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Junges Blut für ein altes Traditionshandwerk
  • Gesellschaft
Marianne Burch (links) und Jenny Curtins (rechts) teilen sich die Leidenschaft zur Herstellung von Schneiderbüsten.   (Bild: Caroline Mohnke )

Luzerner Macher von Schneiderbüsten sind gefragt Junges Blut für ein altes Traditionshandwerk

3 min Lesezeit 06.05.2019, 10:21 Uhr

Die Luzernerin Marianne Burch übte während 32 Jahren einen Beruf aus, den man nirgends erlernen kann: Schneiderbüstenherstellerin. Ihre Nachfolgerin, die 24-jährige Jenny Curtins aus Ibach, führt die Manufaktur weiter, bringt aber zusätzlich eine Portion Nähbegeisterung mit sich. 

«Meine Mutter war Schneiderin und ich war schon als kleines Kind immer um Schneiderbüsten herum», sagt Marianne Burch. Bevor die gelernte Rezeptionistin zu ihrer heutigen Passion kam, wirkte sie hinter verschiedenen Rezeptionen in England, Frankreich und Spanien.

1937 nahm in Zürich alles seinen Lauf: Ernst Zimmermann ersteigerte anlässlich einer Gant Gipsformen für die Herstellung von Schneiderbüsten. «50 Jahre später bot sich mir die einmalige Gelegenheit, die Manufaktur zu übernehmen, der damalige Besitzer war ein Bekannter unserer Familie», erzählt Burch. Das Atelier verlegte sie von Zürich nach Küssnacht am Rigi – die einzige Manufaktur in der Schweiz.

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Handwerk erfordert filigrane Massarbeit

Eine handwerkliche Begabung sei die Grundvoraussetzung für diese faszinierende Tätigkeit. Eine Berufsausbildung gibt es nicht dafür. «Learning by doing» heisst das Motto. Es wird Karton gerissen, geklebt, geschliffen, gesägt, in Watte gepackt. Der Beruf setzt sich aus verschiedenen Tätigkeiten zusammen. Da ist der gekonnte Umgang mit der Stichsäge ebenso wichtig wie das feinsinnige Nähen mit der Nadel.

Jede Büste besteht von Grund auf aus Naturmaterialien und wird nach alter Firmentradition handgefertigt. Eine Portion Muskelkraft ist von Vorteil, denn die ursprünglichen Gipsformen sind schwer. Es gibt sie aber auch aus viel leichterem Kunststoff. Die Formen werden mit gerissenen, feuchten Kartonstreifen ausstaffiert und mit Kleister bestrichen.

Vom Opernhaus bis zu Schulen – die Büsten sind beliebt

Später wird das Vorder- mit dem Hinterteil zusammengeklebt. Nach dem Trocknen, das ein paar Tage dauert – im Sommer weniger lang als im Winter –  ist sägen und schleifen angesagt, damit die Oberfläche glatt wird. Eine Bandschleife erleichtert die Arbeit. Anno dazumal machte man alles von Hand. «Ich habe die Manufaktur mit hunderten Messern und Feilen übernommen», erzählt die ehemalige Stoffbüstenfabrikantin.

Es wird weiterhin geformt, gekleistert, geklebt und nun noch genäht im grossen, hellen Atelier.

Es wird weiterhin geformt, gekleistert, geklebt und nun noch genäht im grossen, hellen Atelier.

(Bild: Caroline Mohnke)

Damit die Stecknadeln schön halten, wird der Torso mit Polstermaterial wattiert. In einem letzten Arbeitsschritt wird die in Watte gepackte Büste akribisch mit einem strapazierfähigen Leinenstoff bespannt und zuletzt seitlich von Hand zugenäht.

«Jenny hat bereits über zwei Jahre bei mir gearbeitet und weiss, ‹wie der Karren läuft›.»

Marianne Burch, Schneiderbüstenherstellerin

Eine Zimmermann-Büste ist und bleibt nach wie vor etwas Besonderes. Zu den Kunden zählen die Schule für Gestaltung, Theater, Opernhäuser, Modemacherinnen, aber auch Privatpersonen, die sich gerne Kleider auf den Leib schneidern oder schneidern lassen.

Jungunternehmerin übernimmt den Betrieb

«Ich bin glücklich, dass dieses schöne Handwerk nicht ausstirbt», sagt Burch. Denn auf den 1. April hat sie das Unternehmen der ehemaligen Bekleidungsgestalterin und Theaterschneiderin Jenny Curtins übergeben. «Jenny hat bereits über zwei Jahre bei mir gearbeitet und weiss, ‹wie der Karren läuft›», meint Burch.

«Niemand vermutet unter so einer fertigen Stoffbüste Karton.»

Jenny Curtins, übernahm den Betrieb auf Anfang April

Die Jungunternehmerin möchte sich nebst dem Schneiderbüstenherstellen auch ihrer Passion, dem Nähen, widmen. «Vom T-Shirt bis zum Hochzeitskleid kommt bei mir alles unter die Nadel», so Curtins lächelnd. Ihr gefällt das Handwerk an diesem Beruf. «Alles ist zu 100 Prozent von Hand gefertigt und niemand vermutet unter so einer fertigen Stoffbüste Karton», sagt sie, bevor weiter geformt, gekleistert und genäht wird. 

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