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Jungfreisinnige fordern auch in Zug längere Öffnungszeiten
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Die Co-Präsidentin der Juso Sofia Zouhir (l.) und der Präsident der Jungfreisinnigen Gian Brun (r.) sind sich in Sachen Laden­öffnungszeiten nicht einig. (Bild: zvg/Montage zentralplus )

Noch fehlen 500 Unterschriften bis zur Abstimmung Jungfreisinnige fordern auch in Zug längere Öffnungszeiten

3 min Lesezeit 3 Kommentare 01.02.2019, 05:01 Uhr

Die Forderung nach liberaleren Laden­öffnungszeiten sind nicht nur in Luzern ein Thema. Auch in Zug starten nun die Jungfreisinnigen einen Versuch. Das Anliegen spaltet schon jetzt die Gemüter.

Die Forderung ist nicht neu. Schon 1995 verlangte die FDP-Kantonsrätin Andrea Hodel in einer Motion eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten im Kanton Zug. Im Jahr 2015, zwanzig Jahre später, kämpften die Zuger Freisinnigen wieder für mehr Spielraum im Detailhandel. Dies in Form einer Initiative unter dem Motto «1 Stunde länger».

Aufgrund der politischen Entwicklungen auf nationaler Ebene und der damit verbundenen Aussicht einer schweizweiten Regelung wurde das Unterschriftensammeln jedoch eingestellt. Da der Ständerat sich aber gegen landesweite Öffnungszeiten aussprach, gehen die Jungfreisinnigen nun wieder auf die Strasse. Sie wollen die kantonale Gesetzesinitiative doch noch vors Zuger Stimmvolk zu bringen. Von den benötigten 2’000 fehlen noch rund 500 Unterschriften, die Liberalen befinden sich also im «Endspurt», wie sie mitteilen.

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Vergangenes Wochenende stellte der Präsident der Jungfreisinnigen Zug Gian Brun die Initiative «Für längere Ladenöffnungszeiten» an der Präsidentenkonferenz des Gewerbeverbandes Zug vor. Seine Forderung: Verkaufslokale im Kanton Zug sollen montags bis freitags bis 20 Uhr und samstags bis 18 Uhr geöffnet haben dürfen – folglich eine Stunde länger als heute erlaubt ist.

«Längere Öffnungszeiten sind eine Chance.»

Gian Brun, Präsident Jungfreisinnige Zug

«Zug ist eigentlich eine Insel», sagt Gian Brun, Präsident der Jungfreisinnigen Zug, «ausser vielleicht in Luzern haben die Läden überall länger geöffnet.» Es bestehe die Gefahr, dass die Zuger ihre Einkäufe ausserhalb des Kantons erledigen, wo attraktivere Öffnungszeiten herrschen. «Nach Sins oder Affoltern am Albis ist es nicht weit», sagt Brun.

«Der modernen Gesellschaft zuliebe»

Das Bedürfnis sei auf jeden Fall vorhanden und liesse sich auch an den Warteschlangen in den Tankstellenshops oder Bahnhofsläden zeigen. «Statistiken belegen, dass in den letzten Jahren die Convenience-Läden die am stärksten wachsende Gruppe im Detailhandel ist», erklärt Brun.

Dies hänge auch mit dem gesellschaftlichen Wandel zusammen, denn die modernen Familienstrukturen seien auf flexiblere Einkaufsmöglichkeiten angewiesen. Brun meint: «Längere Öffnungszeiten sind eine Chance, und ausserdem arbeiten jetzt schon 35 Proent aller Arbeitnehmer ausserhalb der Bürozeiten.» So sei es für uns jetzt schon ganz normal, auch nach 19 Uhr noch in den Bus zu steigen oder ein Bier in einem Restaurant zu trinken.

«Gefahr für Tieflohnsegment»

Sofia Zouhir, Co-Präsidentin der Juso Zug, sieht einer Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten besorgt entgegen. «Die Angestellten im Detailhandel stehen jetzt schon unter Druck», meint Zouhir, «auch weil viele der sogenannten ‹Working Poor› in diesem Segment arbeiten.»

«Zug muss den anderen Kantonen nicht nacheifern.»

Sofia Zouhir, Co-Präsidentin Juso Zug  

Dadurch würden es Personen, die trotz Erwerbstätigkeit von Armut bedroht sind, noch schwerer haben. Denn die betroffenen Arbeitnehmer hätten nicht die freie Wahl. «Sie sind auf den Job angewiesen, müssen arbeiten gehen und Geld verdienen», sagt Zouhir.

Ihr Anliegen sei es, dass die Ausdehnung der Öffnungszeiten aus Sicht der Angestellten betrachtet werde. Deshalb fordere die Juso Zug im Detailhandel einen Gesamtarbeitsvertrag. Zouhir meint ausserdem: «Nur weil andere Kantone über flexiblere Einkaufsmöglichkeiten verfügen, muss der Kanton Zug diesen nicht nacheifern.»

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3 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 04.02.2019, 15:08 Uhr

    Einmal mehr gilt es, gesellschaftliche und nicht wirtschaftliche Interessen zu priorisieren. Ich kenne viele Familien, die darunter leiden, wenn ein oder beide Elternteile noch länger am Abend arbeiten müssen. Ich konnte aber bisher niemanden finden, der ernsthaft behaupten kann, dass er oder sie Not leiden muss mit den geltenden Öffnungszeiten. Also liebe Jungfreisinnige, setzt Euch doch für kürzere Arbeits-, statt für längere Öffnungszeiten ein. Dann haben alle etwas davon.

  2. Ruth Röllin, 02.02.2019, 19:41 Uhr

    Ja Herr Schmitt, Grossverteiler können das aber wie sieht es mit den kleinen Geschäften aus die sich nicht mehr Angestellte leisten können? Wenn es nur noch die Grossen gibt gibt es einfach nur noch Einheitsbrei zu kaufen, die Vielfältigkeit geht verloren. Abgesehen davon vereinsamen die Menschen wenn sie nur noch digital einkaufen – tolle Vorstellung *kofpschüttel*

  3. Christoph Schmitt, 02.02.2019, 16:39 Uhr

    Die Digitale Transformation des Handels wird dieses Problem von selbst lösen. Wie überall sonst auch in Ökonomie und Gesellschaft. Diese Prozesse aktiv mitgestalten werden nur die, die ihre alten Zöpfe abschneiden. Der Rest macht halt irgendwann gar nicht mehr auf, weil das Netz immer geöffnet ist. Nicht hat, sondern ist.