Jugendliche aus Luzern und Zug liefern sich hitzige Debatten
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Tagessiegerin Fiona Jetzer posiert vor den Juroren und dem OK: (v.l.n.r.) Michael Töngi, Nationalrat; Peter Kehrli (OK), Christoph Schaufelberger (OK), Reto Eichenberger (Prorektor KSR), Christian Fallegger (Leitung OK). (Bild: Benno Bühlmann)

Impfpflicht, Handyverbot und Gratis-ÖV Jugendliche aus Luzern und Zug liefern sich hitzige Debatten

4 min Lesezeit 16.01.2021, 20:00 Uhr

Am Samstag wurde fleissig debattiert. Im Rahmen des 8. Zentralschweizer Kanticups diskutierten Jugendliche aus Luzern und Zug über verschiedene politische Themen. Als Sieger gingen unter anderem Fiona Jetzer aus Luzern und Enrico Steiner aus Baar hervor. Ihnen winkt nun ein Ticket nach Polit-Bern.

Soll auf dem Schulhof ein generelles Handyverbot gelten? Sollen nur geimpfte Personen uneingeschränkten Zutritt zu Grossveranstaltungen erhalten? Und soll der öffentliche Verkehr in der Stadt Luzern und in der Stadt Zug für Jugendliche in Ausbildung gratis sein?

Mit diesen und anderen Fragen beschäftigten sich die 32 Jugendlichen, die am Samstag am Debattierwettbewerb des 8. Zentralschweizer Kanticups teilnahmen. Die Teilnehmer stammten aus den Kantonen Luzern und Zug und kämpften in je 16-minütigen Debatten um einen Platz für den nationalen Debattier-Cup am 26. und 27. März 2021 in Bern.

Grosse technische Herausforderung

Dass die achte Ausgabe des Kanticups überhaupt über die Bühne gehen konnte, sei mit erheblichem Aufwand verbunden gewesen, wie OK-Koordinator Christian Fallegger von der Kantonsschule Reussbühl auf Anfrage erklärt. Coronabedingt musste der Anlass in den digitalen Raum verlegt werden. Die Jugendlichen nahmen von zuhause aus teil, debattierten in zwei Alterskategorien, jeweils zwei in der Pro- und zwei in der Kontraposition. Zusätzlich wurde der Event live als Stream im Internet ausgestrahlt.

Die Arbeiten für den Anlass seien schon seit einigen Wochen im Voraus auf Hochtouren gelaufen. «Wir haben für die digitale Austragung auch fünf Testabende gemacht, alle Szenarien durchgespielt», so Fallegger. Für die Technik zeichnete sich die organisierende Arbeitsgruppe AG DeLL (Demokratie lernen und leben) verantwortlich, unterstützt durch die Zürcher Organisation Young Enterprise Switzerland (YES).

«Wir haben alle viel Pionierarbeit geleistet.»

Christian Fallegger, OK-Koordinator

Jetzt, wo die Debatten technisch einwandfrei über die Bühne gegangen sind, kann Fallegger erleichtert aufatmen: «Wir waren wegen der technischen Anforderungen doch etwas angespannter als sonst.» Umso zufriedener ist er mit dem Verlauf: «Wir haben alle viel Pionierarbeit geleistet.»

In früheren Ausgaben waren bis zu zehn Zentralschweizer Schulen beim Wettbewerb dabei. Den diesjährigen Wechsel ins Internet trauten sich aber nicht alle Schulen zu – heuer waren nur Debattierende aus vier Institutionen vertreten: aus der Kantonsschule Zug, den Luzerner Kantonsschulen Reussbühl und Alpenquai und der Fachmittelschule (FMZ) Luzern.

Übung für die Schüler

Debattieren will geübt sein, weswegen die Jugendlichen im Vorfeld sowohl während des Unterrichts wie auch ausserhalb des regulären Stundenplans in Zusammenarbeit mit Lehrpersonen geschult wurden. Auf dem Programm standen Punkte wie Argumentationsfähigkeit, Erörterungen und Sachkompetenz und dabei spielte auch der kritische Umgang mit Fakten eine wichtige Rolle. «Das ist vor allem in der aktuellen Konstellation bei der Informationsbeschaffung sehr wichtig», findet Christian Fallegger.

Debattieren sei aber auch eine Frage des Herzbluts und «ein wunderbares Tool, um der Jugend eine Stimme zu geben – in sozialen und politischen Fragen. Auf die Art und Weise können sie sich Schritt für Schritt Gehör verschaffen.»

Besonders herausfordernd für die Jugendlichen: Die Pro-/Contra-Positionen während der Debatten wurden nach Los verteilt. «Es kann also sein, dass Sprecher auch gegen ihre eigene Überzeugung debattieren müssen.» Eine Herausforderung, welche die Jugendlichen gemäss Fallegger und der Jury sehr gut gemeistert haben.

Bunt gemischte Jury

Stichwort Jury: «Bei der Zusammenstellung der Jury war nicht nur die fachliche Kompetenz ausschlaggebend, sondern auch, dass sie den Puls bei der Jugend haben», so Fallegger. Am virtuellen Jurorenpult sassen beispielsweise die Luzerner Nationalräte Prisca Birrer-Heimo und Michael Töngi, der Zuger Regierungsrat Stephan Schleiss sowie Vertreterinnen und Vertreter des Luzerner Kantonsparlaments, aus der Wirtschaft und dem Bildungsbereich.

Nach dem gesamthaft rund sechsstündigen Anlass ergatterten acht Teilnehmer das begehrte Ticket nach Bern. Als Tagessiegerin ging die 18-jährige Fiona Jetzer aus Schwarzenberg (Kantonsschule Reussbühl) als Siegerin in der Kategorie 2 hervor, während der 14-jährige Enrico Steiner (Kantonsschule Zug) die begehrte Trophäe in der Kategorie 1 holen konnte. Eine genaue Auflistung der Debattenverläufe und die Final-Debatten im Video gibt es hier.

Die Jagd nach dem Meistertitel

Wie geht es jetzt weiter? Den acht Gewinnerinnen vom Samstag winkt nicht nur ein Buchpreis als Anerkennung, sondern vor allem die Teilnahme an den nationalen Debatten in Bern im März, wo die Jugendlichen gegen Kontrahentinnen aus anderen Kantonen antreten – bis schliesslich ein Schweizer Meister feststeht. Wer auch immer diesen Prestige-Titel gewinnt, darf im Rahmen eines Erlebnisanlasses Politikluft schnuppern – im Bundeshaus.

Der nächste Kanticup findet 2023 statt. Was Gewinnerin Fiona Jetzer, Juror Michael Töngi und OK-Koordinator Christian Fallegger zum Wettbewerb sagen, siehst du unten im Video:

Video: Benno Bühlmann / «Jugend debattiert»

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