Juso-Initiative bedroht 80-Millionen-Theaterbau
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Während der Määs müssen die Cars nach alternativen Parkplätzen suchen. (Bild: Luca Wolf)

Stressige Abklärung ums Luzerner Inseli Juso-Initiative bedroht 80-Millionen-Theaterbau

5 min Lesezeit 1 Kommentar 06.07.2015, 09:37 Uhr

Das nennt man Kollateralschaden: Die Juso wollen mit ihrer Initiative die Reisecars vom Inseli verbannen. Doch sie gefährden damit auch die Salle Modulable. Das stellt die Theaterverantwortlichen vor happige Probleme.

Da haben die städtischen Jungsozialisten was Schönes angerichtet. Eigentlich wollten sie mit ihrer Initiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» ja etwas ganz simples vors Stimmvolk bringen: Die Carparkplätze auf dem Inseli hinter dem Luzerner Bahnhof sollen verschwinden und das Areal begrünt werden. Die mit knapp 900 Unterschriften für gültig erklärte Initiative muss bis spätestens Juni 2016 ins Stadtparlament und danach vors Volk.

Ein Ja der Stimmbevölkerung würde die Stadt vor zwei heftige Probleme stellen. Das eine ist bekannt und logisch: Die Stadt müsste die Carparplätze beim Inseli aufheben und anderswo für Ersatz suchen. Das dürfte schon mal eine Herkulesaufgabe werden. Möglicherweise könnte hier das angedachte Parkhaus im Musegg Abhilfe schaffen.

Die Zeit drängt

Das andere Problem ist ein nicht minder schwerer Brocken, wurde bislang in der Öffentlichkeit aber kaum diskutiert: Ein Ja zur Initiative dürfte auch das Inseli als Standort für das visionäre Theatergebäude Salle Modulable, von den Behörden auch Neue Theaterinfrastruktur (NTI) genannt, verhindern. Für den 80-Millionen-Bau werden aktuell bekanntlich drei Standorte abgeklärt: beim heutigen Luzerner Theater an der Bahnhofstrasse, beim Motorboothafen am Alpenquai und beim Inseli. Das Inseli würde sich wegen des KKL, das sich in Blicknähe befindet, ideal eignen.

Tolle Lage: Das Inseli liegt hinter dem Luzerner Bahnhof, direkt neben dem KKL und am Seeufer.

Tolle Lage: Das Inseli liegt hinter dem Luzerner Bahnhof, direkt neben dem KKL und am Seeufer.

Das verflixte daran ist der Zeitplan. Dieser ist ausgesprochen eng, es gibt verschiedene Fristen, die eingehalten werden müssen. Sonst fliesst das Geld des verstorbenen Mäzens Christof Engelhorn gemäss Gerichtsentscheid aus Bermuda nicht und die Salle Modulable würde sich in Luft auflösen.

Konkret sieht der Zeitplan vor: Bis im Herbst soll eine Studie von Ernst & Basler vorliegen, welche einen der drei Standorte als Favoriten empfiehlt. Im Dezember soll dann das Stadtparlament über die Abgabe des Areals im Baurecht entscheiden. Das Volk könnte danach in einer ersten Abstimmung, am 5. Juni 2016, den Standort absegnen. Erweist sich das Projekt als machbar, müssen bis Ende 2018 die politischen Weichen auf Grün geschaltet und die Finanzierung gesichert sein. Nach drei weiteren Jahren, also bis Ende 2021, müsste die Baubewilligung vorliegen.

Gibts überhaupt Spielraum?

Heisst: Sollten sich die Verantwortlichen der NTI sowie das Stadtparlament Ende dieses Jahres nach langer, langer, langer Debatte für den Standort Inseli aussprechen, droht ein paar Monate später bei einem Volks-Ja zur Juso-Initiative ein Desaster. Denn die Juso-Initiative verlangt klipp und klar: «Der Carparkplatz Inseli-Quai wird aufgehoben zu Gunsten einer Erweiterung der dort bestehenden Grünfläche.» Das lässt kaum Spielraum offen. Dort nach einem allfälligen Volks-Ja zur Juso-Initiative trotzdem noch ein riesiges neues Theatergebäude hinpflanzen zu wollen, scheint rechtlich doch sehr gewagt.

«Sollten die Juso mit ihrer Initiative durchkommen, kann die Stadt die Salle Modulable beim Inseli vergessen.»

Jost Schumacher, Anwalt und Immobilienhändler

Dieser Meinung ist auch Jost Schumacher, bekannter Luzerner Anwalt, Bauherr und Immobilienhändler. Er sagt: «Sollten die Juso durchkommen, dann kann die Stadt die Salle Modulable beim Inseli sowieso vergessen, weil der Stimmbürger dann einfach eine Grünfläche will.» Allerdings ist Schumacher überzeugt, dass die Juso-Initiative vor dem Volk chancenlos sein wird. Falls doch, müssten die NTI-Verantwortlichen wohl ruckzuck einen Plan B aus der Schublade zaubern, um die engen Fristen einhalten zu können.

Lustig daran: Die städtischen Juso selber haben sich beim Unterschriften sammeln gar keine Gedanken über die Auswirkungen auf die Salle Modulable gemacht. Ihnen gings einzig darum, die Cars vom Inseli wegzukriegen und dadurch die Lebensqualität in diesem Gebiet direkt an bester Seelage zu erhöhen. Juso-Präsident Nik Rigert sagt auf Anfrage: «Juristisch ist die ganze Sache wohl nicht ganz klar. Aber unserer Meinung nach wäre ein Ja zur Initiative gleichbedeutend mit einem Nein zur Salle Modulable auf dem Inseli.» Gleich sieht es auch die SP, welche die Initiative ihrer Jungspunde befürwortet.

«Ermöglicht werden könnte das Theater auf dem Inseli, indem der Neubau teilweise in den Boden versenkt und das Dach begehbar würde.»

Korintha Bärtsch, Grüne Stadt Luzern

Grüne könnten sich beides vorstellen

Dezidierter sieht es Korintha Bärtsch, Fraktionschefin der städtischen Grünen: «Meiner Meinung nach schliesst ein Ja zur Juso-Initiative die Salle Modulable auf dem Inseli nicht aus. Sicherlich müssten dann die Carparkplätze aufgehoben und verschoben werden, eventuell ins Lido oder in den Krienser Mattenhof. Aber wenn man das neue Theater so realisieren könnte, dass es einen spannenden Aussenraum gäbe, könnte ich mir das auf dem Inseli durchaus vorstellen. Ermöglicht werden könnte dies, indem der Neubau teilweise in den Boden versenkt und das Dach begehbar würde.» Zumal der Theaterraum selber ja keine Fenster brauche. Allerdings würde diese Variante wegen der Grundwasserverhältnisse wohl recht teuer.

Mit Bärtschs Vision liebäugeln offenbar auch die Verantwortlichen der Neuen Theater Infrastruktur. Auch wenn man sich dort derzeit ausgesprochen wortkarg gibt. So sagt die städtische Kulturchefin Rosie Bitterli-Mucha bloss: «Der Zusammenhang zwischen der Initiative und der Standortevaluation NTI ist evident und entsprechend auch erkannt. Der Koordinationsbedarf ist aus unserer Sicht gegeben.» Derzeit würden verschiedene Vorgehens- und Koordinationsvarianten erarbeitet, über die der Stadtrat noch nicht entschieden habe. Mehr könne man derzeit nicht sagen.

Laut Bitterlis Chefin, Stadträtin Ursula Stämmer, klärt die Stadt derzeit konkret ab, ob die Initiative die Salle Modulable wirklich verhindern würde oder ob es rechtlich trotzdem möglich wäre, auf dem Inseli ein Theatergebäude zu realisieren. Und, dass «Koordinationsbedarf» besteht könnte bedeuten, dass die Initiative und die Abstimmung über den Salle Modulable-Standort zeitgleich am 5. Juni 2016 zur Abstimmung kommen. Langweilig wird es den Beteiligten bis dahin sicher nicht.
 

Sie möchten wissen, wie die Salle Modulable aussehen könnte? Es gibt dazu viele Skizzen und Visualisierungen für verschiedene Standorte, aber die sind alle erst Fiktion. Anbei ein paar Beispiele aus der vergangenen Zeit:

Innenleben einer möglichen Salle Modulable

Innenleben einer möglichen Salle Modulable

(Bild: (Bild: zvg))

Die «Salle Modulable» - die Vision einer multifunktionalen Hülle für Musik und Theater

Die «Salle Modulable» – die Vision einer multifunktionalen Hülle für Musik und Theater

(Bild: Projektstudie Stiftung Salle Modulable)

Ideenskizzen für die Salle Modulable in Luzern.

Ideenskizzen für die Salle Modulable in Luzern.

Ideenskizzen für die Salle Modulable in Luzern.

Ideenskizzen für die Salle Modulable in Luzern.

 

 

Ideenskizze für die Salle Modulable.

Ideenskizze für die Salle Modulable.

Ideenskizzen für die Salle Modulable in Luzern.

Ideenskizzen für die Salle Modulable in Luzern.

Ideenskizze für die Salle Modulable.

Ideenskizze für die Salle Modulable.

Ideenskizze für die Salle Modulable.

Ideenskizze für die Salle Modulable.

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1 Kommentare
  1. David Roth, 06.07.2015, 22:18 Uhr

    Für all jene die ein Interesse an intakten, öffentlich nutzbaren Grünflächen haben, ist nicht die Initiative, sondern eine Salle modulable auf dem Inseli ein Desaster. Wenn diese Salle eine Chance haben sollte, dann sollten die Verantwortlichen das Inseli möglichst bald fallen lassen. In diesem Sinne ist die Initiative „Lebendiges Inseli statt Blechlawine“ eine Chance: Sowohl für eine lebenswerte Stadt, als auch für die Salle modulable.

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