Die Firma aus Alabama (USA) hat sich auf Publikationen spezialisiert, die auf der «Bibel basieren» und den «Menschen helfen, Gott näher zu kommen», wie sie auf ihrer Website schreibt. Wie da die Geschichte um einen mutmasslichen sexuellen Missbrauch an der Zuger Landammannfeier reinpasst, bleibt offen.

Ein anderer Blickwinkel auf die ganze Geschichte

Auf den 5. Februar 2023 ist eine Buchvernissage im Zürcher Kaufleuten angekündigt. «In einer Premiere liest die Autorin Passagen aus ihrem Buch ‹Die Zuger Landammann-Affäre›», heisst es im Event-Beschrieb. Und: «Erstmals wird die ganze Geschichte aus der Perspektive des damals Beschuldigten geschildert.»

Michéle Binswanger werde die Entstehungsgeschichte der Recherche erzählen und über die Hintergründe des Rechtsstreits und die Polemik in den sozialen Medien sprechen. Veranstalter der Buchvernissage ist der Tages-Anzeiger, für den Michèle Binswanger tätig ist.

Jolanda Spiess-Hegglin hatte gegenüber zentralplus bereits im Mai angekündigt, Schadenersatz-, Genugtuungs- und Gewinnherausgabeansprüche gegenüber Michèle Binswanger geltend machen, sollten persönlichkeits- oder intimsphärenverletzende Aussagen in einem Buch oder einer anderweitigen Publikation veröffentlicht werden (zentralplus berichtete). Gut möglich also, dass die Veröffentlichung des Buchs über die Zuger Landammannfeier der Auftakt einer erneuten Prozessreihe ist.

Unterlassungsklage ist noch hängig

«Ich weiss nicht, was in der überarbeiteten Endversion dieses Buches stehen wird», schreibt Jolanda Spiess-Hegglin auf Anfrage. «Zu hoffen wäre, dass Michele Binswanger die juristische Auseinandersetzung zum Anlass genommen hat, den Text tatsächlich rechtlich überprüfen zu lassen um nicht erneut in meine Persönlichkeitsrechte und meine Intimsphäre einzugreifen.»

Wie die journalistische Fairness es vorschreibt, hat Binswanger die ehemalige Kantonsrätin mit den Vorwürfen konfrontiert, die im Buch allenfalls erhoben werden. Sie schickte einen Fragekatalog letzten Oktober. «Da gings vor allem um Zeugenaussagen von Rechtspopulisten, Spermien, Vaginas und Analverkehr», so Spiess-Hegglin. Was zumindest darauf hindeutet, dass im Buch Informationen aus dem höchstpersönlichen Bereich aufgegriffen werden.

In Basel ist in dieser Sache noch immer eine Unterlassungsklage hängig (zentralplus berichtete). «Wir befinden uns in einer Rechtsunsicherheit, niemand hat grünes Licht für die Publikation eines solchen Buches gegeben», betont Jolanda Spiess-Hegglin.

* Nach der Veröffentlichung dieses Artikels teilte Michèle Binswanger auf Twitter mit, dass das Buch beim Self-Publishing​-Shop Tredition zu bestellen ist.

Verwendete Quellen
  • Eventbeschreibung auf der Website des Kaufleuten
  • Mailkontakt mit Jolanda Spiess-Hegglin
  • Drei Versuche, das Buch bei lokalen Buchhandlungen zu bestellen
  • Website des internationalen Versandhandels
  • Website des mutmasslichen Verlags, der das Buch herausgibt
  • Medienanfrage an Michèle Binswanger (unbeantwortet)
  • Neu: Tweet von Michèle Binswanger
Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.
Apple Store IconGoogle Play Store Icon