Jugendgewalt in Zug ist extrem angestiegen
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Jugendgewalt spielt sich im öffentlichen Raum ab, also in Parks und am See. (Bild: Andreas Busslinger)

Oft Alkohol und Drogen im Spiel Jugendgewalt in Zug ist extrem angestiegen

3 min Lesezeit 3 Kommentare 01.06.2021, 05:00 Uhr

Im Kanton Zug haben Jugendliche letztes Jahr 121 Gewaltstraftaten begangen. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr (55). Was ist da los? zentralplus hat nachgefragt.

«Auffallend ist, dass insbesondere die Gruppendelikte zugenommen haben», sagt Judith Aklin, Sprecherin der Zuger Staatsanwaltschaft. Der massive Anstieg von Jugendgewalt im Kanton Zug macht ihr Sorgen. Denn nicht nur die Zahl der jugendlichen Täter steigt, sondern auch diejenige der jungen Menschen, die Opfer von Gewalt werden.

Die Angriffe richten sich nämlich primär gegen andere Jugendliche, wobei sich Opfer und Täter nicht zwangsläufig kennen müssen. «Leider handelt es sich fast ausschliesslich um jugendliche Opfer und somit die schwächsten Glieder unserer Gesellschaft», sagt Aklin.

«Die Pandemie hat zudem die Situationen junger Menschen in schwierigen Lebensphasen alles andere als verbessert. Es war zu erwarten, dass sich dies im Verhalten niederschlägt.»

Judith Aklin, Sprecherin Zuger Staatsanwaltschaft

Während es sich bei den jüngeren Beschuldigten mehrheitlich um Einzeltäter handelt, agieren ältere Jugendliche primär in Gruppen. «Diese Delikte finden in der Regel in der Nacht oder abends statt, wobei oft Alkohol und Drogen im Spiel sind», so Aklin. Jugendgewalt spiele sich im öffentlichen Raum, also in Parks, am See, auf der Strasse oder am Bahnhof ab.

Pandemie hatte einen Einfluss

Woher kommen diese Aggressionen? «Die Ursachenfaktoren von Jugendkriminalität sind vielfältig. Es gibt nicht den einzelnen beziehungsweise zentralen Faktor», meint die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Dass die Jugendkriminalität zunimmt, überrascht sie jedoch nicht. In den letzten Jahren konnten immer wieder wellenförmig ansteigende Zahlen festgestellt werden.

«Die Pandemie hat zudem die Situationen junger Menschen in schwierigen Lebensphasen alles andere als verbessert. Es war zu erwarten, dass sich dies im Verhalten niederschlägt», meint Aklin. Alles auf Corona zu schieben, wäre aus ihrer Sicht jedoch falsch.

Aggressivität steigt auch im Netz

Feststellbar sei eine Zunahme von Aggressivität, wie man sie unter anderem an Beleidigungen in den sozialen Medien sehen könne. Festzustellen sei jedoch auch eine Zunahme des Alkohol- und Drogenkonsums, ebenso wie das Mobbing in den Schulen und im Netz.

«Da lohnt es sich, Ressourcen zu investieren, wenn nicht in die Jugend, wo dann?»

Judith Aklin, Sprecherin Zuger Staatsanwaltschaft

«Die Frage, was diese höhere Bereitschaft erklärt, bleibt dabei jedoch unbeantwortet, kann aber durchaus in einem Zusammenhang mit dem Medienkonsum und den anonymen Plattformen in den sozialen Medien stehen», meint Aklin.

Zusatzeffort nötig, um Trend aufzuhalten

Um diese Entwicklung aufzuhalten, wäre eine starke Partnerschaft zwischen Schulen, Sozialer Arbeit, Zivilgesellschaft sowie Polizei und Jugendstrafverfolgungsbehörde ideal, sagt Judith Aklin: «Es sollten alle gemeinsam am Problem Jugendkriminalität arbeiten, indem sie jungen Menschen den Wert eines friedlichen Zusammenlebens verdeutlichen und hierzu die Kompetenzen vermitteln. Da lohnt es sich, Ressourcen zu investieren, wenn nicht in die Jugend, wo dann?»

Prävention sei eines von vielen Mitteln, mit welchem (weitere) Delinquenz verhindert werden könne. Sie sei allerding aufwändig und binde viele Ressourcen, die oft zu wenig vorhanden seien.

Serie von Sachbeschädigungen in Tiefgaragen

Nicht nur die Gewaltdelikte von Jugendlichen haben zugenommen. Die Fallzahlen der Zuger Jugendanwaltschaft sind letztes Jahr insgesamt um mehr als einen Viertel (25,9 Prozent) angestiegen – und zwar von 765 Fällen im Vorjahr auf 963 Fälle im Jahr 2020.

Dies ist unter anderem auf mehrere Seriendelikte zurückzuführen. «Eine Gruppe von etwa 10 Jugendlichen begab sich in unterschiedlicher Zusammensetzung mehrmals in Tiefgaragen und verübte dort diverse Sachbeschädigungen», sagt Aklin dazu.

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3 Kommentare
  1. mebinger, 01.06.2021, 13:17 Uhr

    War zu erwarten, zerstört die Zukunft der Jugendlichen noch mehr und verbietet ihnen alles, was Freude macht und dann wird Euch die Gewalt nur so um die Ohren schlagen und ich muss gestehen, ich verstehe die Jugendliche, wie sollen sie sich sonst wehren

    Bevor jemand nun motzt, verstehen ist nicht das Gleiche wie Zustimmen!

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  2. Andy Bürkler, 01.06.2021, 10:28 Uhr

    Mich würde vor allem interessieren, welchen Hintergrund diese Jugendlichen haben.
    Sind das Kinder von «Bürgerlichen»?
    Haben oder hatten diese Jugendlichen eine Schweizer Grossmutter?
    Welchen Aufenthaltsstatus haben diese jungen Menschen in der Schweiz, wenn überhaupt?
    Gibt es dazu Zahlen?
    Wenn man dem Problem auf den Grund gehen möchte, müsste man wohl mit diesen Fragen beginnen. Danach kann man ja immer noch den Zusammenhang mit den «sozialen Medien» prüfen, falls nötig.

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    1. Marc Wieser, 01.06.2021, 22:39 Uhr

      Schöner lässt sich Xenophobie nicht beschreiben, als Sie es mit Ihren wenigen, naiven und unbeholfenen Worten zu umschreiben versuchen. Note 1, setzen bitte.

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