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Juso-Präsidentin als «heiss» zu bezeichnen war diskriminierend
  • Politik
Michael Elsener hat den Ombudsmann nicht auf seiner Seite. (Bild: Screenshot SRF)

Ombudsmann rügt Michael Elsener Juso-Präsidentin als «heiss» zu bezeichnen war diskriminierend

3 min Lesezeit 2 Kommentare 17.10.2019, 14:25 Uhr

SRF-Ombudsmann Roger Blum hat auf Ronja Jansens Beschwerde reagiert: Die Aussagen von Michael Elseners Kunstfigur seien in der Tat sexistisch gewesen.

Dass sie in Michael Elseners Sendung «Late Update» als «Miss Juso» und «heiss» bezeichnet wurde, goutierte Juso-Präsidentin Ronja Jansen überhaupt nicht. «Von meinen Inhalten fehlte natürlich jede Spur. Geht’s noch, SRF? Wann wird endlich wichtig was Frauen zu sagen haben und nicht wie sie dabei aussehen?», schrieb sie auf Twitter (zentralplus berichtete).

Jansen kündigte trotzdem an, bei der SRF-Ombudsstelle eine Beschwerde einzureichen, was sie auch in die Tat umsetzte.

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Die heisse Phase des Wahlkampfs

Nun liegt die Stellungnahme von Ombudsmann Roger Blum vor. Er weist darauf hin, dass die betroffene Sendung in die «heisse Phase» des Wahlkampfs um National- und Ständerat gefallen sei. Die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen und die ihr vorgeschalteten Ombudsstellen taxieren die letzten sechs Wochen vor Wahlen und Volksabstimmungen als jene Periode, in der erhöhte journalistische Sorgfaltspflichten gelten und in der das Vielfaltsgebot auf jede einzelne (Diskussions-)Sendung angewendet werden muss.

Blum lobt in diesem Zusammenhang allerdings, dass«Late Update» in einem Punkt vorbildlich gewesen sei: «Alle Parteien bekamen ihr Fett ab. Und es ist auch unbestritten, dass sich eine Satiresendung wie «Late Update» in den Wahlkampf einmischen darf, ja soll», so Blum.

Elsener distanzierte sich von den Aussagen der Kunstfigur

Er hält jedoch auch fest, dass Sexismus unter das Diskriminierungsverbot falle, auch in einer Satiresendung. «Die Bemerkung des deutschen Fantasie-Journalisten Frank-Walter Froschmeier an SP-Präsident Christian Levrat, ob es für ihn nicht an der Zeit sei, nach elf Jahren an der Spitze der SP Schweiz Platz zu machen, beispielsweise für Sie, da Sie ja zur ‹Miss Juso› gewählt worden und ‹heiss› seien, war ohne Zweifel sexistisch aufgeladen, und Christian Levrat hat ja auch das Interview aus Protest sofort abgebrochen», schreibt Blum an die Adresse von Ronja Jansen.

Die SRF-Redaktion argumentiert, dass es sich beim fragenden Journalisten um eine Kunstfigur handle, und dass Kunstfiguren immer wieder dazu dienen, um das Verhalten bestimmter Menschentypen zur Kenntlichkeit zu entstellen. Michael Elsener hat sich aufgrund von Jansens öffentlichem Protest in der nächsten Sendung von den Aussagen der Kunstfigur Froschmeier distanziert.

Harry Hasler als lobendes Beispiel

«Denkt man das zu Ende, dann wäre die Bemerkung des Star-Journalisten nicht sexistisch, sondern eine Kritik am Sexismus. Diese Argumentation ist ernst zu nehmen, doch überzeugt sie nicht ganz», schreibt Blum. Denn eine Kunstfigur müsse typenkonform reden – etwa wie Viktor Giacobbos «Harry Hasler», der der vollendete Typ aus dem Zuhälter-Milieu sei. Dieser verhalte sich typengerecht. «Dass ein deutscher Journalist einen Romand für einen Franzosen hält, ist noch einigermaßen plausibel. Aber ist es typisch für deutsche Journalisten, dass sie sexistisch sind? Hier wird wohl die Kunstfigur etwas überbeansprucht. Darum übernehme ich die Kunstfigur-Theorie nicht», so die Blums Überlegungen.

Blum fragt sich: «Hat eine solche Bemerkung in einer satirischen Sendung nicht trotzdem Platz?» Er meine nein, weil sie nicht Jansens Handeln und Verhalten auf die Schippe nehme, sondern ihr Aussehen ironisiere und sie damit auf Äusseres reduziere und so diskriminiere. Er könne daher Jansen Beanstandung unterstützen.

Jansen reagierte auf Twitter bereits auf Blums Stellungnahme. Sie wies darauf hin, dass die Einsicht von Michael Elsener noch auf sich warten lasse.

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2 Kommentare
  1. mebinger, 17.10.2019, 19:21 Uhr

    Der linke Terror der Sprachpolizisten nimmt ungeheuerliche Ausmasse an, wen ich eine Frau als heiss bezeichne, dann ist das bei Gott nicht, was auch nur im Geringsten zu beanstanden ist

    1. Joseph de Mol, 17.10.2019, 20:23 Uhr

      Gebe Ihnen unumwunden recht mebinger! Der Gesinnungsterror à la mode de Gleichmacherei reisst seit fünf, sechs Jahren so richtig ein. Lang gehts nicht mehr, dann könnte Elsener wohl sogar mittels StGB belangt werden. Ein Wunder, dass Ihr Kommentar den Zensur-Osmose-Apparat überhaupt passieren konnte…