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Junge haben Angst vor Parteistempel
  • Politik
Protest der «Lernenden gegen die Sparwut». (Bild: facebook.com/jungegruenektlu )

Luzerner Politnachwuchs Junge haben Angst vor Parteistempel

5 min Lesezeit 08.06.2015, 05:00 Uhr

In ihrem Politblog bemängelt die jungfreisinnige Julia Bachmann das Engagement der Jungen für die Parteipolitik. Die Jungsozialisten reagieren mit Verwunderung. Wie steht es allgemein um den Luzerner Politnachwuchs? Und tendieren Junge eher nach links?

Den Beitritt zu einer Jungpartei überlegen sich viele Junge zweimal. Dabei könnten Jungparteien den Einstieg in die teils komplexe Welt der Politik erleichtern. Doch diese haben Mühe, Neumitglieder zu verzeichnen. Dies schreibt die jungfreisinnige Julia Bachmann in ihrem Blog bei zentral+. Nur selten gäbe es Zuwachs. «Womöglich liegt es daran, dass die Jugendlichen eine falsche Vorstellung vom Politisieren haben. Sie halten es für etwas Langweiliges, etwas Bürokratisches, etwas für Spiesser.»

«Das liegt am Programm»

Bei den Juso ist man über das Geschriebene verwundert, wie der Präsident der Juso der Stadt Luzern, Nik Rigert, sagt. «Die Juso der Stadt Luzern kann auf 220 engagierte Genossinnen und Genossen zählen.» An ihren Veranstaltungen hätten sie jeweils rund 50 Besucher, präzisiert Rigert. «Häufig kommen Personen, die noch niemanden kennen und sehr motiviert sind, politisch mitzuwirken», sagt er. Allerdings bekommt auch Rigert die allgemeine Politikverdrossenheit zu spüren. «Es gibt junge Menschen, die Angst haben, dass sie abgestempelt werden, falls sie einer Partei beitreten.» Der Jungsozialist reagiert mit Häme auf die Probleme, die Bachmann äussert. «Dass die Jungfreisinnigen keinen Nachwuchs zu verzeichnen haben, liegt in erster Linie an ihrem politischen Programm.»

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Das Gespött über ihren Blog nimmt Bachmann gelassen. «Die Jungfreisinnigen organisieren jedes Jahr ein St.-Leodegards-Podium mit allen Jungparteien.» Dort sei man sich jeweils einig, dass eine stärkere Teilnahme der Jungen wünschenswert wäre. Dass Jungen die linke Ideologie besser behage, glaubt Bachmann nicht. «Der Kampf für Gerechtigkeit der Linken kann vielleicht einfacher und plakativer dargestellt werden, aber die bürgerlichen Freiheitswerte sprechen die junge Generation auch an.»

Facebook-Likes der Jungparteien

Da die junge Generation sehr Social-Media-affin ist, lohnt sich ein Blick auf die Likes der Jungparteien. zentral+ präsentiert die Rangliste am 1. Juni 2015:

1. Platz: Junge Grüne Luzern – 450 Likes

2. Platz: Juso Luzern – 442 Likes

3. Platz: Junge Grünliberale – 349 Likes

4. Platz: JCVP – 309 Likes

5. Platz: Jungfreisinnige – 266 Likes

6. Platz: JSVP – 229 Likes

Auch Marco Heer, Präsident der Jungfreisinnigen, reagiert gelassen auf die Kritik am Parteiprogramm. «Die Juso kennen unser Parteiprogramm nicht wirklich. Ich denke, wir sind sehr gut unterwegs», sagt Heer. Die Jungfreisinnigen hätten viele motivierte Mitglieder, Neumitglieder seien herzlich willkommen. «Unsere Mitglieder wollen sowohl politisch mitreden wie auch die Auswirkungen politischer Entscheide abwägen können.» Weiter spiele die Kollegialität eine grosse Rolle, so Heer. Die Anlässe der Jungfreisinnigen sind gut besucht. Zu guter Letzt hält Heer fest: «Wir waren so ziemlich die erste Jungpartei, die 10 Nationalratskandidaten nominiert hatte.» Zudem seien mit Damian Müller als Ständeratskandidat und Maurus Zeier als Nationalratskandidat auf dem ersten Listenplatz zwei Aushängeschilder der Jungfreisinnigen bei der FDP in Position.

Auskunft über die genauen Mitgliederzahlen von den Jungparteien zu erhalten, ist gar nicht so einfach. Offizielle Mitgliedschaften im klassischen Sinne gibt es kaum, wer einmal seine Sympathie bekundet, wird über zukünftige Aktivitäten informiert. Ein gewisses Bild über die Beliebtheit der Jungparteien gibt die Anzahl Facebook-Likes (siehe Box).

Mühe, sich zu binden

Auch die Jungen Grünen hätten keine Nachwuchssorgen, wie Co-Präsidentin Irina Studhalter sagt. «Rund 30 Mitglieder sind regelmässig an Sitzungen oder Sammelaktionen anzutreffen.» Der vergangene Kantonsratswahlkampf habe die Jungen auf die Politik aufmerksam gemacht und die Jungen Grünen hätten dadurch nochmals drei bis vier Zugänge zu verzeichnen. Sie erklärt die Schwierigkeiten bei der Suche nach Neumitgliedern mit dem modernen Denken der heutigen Zeit. «Die Jungen wollen sich nicht festlegen», sagt Studhalter.

«Es wird schwieriger, aktive, engagierte Freiwillige zu finden, die auch Verantwortung übernehmen würden.»

Tobias Käch, Präsident der JCVP Kanton Luzern

Ins selbe Horn stösst Tobias Käch, Präsident der JCVP. «Dass sich die Jungen nicht binden wollen, ist aber ein gesellschaftliches Problem, damit haben andere Vereine auch zu kämpfen. Es wird schwieriger, aktive, engagierte Freiwillige zu finden, die auch Verantwortung übernehmen würden», räumt Käch ein. Zur Anzahl Sympathisanten sagt Käch: «An einem Event haben wir jeweils 20 bis 30 Teilnehmer.» Zudem verfüge die JCVP über einen Stamm an langjährigen Sympathisanten, die ab und zu dabei seien. Eine grosse Bedeutung hätten für die Jungparteien die Wahlen. «Erstens wird mit der Suche nach Kandidierenden auch die Mitgliederzahl erhöht und zweitens sind öffentliche Podien an Kantons- oder Berufsschulen im Rahmen des Wahlkampfes eine gute Plattform für Jungpolitiker.»

JSVP mit Aufschwung

«Wir haben wöchentlich neue Anfragen», sagt JSVP-Präsidentin Joleen Poletti stolz. Momentan seien rund 200 Mitglieder registriert. «Wer sich bei der SVP engagiert, teilt das Gedankengut der SVP oder ist mit den aktuellen Entwicklungen der Schweizer Politik unzufrieden», mutmasst Poletti. Dass Junge linke Ideologien bürgerlicher Politik vorziehen, glaubt Poletti nicht. Im Gegenteil: «Ich spüre einen Trend hin zu bewährten bürgerlichen Traditionen.» Bedauerlich sei, wenn politisches Engagement von der Gesellschaft kritisch betrachtet werde. «Dabei ist die Meinungsfreiheit ein wichtiges Gut und soll geschützt werden», sagt Poletti.

Politinteresse vielseitig messbar

Olivier Dolder von Interface Politikstudien hält fest, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, die politische Aktivität der Jungen zu beurteilen. «Gemäss einer Studie von 2011 lag die Stimmbeteiligung der 18- bis 24-Jährigen bei 32 Prozent – bei der gesamten Stimmbevölkerung bei 49 Prozent.» In derselben Studie lassen sich auch die Parteipräferenzen der Jungen finden, ob diese aber vom Alter oder doch eher vom Zeitgeist abhängen, ist eine umstrittene Frage.

In einem Punkt sind sich die Jungparteien einig. «Das Engagement lohnt sich auf alle Fälle», heisst es von allen Seiten. Dann folgen Loblieder auf die eigenen Parteiprogramme und die Aktionen der Jungparteien. Von engagiert geführten Wahlkämpfen ist ebenso die Rede wie von erfolgreich lancierten Initiativen. Mit ihren Forderungen könnten die Jungparteien frecher auftreten als die Mutterparteien – sie geniessen aufgrund ihrer jugendlichen Unbekümmertheit eine gewisse Narrenfreiheit.

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