Jona Studhalter und Skandar Khan treten nochmals an
  • Politik
Aufgeben? Kein Thema. Skandar Khan (links) und Jona Studhalter treten am 28. Juni erneut an. (Bild: ida)

Wahlen Luzern: Das neue Selbstbewusstsein der Jungen Jona Studhalter und Skandar Khan treten nochmals an

5 min Lesezeit 11 Kommentare 14.04.2020, 11:21 Uhr

Spannung im Rennen um den Luzerner Stadtrat: Auch Jona Studhalter (Junge Grüne) und Skandar Khan (Juso) treten im zweiten Wahlgang nochmals an. Sie wollen den Jungen eine Stimme und den Linken eine Mehrheit verschaffen. Damit buhlen am 28. Juni sechs Personen um die zwei freien Sitze im Stadtrat.

Normalerweise läuft es so: Die Kandidaten der Jungparteien für ein Exekutivamt nutzen im Wahlkampf die Plattform, um für ihre Anliegen zu werben und um für ihre Partei Stimmen zu holen. In der Regel schneiden sie am Wahlsonntag ordentlich, aber nicht überragend ab – und ziehen sich nach dem ersten Wahlgang zurück.

Nicht so 2020 in der Stadt Luzern. Die Jungen Grünen bleiben im Rennen um einen Sitz im Luzerner Stadtrat: Ihr Kandidat Jona Studhalter wird beim zweiten Wahlgang am 28. Juni nochmals antreten, wie der 24-Jährige gegenüber zentralplus bestätigt. Die Basis der Jungpartei habe diesen Entscheid gefällt.

«Unsere Forderung, dass die Jungen im Stadtrat vertreten sein müssen, ist im ersten Wahlgang auf Anklang gestossen», begründet Studhalter und verweist auf sein bemerkenswertes Resultat. Mit 7’545 Stimmen landete der Co-Präsident der Jungen Grünen Kanton Luzern Ende März hinter den bisherigen fünf und SP-Kandidatin Judith Dörflinger auf dem siebten Platz (siehe Grafik). Zugleich schaffte er den Sprung ins Stadtparlament.

Kritik an der Klimapolitik

Mit der Kandidatur für den zweiten Wahlgang wolle er bekräftigen, dass er es ernst meine, so Studhalter. Die Jungen Grünen seien überzeugt, dass es nach dem Linksrutsch im Parlament auch eine linke Mehrheit im Stadtrat brauche. «In der aktuellen Konstellation sind keine grossen Schritte in der Klimapolitik möglich.» 

«Es geht uns viel zu langsam vorwärts bei der Ökologie und dem Klimaschutz.»

Jona Studhalter, Junge Grüne

Diese Einschätzung habe auch dazu geführt, dass die Jungen Grünen – anders als vor vier Jahren – die grünliberale Stadträtin Manuela Jost nicht mehr unterstützen. «Es geht uns viel zu langsam vorwärts bei der Ökologie und dem Klimaschutz», sagt der gelernte Koch. «Der GLP fehlt zudem die Weitsicht, dass man diesbezüglich auch soziale Faktoren berücksichtigen muss.»

Juso fordert linke Mehrheit

Auch Skandar Khan, der Kandidat der Juso, tritt am 28. Juni erneut an. «Es ist Zeit, dass junge Stimmen nicht nur im Parlament, sondern auch in der Exekutive vertreten sind – damit sie das Luzern ihrer Zukunft formen können», begründet die Partei. Auch sie interpretiert das Resultat des ersten Wahlgangs als Wunsch der Bevölkerung nach einer jungen Person im Stadtrat. Khan erzielte mit rund 240 Stimmen hinter Studhalter das achtbeste Ergebnis.

Die Juso begründet ihre Motivation ähnlich wie die Jungen Grünen: «Die bürgerliche Politik von Franziska Bitzi-Staub und Manuela Jost hat den Fokus zu fest zugunsten der Wirtschaft und des Tourismus ausgelegt.» Für soziale Lösungen brauche es eine linke Mehrheit im Luzerner Stadtrat.

«Früher galten junge Stimmen als chancenlos, gemäss dem Motto: Ihr könnt mitspielen, aber am Ende machen die Erfahrenen die Arbeit.» 

Skandar Khan, Juso

Ende März noch äusserte sich Khan eher zurückhaltend, was eine erneute Kandidatur betrifft. «In den Tagen danach habe ich allerdings sehr viel Zuspruch erhalten für mein Resultat», erklärt der 21-Jährige. «Wir streben einen Wandel in der Exekutive an, um die sozialen Probleme wirksam anzugehen.»

Als konkrete Beispiele nennt er steigende Mieten, eine schwindende freie Kulturszene oder schlechte Arbeitsbedingungen in privatisierten Kitas. Gerade die unterschiedlichen Themenschwerpunkte sind für den Juso-Kandidaten ein Grund, wieso beide Jungparteien nochmals antreten statt sich auf eine gemeinsame Kandidatur zu einigen.

Auftrieb für die SP-Kandidatin

Die SP dürfte sich darüber freuen, dass es mehr als eine linke Kandidatur gibt. Wäre Judith Dörflinger «alleine» ins Rennen gestiegen, hätte wohl der eine oder andere SP- und Grüne-Wähler den Namen von Manuela Jost auf die zweite Linie geschrieben.

Das ist zwar nach wie vor möglich, leere Linien dürfte es bei den vorformulierten Wahlvorschlägen der linken Parteien aber nicht geben. Als Steigbügelhalter der SP-Kandidatin sieht sich der junge Grüne Jona Studhalter deshalb aber keineswegs. «Strategische Gründe waren für uns nicht ausschlaggebend. Wir Grünen und Jungen Grünen waren die klaren Wahlsieger am 29. März, das zeigt, dass wir die Menschen mit unseren Themen erreichen», sagt er. 

«Wenn meine Kandidatur die Chance von Judith Dörflinger erhöht, ist das bei uns natürlich mehr als willkommen.»

Jona Studhalter, Junge Grüne

Mit einem Rückstand von 1’500 Stimmen auf Manuela Jost im ersten Wahlgang sei er keineswegs chancenlos. Gleichwohl sagt er in Bezug auf Judith Dörflinger: «Wenn meine Kandidatur ihre Chance erhöht, ist das bei uns aber natürlich mehr als willkommen.»

Mit dem Wahljahr und der Klimajugend im Rücken

Die Entscheide der beiden Jungparteien sind insofern aussergewöhnlich, als dass sich ihre Kandidaten in der Vergangenheit üblicherweise nach der ersten Runde zurückzogen. Dass es 2020 anders aussieht, zeugt vom neuen Selbstbewusstsein der linken Jungparteien.

Insbesondere die Jungen Grünen haben – mit der Klimajugend im Rücken – ein erfolgreiches Wahljahr 2019 verbucht. In der Stadt Luzern werden sie künftig mit zwei Personen im Parlament vertreten sein. Die Juso, die zwar ihren einzigen Sitz im Stadtparlament verloren hat, bezeichnet sich in der Mitteilung ebenfalls als ernstzunehmende Konkurrenz. «Früher galten junge Stimmen als chancenlos, gemäss dem Motto: Ihr könnt mitspielen, aber am Ende machen die Erfahrenen die Arbeit», sagt Skandar Khan. «In der Bevölkerung ist das Vertrauen in die Jungen gewachsen.» 

Nur SVP-Kandidat zieht sich zurück

Mit dem Entscheid der Jungen Grünen und der Juso wird klar: Das Interesse an den letzten zwei freien Sitzen im Stadtrat bleibt gross. Voraussichtlich sechs Personen werden am 28. Juni das Rennen unter sich ausmachen: Franziska Bitzi (CVP), Manuela Jost (GLP), Judith Dörflinger (SP), Jona Studhalter (Junge Grüne), Skandar Khan (Juso) und Ruedi Schweizer (parteilos). Das heisst: Bis auf SVP-Kandidat Silvio Bonzanigo, der letzte Woche das Handtuch warf, werden alle nochmals antreten.

CVP und GLP mit den beiden bisherigen Stadträtinnen Franziska Bitzi Staub und Manuela Jost haben bereits die gegenseitige Unterstützung beschlossen. Trotzdem dürfte es allenfalls für die grünliberale Baudirektorin eng werden. Ein spannender zweiter Wahlgang ist jedenfalls garantiert.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

Dieser Artikel hat uns über 500 Franken gekostet. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

11 Kommentare
  1. Faktencheck, 15.04.2020, 06:42 Uhr

    Domgmatik wider der Vernunft – oder wie muss man in der gegenwärtigen Krise die Kurzsicht der links-grünen (Jung-)Politik verstehen? Die Stadt Luzern wird für das Jahr 2020 und darüber hinaus mit gravierenden Steuerausfällen zu kämpfen haben. Eine funktionierende Wirtschaft (und hier gehört der Tourismus in unserer Stadt dazu) generiert das Staatseinkommen (Steuern von Personen und Firmen), das uns Projekte im Sozialen und der Kultur erst ermöglicht! Steuererhöhung als saloppe Lösung? Von Personen die auf Jobsuche sind? Von Firmen die sich wieder erholen müssen? Exekutivarbeit ist kein Experimentierfeld ideologischer Verblendung sondern verantwortungsvolle Knochenarbeit. Damit man im ökosozialkulturellen Bereich den eingeschlagenen Weg weitergehen kann, brauchen wir in den nächsten vier+ Jahren Erfahrung und Kompetenz, besonders in Finanz- und Wirtschaftsfragen. Die nächsten Jahre gilt es haushälterisch mit den Finanzen umzugehen.

  2. ludin, 14.04.2020, 16:00 Uhr

    mit grösster wahrscheinlich: diese kandidaturen mindern die chancen der sp-kandidatin. wann lernt man endlich taktisch denken?

  3. Dunning-Kruger, 14.04.2020, 15:14 Uhr

    Da lob‘ ich mir die Plattenbausiedlung! DAS steingewordene und uniformierte Mahnmal für die Überlegenheit des Sozialismus!

    1. Peter Bitterli, 14.04.2020, 16:36 Uhr

      Herr Dunning-Kruger, ich hätte gerne auch so ein schönes Pseudonym wie Sie. Da ich so meine Vermutungen habe, was Ihre Identität angeht, möchte ich Sie bitten, mir auf elektronischem Direktweg einen Vorschlag zu machen. Ich würde dann versuchen , mich damit bei diesem Zentralplus, das urplötzlich aus Grabesruhe zu einem Forum wachgeküsst wurde, anzumelden. „Den Namen nehm ich von dir“, wie Siegmund so schön sagte. Unter lauter Nickies ist einem mit Nickname einfach wohler.

  4. Dunning-Kruger, 14.04.2020, 11:52 Uhr

    Warum sollten gerade linke WählerInnen Manuela Jost als Option für die Liste ergänzend zu Judith Dörflinger in Erwägung ziehen. Das macht ja überhaupt keinen Sinn. Jost ist ja eine durch und durch bürgerlich gepolte Politikern mit neu-pseudogrünem Anstrich. Mehr ist da nicht. Insofern sehe viel eher eine Art Polit-Kannibalismus von links/grün bei diesem Vorgehen, dass den Stimmen-Fokus spektral unnötigerweise auseinanderdividiert und so an Schub verliert. Taktisch scheint mir das nicht besonders klug und noch viel weniger durchdacht. Aber nun gut: Ich wähle auch Studhalter. Er wird sich dann dafür einsetzen, dass alle Wohnraum besetzen und for free nutzen dürfen. Schliesslich sind Hausbesetzer Leute, die vorwärts machen (sic!). Miete zahlen für was auch? Wenns doch gratis geht. Danke Jona! Das ist echt mal eine Innovation, die das Attribut revolutionär durchaus verdient hat.

    1. Peter Bitterli, 14.04.2020, 13:16 Uhr

      Machen Sie Witze? Oder wünschen Sie sich tatsächlich einen kubanischen Wohnungsmarkt, also Siff, Verfall, Kakerlaken und Pannen ohne Ende?? Dazu die in den Genossenschaften ja bereits einsetzende Korruption bei der Vergabe?

    2. Dunning-Kruger, 14.04.2020, 14:04 Uhr

      @Bitterli. Seien Sie unbesorgt, es war ein Witz. Resp. eine Persiflage auf das Statement von SR-Kandidat Studhalter. Das ging mir nämlich auch durch Mark & Bein!! Wohl PR-Stratagie um aufzufallen – nichts weiter. Als Studhalter-Antipode gebe ich nun ebenfalls eine Kostprobe, wie es auch noch heissen könnte: Diebe und Räuber sind Leute, die vorwärts machen! Sie haben das Dogma „nehmen ohne zu geben“ bereits tunlichst verinnerlicht und mittels Autosuggestion durchdringend subliminal seelisch etabliert!

    3. CScherrer, 14.04.2020, 14:15 Uhr

      @Peter Bitterli: Bitte Ihre Aussagen beweisen. Sie stellen hier unbelegbare Vermutungen an den Tag und suggerieren nur Negatives über den kubanischen Wohnungsmarkt. Vielleicht einmal zur Kenntnis nehmen, dass gewisse Vermieter vor lauter Gier den Hals nicht voll kriegen. Der Immobilienmarkt in der Schweiz ist an Perversion kaum mehr zu überbieten. Diese Tatsache verdanken wir den so genannten Immobilienmakler, welche mit fadenscheinigen Argumenten praktisch jede Immobilie überaus teuer vermieten wollen. Bei einem Durchschnittseinkommen von CHF 6’700.– sind die meisten Mietobjekte für einen Familienvater nicht mehr bezahlbar. Dafür haben wir dann seelenlose Innenstädte. All die Familienväter, welche dann irgendwo in den Vororten oder auf dem Land wohnen, donnern dann jeden Tag mit ihren geleasten Autos in die Stadt und verursachen Stau. Diese Politik ist an Sauglattismus kaum zu überbieten. Frau Jost gehört, wie sämtliche ihre alibigrünen Parteikollegen, zum Establishment. Die können sich teuren Mieten jederzeit leisten. Meisten Doppelverdiener etc. Vielleicht täte uns ein wenig mehr Sozialismus ganz gut. Genossenschaftsbauten, wie ein Himmelrich, sind gute Beispiele und die vergammeln übrigens auch nicht. Und von Korruption, Pannen und Kakerlaken kann schon gar keine Rede sein. Und wenn sie schon etwas von Korruption labern, suchen sie doch bitte bei ihren bevorzugten Parteien. Wo sitzen diese Politiker überall in den Verwaltungsräten und behindern tiefere Krankenkassenprämien, günstigere Medikamente etc.

    4. Peter Bitterli, 14.04.2020, 14:21 Uhr

      @CScherrer: Aber, es gibt ja gar keinen kubanischen Wohnungsmarkt! Das ist ja gerade das Problem. Nicht gemerkt? Reingefallen.

    5. Martin Grunder, 14.04.2020, 14:42 Uhr

      @Dunning-Kruger: Wow, welche Krönung des sprachlichen Nonsens… Das Dogma bereits tunlichst verinnerlicht und mittels Autosuggestion durchdringend subliminal seelisch etabliert? Glücklicherweise drückt sich Studhalter dann doch noch etwas verständlicher aus.

    6. Dunning-Kruger, 14.04.2020, 14:54 Uhr

      @Grunder: Da haben wir zielsicher bereits ein weiteres Merkmal heutiger Politik erkannt: Infantilisierung und Simplifizierung. Warum führen wir nicht direkt Neusprech und Doppeldenk oder von mir aus Doppelplusdenk ein Herr Grunder. Wäre Ihnen das einfach und verständlich genug?

Abonniere den Newsletter

Und erhalte unsere Post ganz nach Deinen Bedürfnissen und Wünschen: Täglich oder wöchentlich.