Junge Theaterleute suchen in Luzern das Fremde
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Nicole Lechmann (31) und Judith Michel (36) bringen im Theater P-Act Schweizer mit Asyl suchenden Jugendlichen zusammen. (Bild: mka)

Fluchtthematik kommt auf die Bühne Junge Theaterleute suchen in Luzern das Fremde

3 min Lesezeit 24.11.2016, 13:13 Uhr

Das Voralpentheater am Spelteriniweg in Luzern startet in die Saison und wächst: Neben einer neuen Kindergruppe hat diesen Monat die neue Jugendtheatergruppe P-Act mit den Proben begonnen. Mit an Bord sind sieben junge Asylsuchende. 

Acht Theatergruppen, 30 Mitarbeitende, 20 Helfer, über 100 Spielende: Mit dieser Aufstellung startet das Voralpentheater in seine neunte Spielsaison. Gestern Abend stellten die verschiedenen Gruppen im Theaterpavillon im kleinen Rahmen ihre Projekte vor. 

Ganz am Anfang seiner Geschichte steht die neue Jugendtheatergruppe P-Act, die Theater mit Integration verbindet. Unter der Leitung von Nicole Lechmann (31) und Judith Michel (36) werden im nächsten halben Jahr hiesige Jugendliche zusammen mit unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA) ein Stück erarbeiten.

Die beiden Theaterpädagoginnen sind selbst gespannt auf das Projekt, das vor allem ein Sozialprojekt ist.

«Auf der Bühne wollen wir nicht die Geschichten von Flüchtlingen aufführen, sondern Themen, die diese jungen Menschen jetzt beschäftigen.»

Nicole Lechmann, Co-Leiterin Jugendtheatergruppe P-Act

«Wir wissen noch nicht genau, wie wir es sprachlich machen, und ob wir die Leute packen können», sagt Lechmann. Ein «Asylstück» solle es aber nicht werden: «Auf der Bühne wollen wir nicht die Geschichten von Flüchtlingen aufführen, sondern Themen, die diese jungen Menschen jetzt beschäftigen. Welche das sind, sehen wir erst noch.» 

Flüchtlinge in der Theaterwelt

Die Themen Migration und Asyl sind aktuell auf Bühnen in ganz Europa sehr präsent; die Theaterwelt sucht aktiv den Austausch mit Flüchtlingen und ihren Geschichten. Sei es auf künstlerischer Ebene oder in Form konkreter Lebenshilfe – man denke etwa ans Hamburger Schauspielhaus, das sich 2015 vorübergehend zur Notunterkunft verwandelte.

Auch in der Schweiz wurde und wird die Flüchtlingsthematik auf Profi- und Laienbühnen vielfach bearbeitet. In Luzern etwa hat letztes Jahr die Performerin Beatrice Fleischlin mit ihrer «Leichen»-Performance «Just a Minute» auf dem Jesuitenplatz ein starkes Statement abgeliefert (zentralplus berichtete). Und am letzten Jugendtheatertreffen «Spiilplätz» führten Basler mit Asyl suchenden Jugendlichen ein Stück auf. 

Warum ist die Theaterszene hier so intensiv am Werk? «Theaterspielen hat viel mit Körpersprache und sozialer Kompetenz zu tun. Man begegnet sich anders», sagt Judith Michel, «ähnlich wie auch im Sport.» Sechs junge Männer und eine junge Frau, die bei P-Act mitmachen, wohnen derzeit im Asylzentrum Sonnenhof in Emmenbrücke. Dazu kommen bis jetzt vier Schweizer Jugendliche.

Das Voralpentheater startete in die Saison, die Proben mit der neuen Kindergruppe sind am Laufen.

Das Voralpentheater startete in die Saison, die Proben mit der neuen Kindergruppe sind am Laufen.

(Bild: zVg)

«Wir suchen noch weitere vier Leute, Interessierte sind willkommen», sagt Lechmann. Ihr Ziel ist, allen Beteiligten gute Stunden und Begegnungen zu bieten. «Und vielleicht auch ein wenig Sicherheit.» Die erste P-Act-Produktion wird am JUTZ-Festival im Juni aufgeführt. Wie es danach weitergeht, ist noch offen: «Jetzt schauen wir erst mal, was herauskommt.»

Für die Proben in den Kosovo

Ebenfalls den kulturellen Austausch suchte bereits dieses Jahr die Gruppe actNNow. Die zehn Jugendlichen unter der Leitung und Regie von Nina Halpern (28) reisten im vergangenen April nach Gjilan in den Kosovo, wo sie mit hiesigen Jugendlichen das Stück «Wer ist Lumturia» aufführten.

Das läuft im Voralpentheater
  • Weihnachtskonzert «Kling Glöckchen»: Act-Now mit Sinfonieorchester Luzern: 21. Dezember im KKL Luzern
  • Theater Nawal: «Das Fest», nach dem Drehbuch von Thomas Vinterberg und Mogens Rukov, Premiere: 6. Januar 2017 
Im kommenden Mai soll diese Geschichte weitergeführt werden: Ziel ist, dass die Jugendlichen aus Gijlan nach Luzern kommen und man in kompletter Formation das neue Stück «Ich bin Lumturia» aufführt. Damit es so weit kommt, steht noch einiges an: «Die bürokratischen Hürden sind sehr hoch», sagt Halpern. Doch setzt sie alles daran, diese Idee umzusetzen – momentan reist sie einmal pro Monat nach Gijlan, um die Proben am Laufen zu halten.

Schon ganz konkrete Einblicke in ihre Proben gaben gestern das Theater Nawal, das sich den Dogma-Klassiker «Festen» vorgenommen hat, und die Kindergruppe Bühnenkracher. Und nebenbei erfuhr man vom Voralpen-Begründer Reto Ambauen auch etwas über das Leben als Regisseur: In der jetzt laufenden Tropfstei-Produktion in Ruswil ist ein Darsteller komplett ausgefallen – sein Alptraum (zentralplus berichtete). «Tja, nun muss ich eben selbst ran», lachte Ambauen und verschwand kurz nach der Begrüssung.

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