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Jungpolitiker: «Die Jungen sind frustriert»
  • Politik
Immer wieder machen die Jungparteien, wie hier die Jungen Grünen anlässlich einer Standaktion, auf sich aufmerksam – an die Urne gehen scheint bei den Jungen jedoch nicht im Trend zu sein.

Junge gehen in der Stadt Luzern kaum an die Urne Jungpolitiker: «Die Jungen sind frustriert»

4 min Lesezeit 3 Kommentare 13.11.2019, 05:00 Uhr

Menschen unter 30 gehen in der Stadt Luzern am seltensten an die Urne. Die Jungparteien sind überrascht und verraten ihre Pläne, wie sie das bei den städtischen Wahlen im Frühling ändern wollen. Es wird wohl zu einer Kandidatenflut kommen.

Die jungen Stimmbürgerinnen und Stimmbürger bleiben den Urnen häufig fern. Dies zeigen Statistiken zu den nationalen Wahlen in der Stadt Luzern (zentralplus berichtete). Trotz Klimastreiks und Spardemos liegt die Wahlbeteiligung bei unter 20-Jährigen bei gerade einmal 37,34 Prozent. zentralplus hat bei den städtischen Jungparteien nachgefragt, wo die Gründe liegen und wie man die Situation verbessern könnte.

«Die politische Themengestaltung war in diesem Wahljahr wie noch nie von der Jugend geprägt», sagt Phillip Oswald, der in Luzern wohnt und die Jungen Grünliberalen des Kantons präsidiert. Er schlussfolgert daraus: «Die Jungen sind politisch interessiert, nur scheinen immer weniger an die Fähigkeit der Politiker zu glauben.»

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«Die Jungen sind frustriert», sagt Oswald. «Und sie fühlen sich nicht ernstgenommen.» Ein Wehklagen der Politik über die tiefe Beteiligung bei Jungen sei aber nicht angebracht. «Sobald Jugendliche abweichende Meinungen kundtun, werden sie schnell als unerfahren und naiv abgetan.»

Forderungen nach Stimmrechtsalter 16

Elias Balmer, Präsident der städtischen Juso, hätte erwartet, dass durch die Klimabewegung mehr Leute an die Urne gehen werden. Ein Problem sei, dass einige Aktivisten noch gar nicht stimmberechtigt sind. «Wir setzen uns konsequent für Stimmrechtsalter 16 ein», so Balmer.

Dario Duss, Vizepräsident der JCVP Stadt Luzern bedauert die tiefe Beteiligung. Die exakten Gründe seien zwar schwer zu eruieren, doch Duss sagt: «Die heutige Jugend partizipiert vermehrt alternativ. Statt zu wählen, nimmt sie an Klimastreiks teil oder tut ihre Meinung in den sozialen Medien kund.»

Dario Duss, Vizepräsident der CVP Stadt Luzern, Phillip Oswald, Präsident der JGLP Luzern, und Lucas Zurkirchen, Präsident der Jungfreisinnigen Stadt Luzern.

Die Junge CVP ist ebenso für eine Einführung des Stimmrechtsalters 16. Zudem erklärt Duss, dass es immer wieder Rückmeldungen gäbe, wie man nun die Wahlunterlagen korrekt ausfüllen müsse. «Wir erachten es als wünschenswert, dass hier die Schule vermehrt darauf eingehen würde», so Duss.

Die Jungen Grünen holen in der Stadt am meisten Stimmen

Überrascht über die tiefe Stimmbeteiligung junger Stadtluzerner zeigt sich Lucas Zurkirchen, Präsident der Jungfreisinnigen. Seine Partei habe in den letzten Monaten viele Neumitglieder gewinnen können. Zur tiefen Stimmbeteiligung mutmasst er: «Offenbar hat das Thema Klima nur einen kleinen Teil der Jungen in der Stadt Luzern angesprochen.» Generell sei die Mobilisierung der Jungen bei nationalen Wahlen ein schwieriges Unterfangen, da meist nur ältere Personen nach Bern gewählt würden.

Die Jungen Grünen verweisen darauf, dass ihr Wähleranteil von einem auf über 1,5 Prozent gestiegen sei. «Wir wollen definitiv eine höhere Stimmbeteiligung und haben unseren Beitrag geleistet», sagt Co-Präsident Jona Studhalter. Er sieht die Probleme bei den Jungparteien selbst: «Einige Jungparteien zeigen sich aktuell sehr strukturschwach und das schlägt sich dann auch in einer schlechteren Mobilisierung nieder.

Im Frühling soll Stimmbeteiligung steigen

Nach den kantonalen Wahlen im Frühling und den nationalen im Herbst wird die Luzerner Stimmbevölkerung bereits im nächsten Frühling wieder an die Urne gebeten. In der Stadt Luzern geht es um die Neubesetzung des Stadtrats und des Stadtparlaments.

Jona Studhalter von den Jungen Grünen will dabei die bisherigen Stadträte herausfordern. Und die Jungpartei will bei den Grossstadtratswahlen mit 45 Kandidaten antreten. «Daraus ergibt sich ein sehr grosses Netzwerk, welches die beste Mobilisierung überhaupt ist.» Die Jungen Grünen wollen bei den Wahlen Fraktionsstärke erreichen. Dazu müssten sie zu ihrem bisherigen Sitz zwei zusätzliche Sitze holen.

Jona Studhalter, Stadtratskandidat der Jungen Grünen, und Elias Balmer, Präsident der Juso Stadt Luzern.

Auch die Juso will mit gezielten Aktionen vor allem junge Wähler ansprechen. «Wir werden versuchen, deren politisches Bewusstsein und eigene Meinungsbildung zu stärken», sagt Elias Balmer. Nebst einer eigenen Liste für die Parlamentswahlen will die Juso auch bei den Stadtratswahlen antreten. Auf wen die Jungsozialisten setzen, ist noch nicht bekannt.

Jungfreisinnige erstmals mit eigener Liste

Zum ersten Mal werden auch die Jungfreisinnigen mit einer eigenen Liste zu den Parlamentswahlen antreten, wie Lucas Zurkirchen erklärt. «Wir versuchen unsere Erfahrungen aus den zwei Wahlkämpfen dieses Jahr zu nutzen und Altbewährtes mit neuen Ideen zu mischen.» Als Ziel geben die Jungfreisinnigen einen Sitzgewinn heraus.

Die Junge CVP will wieder mit einer eigenen Liste antreten. Um die Stimmbeteiligung bei Jungen zu steigern, würde sich Vizepräsident Dario Duss eine Zusammenarbeit mit anderen Parteien wünschen.

JGLP-Präsident Phillip Oswald lässt sich bezüglich eigener Liste noch nicht in die Karten blicken. «Wir erarbeiten in engem Kontakt mit der GLP Stadt Luzern unsere Strategie für die Wahlen», sagt er. Oswald erklärt: «Es muss glaubhaft vermittelt werden können, dass auch Junge einen Einfluss auf das politische Geschehen haben können.» Er kündigt an, mehr öffentliche Aktionen durchzuführen, um den Dialog zu fördern und Jugendlichen eine Plattform zu bieten, sich aktiv ins politische Geschehen einzumischen. 

Die Junge SVP liess eine Anfrage von zentralplus unbeantwortet.

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3 Kommentare
  1. Stamm Judith, 13.11.2019, 12:27 Uhr

    In meinem Beitrag sollte es natürlich heissen: Mündigkeitsalter 18 ging durch. So haben wir es ja heute.

  2. Stamm Judith, 13.11.2019, 12:25 Uhr

    Stimmrechtsalter 16. Ich erinnere mich an die Einführung von Stimmrechtsalter 18. Zu unserer grossen Verwunderung unterbreitete der Bundesrat dem Parlament einige Zeit später eine Vorlage zur Herabsetzung des Mündigkeitsalters, ebenfalls auf 18. Begründung war unter anderem, es sei doch nicht angemessen, wenn junge Menschen zwar in Abstimmungen über das Schicksal der Schweiz entscheiden könnten. Aber für ihr eigenes Leben bis zum zwanzigsten Lebensjahr viel beschränktere Möglichkeiten hätten. Mündigkeilsalter 20 ging durch.
    Vielleicht müsste man sich überlegen, ob eine solche Konsequenz eines Stimmrechtsalters 16 wirklich wünschbar wäre.

  3. Joseph de Mol, 13.11.2019, 07:08 Uhr

    Augenscheinlich bestehen gravierende Defizite im Bereich des obligatorischen Staatskundeunterreichts. In der Demokratie werden Veränderungen in erster Linie an der Urne eingeleitet. Es gäbe auch noch die Möglichkeiten der ausserpalarmentarischen Opposition. Dafür fehlen den Jungen aber meistens die Netzwerke und Einfluss.