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Jung, chic und erfolgreich – dank Luxusuhren
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Chronext-CEO Philipp Man (rechts) mit Co-Gründer Ludwig Wurlitzer. (Bild: zvg)

Sie leben in Zug den Jungunternehmer-Traum Jung, chic und erfolgreich – dank Luxusuhren

5 min Lesezeit 13.06.2017, 13:10 Uhr

Sie haben geschafft, wovon viele träumen: Mit Mitte zwanzig sind Philipp Man und Ludwig Wurlitzer Besitzer eines Unternehmens, das im letzten Jahr rund 54 Millionen Franken umgesetzt hat. Für die Gründung ihres Start-ups wählten die beiden Deutschen Zug als Standort aus. Wir haben CEO und Co-Gründer Philipp Man nach dem Erfolgsrezept gefragt.

Was traditionsgemäss bisher immer über den Juwelier oder den Fachhandel lief, passiert seit 2013 auch online: der Handel mit Luxusuhren. Obwohl die etablierten Händler die Newcomer sehr argwöhnisch beäugt haben, ging die Strategie auf: Mit dieser Idee ist aus dem Start-up zweier Freunde binnen weniger Jahre ein erfolgreiches Unternehmen geworden. Auch, weil man früh Investoren fand.

An der Gotthardstrasse in Zug beschäftigt das Unternehmen «Chronext» zehn Mitarbeiter – hier werden vor allem die strategischen Managemententscheidungen gefällt, erfahren wir. Köln, wo unter anderem die Werkstatt steht, und London heissen die anderen Standorte. zentralplus hakt nach, wie das Ganze funktioniert, woher die Idee stammt und was es neben Begeisterung für das Produkt als Unternehmer sonst noch braucht.

zentralplus: Sie und Ihr Mitgründer Ludwig Wurlitzer haben Chronext im Jahr 2013 gegründet. Weshalb entschieden Sie sich gerade für Zug als Standort?

Philipp Man: Zug ist für Chronext aufgrund der Nähe zu den grossen Marken der Uhrenbranche der ideale Standort. Als Hochburg der Uhrenindustrie ist unser Hauptsitz in der Schweiz wichtig, um Glaubwürdigkeit bei den Kunden herzustellen: So wie eine Uhr die Persönlichkeit des Trägers widerspiegelt, gehört der Standort Zug zum Wappenzeichen unseres Unternehmens.

zentralplus: Wie sind Sie beide auf die Idee gekommen, online mit Uhren zu handeln?

Man: Schon von klein auf habe ich mich für Uhren interessiert. Nach dem Abitur habe ich dann bei einem Juwelier gejobbt und tiefere Einblicke in die Luxusuhrenwelt erhalten. Während des Studiums arbeitete ich ausserdem für verschiedene Uhrenhändler und fokussierte meine Dissertation auf das Thema Marktdynamiken bei Luxusuhren. Ludwig Wurlitzer und ich haben Chronext gleich nach unserem Studium gegründet, wir waren beide 21 Jahre alt. Unsere Liebe zu hochwertigen Uhren war schon damals extrem und führte zur Idee, einen Marktplatz für Luxusuhren zu etablieren – den es so einfach noch nicht gab.

zentralplus: Start-up-Gründung mit 21 – hatten Sie keine Bedenken, zu jung zu sein?

Man: Eine Gründung ist immer eine Herausforderung, vor allem direkt nach dem Studium. Allerdings waren wir von der Idee überzeugt, und die Leidenschaft für hochwertige Uhren hat gegenüber den Gedanken an mögliche Risiken überwogen.

zentralplus: Wie schätzten oder schätzen Sie den Uhrenmarkt ein?

Man: Der Uhrenmarkt ist ein traditionsreicher Markt, jedoch werden auch hier – wie generell im Luxusgütermarkt – die Abläufe schneller. Es wandern immer mehr Käufer in den Onlinehandel ab. Leute kaufen beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit per Handy ihre Luxusgüter! Wenn ich mir für 20’000 Franken ein Vera-Wang-Kleid bei Net-A-Porter kaufe, dann auch meine Uhr bei Chronext.

«Ein Start-up zu bauen, ist glaube ich immer mit viel Schmerz verbunden.»

Philipp Man, CEO und Co-Gründer Chronext

zentralplus: Stellen Sie Ihre Firma kurz vor.

Man: Chronext ist die erste Adresse für Luxusuhren: Bei uns kann man Uhren kaufen, verkaufen oder den Service unserer hauseigenen, zertifizierten Meisterwerkstatt in Anspruch nehmen. Wir führen mehr als 23’000 Modelle in unserem Shop, darunter vor allem die renommierten Marken der Schweizer Manufakturen. Unser Geschäftsmodell umfasst neue Modelle, Uhren aus zweiter Hand sowie Vintagemodelle und Sammlerstücke. Zusätzlich zu unserem Onlineauftritt gibt es für unsere Kunden die Möglichkeit, die neue Uhr persönlich an unseren Standorten in Zug, Köln, München oder in unserer Flagship Boutique in London abzuholen.

zentralplus: Wie funktioniert Ihre Plattform?

Man: Wir ermöglichen unseren Nutzern den sicheren und bequemen Kauf und Verkauf von hochwertigen Uhren online und offline, zu fairen Preisen. Ausserdem haben wir ein Tool entwickelt, mit dem Interessenten ihre Wunschuhr suchen können, die wir nicht auf der Plattform haben.

zentralplus: Was für Dienstleistungen bieten Sie damit an?

Man: Wir übernehmen die zum Teil aufwendige Suche und besorgen im Anschluss die Wunschuhr. Ebenso leicht lässt sich die eigene Uhr über uns verkaufen – wir sorgen für die versicherte Abholung sowie die Echtheitsprüfung in unserer hauseigenen, zertifizierten Werkstatt. Daraufhin setzen wir uns mit dem Kunden in Kontakt, der zwischen Sofortverkauf und Kommissionsverkauf in unserem Shop entscheiden kann. Zu guter Letzt bietet Chronext eine Reihe an Serviceleistungen rund um Luxusuhren an, seien es Reparaturen, Revisionen, Armbandaustausch oder Beschichtungen.

Ein Uhrmacher begutachtet ein Schmuckstück.

Ein Uhrmacher begutachtet ein Schmuckstück.

(Bild: zvg)

zentralplus: In welcher Preisspanne bewegen sich die Uhren, die Sie verkaufen?

Man: Unsere Modelle starten bei etwa 900 Euro, die kostspieligsten Uhren sind Sammlerstücke im Warenwert einer Luxuslimousine.

zentralplus: Haben Sie das Gefühl, dass man in Uhren auch als Sachanlage investiert?

Man: Definitiv. Einige Modelle – wie beispielsweise die Klassiker von Rolex – verzeichnen über Jahre hinweg eine klare Wertsteigerung.

zentralplus: Gemäss Handelszeitung haben Sie 2016 – drei Jahre nach der Gründung – einen Umsatz von 50 Millionen Euro erzielt. Möchten Sie in den nächsten Jahren noch höher hinaus?

Man: Geplant ist mehr als eine Verdopplung des Umsatzes für 2018.

zentralplus: Die Geschichte der Chrontex liest sich fast als reine Erfolgsstory. Gab es nie Rückschläge?

Man: Doch, die gab es. Ein gutes Jahr nach der Gründung stand es nicht gut um Chronext. Monatelang hatten wir mit einem Dax-Konzern über dessen Einstieg bei uns verhandelt, in letzter Minute sagten die Geldgeber ab. Wir hatten quasi nichts mehr. Dank eines «Business Angels», der spontan Geld überwies, konnten wir weitermachen. Ein Start-up zu bauen, ist, glaube ich, immer mit viel Schmerz verbunden.

«Ihr Team und Ihre Partner sind das A und O des Erfolges.»

Philipp Man

zentralplus: Die Uhrenbranche und der stationäre Handel haben anfangs eher ablehnend reagiert. Wie sieht es heute aus?

Man: Für den stationären Handel ist Chronext ein neuer Player in einem sehr traditionsreichen Markt. Allerdings ermöglichen wir jedem Juwelier den Onlineverkauf ohne vorherige Expertise im E-Commerce. Wir leben von unseren guten Beziehungen zum Detaillisten. Wir arbeiten auch mit Manufakturen zusammen und sind stets bemüht, die Türen offen zu halten. Ich freue mich über jeden CEO einer Manufaktur, der sich mit mir treffen möchte, um die Zukunft der Uhrenindustrie zu diskutieren. Darüber hinaus ermöglichen wir den Manufakturen den Verkauf von Modellen, die aufgrund ihrer Individualität einen Mehrwert für absolute Kenner darstellen und vielleicht weniger präsent auf der Einkaufsmeile sind.

zentralplus: Welchen Rat möchten Sie Jungunternehmern mit auf den Weg geben?

Man: Das Wichtigste sind die Leute, mit denen man arbeitet. Vor allem bei digitalen Geschäftsmodellen haben Sie keine Maschinen oder Fabriken. Ihr Team und Ihre Partner sind das A und O des Erfolges. Entsprechend sollte man als Gründer die meiste Zeit mit Recruiting verbringen.

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