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Junges Theaterstück übt Gesellschaftskritik
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«Zwei Fliegen» ist ein satirisches Stück über den Schweizer Politbetrieb. (Bild: mko)

«Zwei Fliegen» in der Zuger Gewürzmühle Junges Theaterstück übt Gesellschaftskritik

3 min Lesezeit 17.09.2017, 11:27 Uhr

Die beiden Jungautoren Basil Koller und Luis Koch haben mit «Zwei Fliegen» ein provozierendes, sozialkritisches und satirisches Theaterstück zum Schweizer Politgeschehen geschaffen. Von wegen unkritische Jugend: Das Stück nimmt unser Politgeschehen gehörig auf die Schippe.

Luis Liun Koch, der nach eigenen Angaben für das Theater lebt, und Basil Koller, der als Journalist beim Bundeshaus Radio arbeitet, haben sich für ihr Theaterstück kritisch mit dem Schweizer Politgeschehen auseinandergesetzt. Entstanden ist eine satirische Tragödie, die sich mit der Frage beschäftigt: Was geschieht, wenn die direkte Demokratie an ihre Grenzen geführt wird?

Das ganze Bühnen-Ensemble bringt nach eigenen Angaben viel künstlerische Erfahrung mit und ist es sich von Kindesbeinen an gewohnt, vor einem Publikum aufzutreten. Die Bühnenerfahrung hat man den Künstlern bei der Premiere am Samstag angemerkt. Die Auftritte wirkten souverän, auch wenn sich die Nervosität einzelner Spieler gelegentlich bemerkbar machte. Versprecher waren selten und auch der Ausdruck in Sachen Hochdeutsch ganz gut, wenn auch teils ziemlich akzentgeprägt. Die Licht- und Tontechnik verlieh der Aufführung eine professionelle Atmosphäre.

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Nicht zuletzt überzeugte das Drehbuch mit einer unterhaltsamen und kurzweiligen Story, die das schweizerische Politgeschehen gleichermassen klug wie witzig auf die Schippe nimmt. In den Medien aktuelle Themen wie AHV, Sozialschmarotzer und Muslime werden im Stück diskret angesprochen.

Szene aus «Zwei Fliegen» – die Premiere in der Gewürzmühle überzeugte.

Szene aus «Zwei Fliegen» – die Premiere in der Gewürzmühle überzeugte.

(Bild: mko)

Unausgereifte Initiativen

Die Meinung, die im Stück vertreten wird, ist wenig überraschend linksideologisch geprägt. Darüber lässt sich natürlich streiten: Reines Schwarz-weiss-Denken ist zwar verführerisch und lässt sich politisch am besten vermarkten, trifft aber nur selten den Kern der Tatsachen. Auch dieses Thema sprechen die Autoren im Stück an – und üben damit (gewollt oder nicht) auch Selbstkritik.

Hauptkritikpunkt des Stücks – und damit gleichzeitig die Storyline – sind allerdings die unausgereiften Initiativen, die dem Schweizer Stimmvolk zur Abstimmung vorgelegt werden. Inhaltlich witzig umgesetzt haben die Autoren die Geschichte von Arno erfunden, der als einziger die Absurdität einer politischen Initiative erkennt. Er will die Halbwertszeiten von Atommüll und Alkohol miteinander vertauschen, um die damit einhergehenden ökologischen und sozialen Probleme zu beheben.

Die Schauspieler sind sich Auftritte gewohnt – und überzeugten bei der Premiere.

Die Schauspieler sind sich Auftritte gewohnt – und überzeugten bei der Premiere.

(Bild: mko)

Ein aussichtsloses Unterfangen

Für Arno völlig unverständlich, erweist sich seine Initiative als grosser Erfolg und wird vom Schweizer Stimmvolk angenommen. Seine Bemühungen, dies zu verhindern nehmen ein tragisches Ende. Sowohl er als auch seine Beziehungen zu seinen Mitmenschen zerbrechen an diesem aussichtslosen Unterfangen.

Die tragische Geschichte von Arno nimmt das Schweizer Politsystem auf die Schippe und übt so Kritik an einer der grossen Schwächen der direkten Demokratie – das Stück überzeugt im Grossen und Ganzen sehr. Wichtige Kritikpunkte werden angesprochen und mit Witz und ohne überflüssige Längen präsentiert. Das Theater, geschaffen von jungen Menschen für junge Menschen, richtet sich eher an ein intellektuelles Publikum.

Damit einher geht ein gewisses Überlegenheitsdenken, das aber nicht selten auch von Naivität verursacht wird, die trotz allem Können von einer (noch) fehlenden Lebenserfahrung herrühren könnte.

Weitere Vorstellungen von «Zwei Fliegen»: 18., 20., 21. und 23. September, jeweils 19:30 Uhr in der Gewürzmühle Zug.

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