Jetzt will die Luzerner Männerregierung eine Frauenquote
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«Frauen an die Spitze»: Mit diesen Worten gingen am Frauenstreik des 14. Juni 2019 schweizweit Frauen auf die Strassen. (Bild: ida)

52 Luzerner Unternehmen betroffen Jetzt will die Luzerner Männerregierung eine Frauenquote

2 min Lesezeit 12 Kommentare 10.08.2021, 05:00 Uhr

Mindestens 30 Prozent Frauen: Die Luzerner Männerregierung will künftig in den strategischen Leitungsgremien von Unternehmen, die der Kanton mitfinanziert, eine Frauenquote. Handlungsbedarf gibt’s vielerorts.

Eine Frauenquote soll her: Die Luzerner Regierung hat die sogenannte kantonale Beteiligungsstrategie überarbeitet. Neu will sie in Betrieben, an denen der Kanton beteiligt ist, Gremien, in denen mindestens 30 Prozent Frauen sitzen. Halten sich die Unternehmen nicht daran, so müssen sie dies begründen. Zu diesen Betrieben gehören etwa die Luzerner Kantonsspital AG, die Luzerner Kantonalbank oder die Universität Luzern.

Dass die bürgerliche Männerregierung die Unternehmen in die Pflicht nimmt, kommt nicht von ungefähr. 2018 hat der Luzerner Kantonsrat eine 30-Prozent-Frauenquote in den entsprechenden Gremien beschlossen. Den Antrag zur Beteiligungsstrategie 2018 stellte SP-Kantonsrätin Ylfete Fanaj. Diese Beteiligungsstrategie wird aber nur alle vier Jahre überarbeitet – das ist der Grund, weswegen die Regierung erst jetzt das überarbeitete Papier dem Kantonsrat zur Genehmigung vorlegt.

Kanton ist an 52 Unternehmen beteiligt

Dass eine Frauenquote nötig ist, zeigen Zahlen der Regierung auf eine Anfrage von GLP-Kantonsrätin Ursula Berset. Mit dieser wollte sie in Erfahrung bringen, wie es um die Diversität in Verwaltungsräten und Leitungsgremien steht, die der Regierungsrat besetzt.

Zurzeit ist der Kanton Luzern an 52 Organisationen beteiligt. Fünf neue Beteiligungen sind in den letzten Jahren dazugekommen wie beispielsweise das Sozialversicherungszentrum WAS Wirtschaft Arbeit Soziales.

Fast überall gibt’s beim Frauenanteil in Gremien Nachholbedarf

In der nun vorliegenden Antwort führt die Regierung den Frauenanteil derjenigen 17 Organisationen auf, an denen der Kanton eine Mehrheitsbeteiligung hat. Das heisst: Organisationen, an denen der Kanton über 50 Prozent des Kapitals oder der Stimmrechte besitzt.

Fast die Hälfte der 17 Unternehmen erfüllen derzeit die neue Forderung: Beispielsweise hat das Luzerner Kantonsspital in den obersten strategischen Leitungsgremien einen Frauenanteil von 33,3 Prozent. Wenig überraschend ist der Frauenanteil in Gremien sozialer Institutionen relativ hoch beziehungsweise sind Mann und Frau etwa zu gleichen Teilen vertreten – bei der Stiftung Brändi liegt der Frauenanteil bei 41,7 Prozent, bei der Stiftung für Schwerbehinderte SSBL gar bei 44,7 Prozent.

Über die Bücher müssten gemäss den Zahlen die Luzerner Kantonalbank mit einem Frauenanteil von 22,2 Prozent oder die Pädagogische Hochschule Luzern (28,6 Prozent).

Diversität ist wichtig, aber nicht alles

Geht's um die Wahl von Mitgliedern in Gremien, so erarbeitet das zuständige kantonale Departement mit dem entsprechenden Leitungsorgan ein Anforderungsprofil, wie die Regierung ausführt. Wichtig für dieses sind insbesondere Fachkompetenzen, Führungserfahrungen – oder wie zeitlich flexibel eine Person ist. Aber auch Kriterien zur Diversität wie Alter, Geschlecht oder Branchenkenntnisse spielen eine Rolle.

Externe Fachstellen, die auf Diversität spezialisiert sind, werden im Selektionsprozess nicht systematisch beigezogen. In bestimmten Fällen komme dies aber vor, erläutert die Regierung. Auch wenn Diversität «ein wichtiges Kriterium» für die Regierung sei, werde dieses Kriterium nicht höher gewichtet als die übrigen. «In erster Linie verfolgt unser Rat bei der Wahl von Mitgliedern in strategischen Leitungsgremien das Ziel, die richtige Person für die auszuübende Funktion zu gewinnen», heisst es dazu.

Kantonsrat wird im Oktober beraten

Die neue Beteiligungsstrategie, die ab 2022 gelten soll, enthält neu auch klimapolitische Ziele. In diesem Punkt orientiert sich die Regierung am kantonalen Klima-Bericht, der «die Stossrichtung vorgeben soll» (zentralplus berichtete).

Die Regierung will, dass die Organisationen aufzeigen, mit welchen Massnahmen sie das Ziel der Klimaneutralität erreichen wollen. Sei dies in Form eines Klimaberichts oder anhand eines entsprechenden Abschnittes im Geschäftsbericht. Der Kantonsrat wird nun in der Session vom Oktober über die Beteiligungsstrategie beraten.

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12 Kommentare
  1. Paul, 10.08.2021, 16:35 Uhr

    Quoten ?!? Bitte ! Fähige personen sind gefragt welches geschlecht such immer! Auf die qualität kommts an! Nicht aufs geschlecht! Er sie es egal

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  2. Andrea Sasha Kim Frauermann, 10.08.2021, 11:25 Uhr

    Erstaundlicherweise wird die Frauenquote selten bei Berufen im Bau oder ind der Entsorgung gefordert. Ausschliesslich Bürojobs scheinen betroffen. Ich glaube es bräuchte mehr Frauen auch in technischen und Handwerklichen Berufen.
    Ich weiss das dieser Kommentar nicht auf die Quote bezüglich den dem Kanton angegliederten Organisationen betrifft aber ich wollte den Gedankengang mal loswerden.
    Weiter müsste doch auch besprochen werden wie für typische «Frauenberufe» (u.a. Pflege, Pädagogik, Betreuung) mehr Männer gewonen werden könnten?

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    1. Marc Wieser, 10.08.2021, 16:55 Uhr

      Wichtiges Thema. Die Ursache ist imho in der immer noch klischierten Sozialisierung der westlichen Gesellschaft zu suchen. Es ist z.B. empirisch nachgewiesen, dass es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern betreffend der Eignung für naturwissenschaftliche oder mathematische Themen gibt. Trotzdem sind an Universitäten und Hochschulen die männlichen Azubis in diesen Themenbereichen massiv über vertreten. Daraus schliesse ich, dass es viel mit Neigungen zu tun hat. Und die werden antrainiert, von klein auf. Ähnlich dürfte es sich mit handwerklichen Tätigkeiten verhalten. Mal abgesehen von den rein physischen Gegebenheiten, welche natürlich auf dem Bau gegeben sein müssen.

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  3. remo.genzoli, 10.08.2021, 08:11 Uhr

    Wendet der Regierungsrat nun auch bei sich diese Frauenquote an, oder ist das einfach nur Wasser predigen und selber Wein trinken?

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    1. Marc Wieser, 10.08.2021, 09:02 Uhr

      Sprechen Sie eine Geschlechtsumwandlung an? Oder möchten Sie dem Stimmvolk bei der Wahl der Regierungsmitglieder eine Quote aufdrücken? Wie stellen Sie sich dieses Wahlprozedere vor?

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    2. Michel von der Schwand, 10.08.2021, 09:08 Uhr

      Liegt eigentlich nicht am Regierungsrat sondern an den Parteien, welche nicht in der Lage sind, Frauen zu portieren. Mit grösster Wahrscheinlichkeit haben die Parteien einfach Angst einen Sitz in der Regierung zu verlieren. Ergo liegt es am Wähler, der die Männer und nicht die Frauen wählt.

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    3. Andrea Sasha Kim Frauermann, 10.08.2021, 11:26 Uhr

      Quotenfrauenanteil auf den Wahllisten?

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    4. Dunning-Kruger, 10.08.2021, 11:52 Uhr

      Schwachsinn. Die Grünen haben ja mit K. Bärtsch eine Frau portiert!

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      1. Michel von der Schwand, 10.08.2021, 12:30 Uhr

        Somit haben nur die Grünen eine qualifzierte Frau für den Regierungsrat. Ein Armutzeugnis für die bürgerlichen Parteien.

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      2. Moos Tablette, 10.08.2021, 13:11 Uhr

        @MvdS – Ich bezweifle jedoch stark, dass K. Bärtsch qualifiziert ist.

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      3. Michel von der Schwand, 10.08.2021, 13:38 Uhr

        @Moos Tablette: Sie sprechen Frau Bärtsch die Qualifikation für das Amt ab? Wie kommen Sie darauf? Kennen Sie den Werdegang von Frau Bärtsch? Kennen Sie die Qualifikationen von Frau Bärtsch? Bin gespannt.

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      4. Michel von der Schwand, 11.08.2021, 15:25 Uhr

        @Moos Tablette: Bin weiter gespannt. Aber vermutlich kommt da nichts mehr von Ihnen. Was zu vermuten war.

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