Jetzt versucht sich die Luzerner Kirche als Paartherapeut
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Immer weniger Paare lassen sich im Kanton Luzern kirchlich trauen. (Bild: Natalie Boo/AURA)

Events zur Beziehungspflege Jetzt versucht sich die Luzerner Kirche als Paartherapeut

5 min Lesezeit 4 Kommentare 15.08.2021, 17:17 Uhr

Die katholische Kirche führt im Kanton Luzern immer wieder Events durch, an denen Paare lernen sollen, an ihrer Beziehung zu arbeiten. Sei das in einem Kanu oder bei einem Date im Weinberg. Wir haben nachgefragt, um was es dabei geht.

«Das Date im Weinberg» oder «Gemeinsam im Boot – als Paar unterwegs»: Die Katholische Kirche im Kanton Luzern hat in letzter Zeit Angebote speziell für Paare geschaffen. So wird beim Date im Weinberg zu einem sinnlichen Abend geladen, an dem man sich und sein Gegenüber neu entdecken solle.

Paare erhalten dabei Impulse, um ins Gespräch zu kommen. Sie bekommen Paarzeit, unterhalten sich spazierend und schreiben ihre Gedanken auf Notizzettel. Mit diesen füllen sie anschliessend eine leere Weinflasche. Eine Art «Liebestrunk», wie Theologe Thomas Villiger sagt, der den Event organisiert hat.

So sieht die Weinflasche aus, welche Paare beim Date im Weinberg mit ihren Gedanken gefüllt haben.

Beim anderen Event setzt sich ein Paar zu zweit in ein Kanu und macht die Erfahrung: Wer übernimmt das Steuer, wer paddelt? Finden sie ein gemeinsames Tempo? Dabei im Zentrum: als Paar miteinander zu kommunizieren.

An einer Beziehung arbeiten – und sie nicht hinschmeissen

Beziehung und Wein: eine gute Kombination. Das steht bereits in der Bibel: «Süsser als Wein ist deine Liebe», heisst es darin etwa. «Und das zeigt, wie kostbar die Liebe ist. Und die Sprache über den Wein ist der Sprache der Liebe sehr ähnlich», sagt Thomas Villiger. Er ist bei der Katholischen Kirche des Kantons Luzern für den Bereich Partnerschaft, Ehe und Familie verantwortlich. Gemeinsam mit Hildegard Pfäffli Murer, Psychologin und Mitarbeiterin der «e.l.b.e», der Fachstelle für Lebensberatung sowie mit dem Weinbauerehepaar Inès und Thomas Bisang hat er «Das Date im Weinberg» gemeinsam organisiert und mitgestaltet.

«Eine Beziehung wird mit zunehmendem Alter köstlicher, sie gewinnt an Charakter.»

Thomas Villiger

«Eine Beziehung ist immer ein Weg, den man gemeinsam geht, ein Prozess», so Villiger. «Genauso, wie sich edler Wein mit den Jahren entwickelt: Er verliert ein Stück Ecken und Kanten, wird reifer und runder. So kann es eben auch mit einer Beziehung sein. Sie wird mit zunehmendem Alter köstlicher, gewinnt an Charakter.»

Nicht nur Hochzeitsfeste feiern

Versucht sich die Kirche nun als Beziehungstherapeut? Villiger lacht. Einen therapeutischen Hintergedanken hätte die Kirche dabei nicht. Er sagt: «Die Kirche sollte nicht nur mit Paaren Hochzeiten und Trauungen feiern. Sondern sie soll auch Räume öffnen für Momente des Innehaltens, wo sich Paare bewusster werden, was ihnen in der Beziehung gelungen ist, was sie ‹süffig› köstlich macht und nährt. Solche Gelegenheiten zu schaffen für Menschen und Paare ist eine wichtige und wertvolle Aufgabe der Kirche.» Viel zu oft würden Menschen nur dann über die Beziehung sprechen, wenn es kriselt. Und viel zu wenig dann, wenn man glücklich ist und darüber spricht, was einen stärkt.

Beziehungspflege und Kirche, das passt zusammen: Will ein Paar heiraten, so führen alle mit dem Seelsorger ein Vorbereitungsgespräch durch. Die Katholische Kirche im Kanton Luzern bietet zusammen mit der Kirche im Kanton Zug zudem Ehevorbereitungskurse an. In diesen geht es unter anderem um gegenseitige Vorstellungen und Erwartungen in Beziehungen, zwischenmenschliche Kommunikation – aber auch um «die Kraft und den Sinn» der kirchlichen Trauung.

Theologe Thomas Villiger ist bei der Katholischen Kirche des Kantons Luzern für den Bereich Partnerschaft, Ehe und Familie verantwortlich.

Auch gleichgeschlechtliche Paare sind willkommen

Und mit zusätzlichen Events will die Katholische Kirche des Kantons Luzern nun also auch Paaren dabei helfen, Beziehungen zu vertiefen und stärken. Beim «Date im Weinberg» machen sich Paare mit Fragen zu den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer auf den Weg durch den Weinberg. Es sind die vier Elemente, die wichtig sind, damit der Wein reifen kann. Und eben auch für eine Beziehung: Paare haben Zeit für sich, um zu zweit darüber ins Gespräch zu kommen, was ihnen Boden und Wurzelkraft und Luft gibt.

«Kirche findet nicht nur in der Kirche hinter Mauern statt. Sie setzt sich auch ein für die Gemeinschaft.»

Thomas Villiger

Und eben auch, was ihnen das «Feuer», die Leidenschaft in ihrer Beziehung bedeutet: also ihre Sexualität. Willkommen sind alle Paare – ob frisch vermählt, seit Jahren verheiratet oder gleichgeschlechtliche Paare. Das ist Villiger wichtig: «All das, was ich im Zusammenhang mit Paaren sage: Da sind gleichgeschlechtliche Paare genauso mit gemeint.»

Ehe für alle: Reformierte Kirche bezieht Stellung – katholische Kirche noch offen

Derzeit ist der Abstimmungskampf für die «Ehe für alle» in vollem Gange – auch in Luzern (zentralplus berichtete). Wie steht die Katholische Kirche im Kanton Luzern dazu, hat sie sich bereits positioniert? Thomas Villiger verweist an die Kommunikationsstelle, die am Wochenende nicht erreichbar war.

Wie die «Luzerner Zeitung» letzte Woche berichtete, ist die Stellung der römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Luzern noch offen. Der Synodalrat tage erst nach den Sommerferien wieder. Hingegen hat die reformierte Landeskirche des Kantons Luzern bereits klar Stellung bezogen. Als erste in der Schweiz haben sie die Segnung für nicht verheiratete Paare und explizit auch für gleichgeschlechtliche Paare eingeführt. Vor Gott und dem Gesetz sollen alle Menschen gleich sein, wird Synodalratspräsidentin Lilian Bachmann zitiert. «Die Gleichstellung aller Menschen – auch bei der Ehe – ist ein Menschenrecht.»

Immer weniger Paare lassen sich kirchlich trauen

Villiger findet es wichtig, dass die Kirche auch nach aussen, zu den Menschen geht. «Kirche findet nicht nur in der Kirche hinter Mauern statt. Sie setzt sich auch ein für die Gemeinschaft. Angebote wie das ‹Date im Weinberg› oder ‹gemeinsam im Boot› tragen dazu bei, dass Beziehungen tragfähig bleiben und insofern leisten auch die Kirchen einen wesentlichen Beitrag zu einer tragenden Gesellschaft.»

Klingt fast nach einem Lockversuch, mehr Paare in die Kirche zu bringen. Denn Fakt ist: Immer weniger schreiten vor den Altar, immer weniger sagen das Jawort vor Gott. Liessen sich 2012 in einer katholischen Kirche noch 505 Paare trauen, waren es 2019 nur noch 324 Paare. Im Corona-Jahr 2020 gar nur noch 234 Paare. Das zeigen Zahlen des Schweizerischen Pastoral­soziologischen Instituts (SPI) in St. Gallen.

«Uns geht es nicht darum, mit solchen Angeboten mehr Paare in die Kirche zu locken», sagt Villiger. Auch die Zahlen beunruhigen ihn nicht. «Ich höre von vielen Paaren, dass sie sehr wohl auf der Suche sind nach einer für sie stimmigen Feier. Sie fragen immer auch wieder nach dem Segen für ihren gemeinsamen Weg. Darin finde sie Vertrauen und Tiefe. Sie erhoffen sich Stärkung und in die Zeit zu zweit begleitet zu werden. Paare wollen sich mehr einbringen in der Vorbereitung. Sie möchten eine Feier, in der sie inhaltlich vorkommen. Sie wollen nicht 08/15 feiern.» Und dafür nehmen sich die Paare viel Zeit. «Und das ist etwas unglaublich Wertvolles: Paarzeit – Zeit zu zweit»

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4 Kommentare
  1. Michel von der Schwand, 17.08.2021, 13:04 Uhr

    Vielleicht müsste man der katholischen Kirche mal erklären, dass die Ehe lediglich die Weiterführung des Zölibats mit anderen Mitteln ist.

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  2. Josef Beder, 17.08.2021, 04:27 Uhr

    Was für Klischees über die Liebe im Alter, die ihre Ecken und Kanten verlieren und immer runder werden soll … Offenbar ist der Kath. Kirche die Realität auch in Sache Ehe im Alter komplett verlorengegangen.

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  3. Marga, 16.08.2021, 12:27 Uhr

    Schuster, bleib bei deinen Leisten!

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  4. Kasimir Pfyffer, 15.08.2021, 21:23 Uhr

    «Und die Sprache über den Wein ist der Sprache Liebe sehr ähnlich» Aua, meine Ohren. Sollte wohl eher heissen «das Sprechen über den Wein» und «das Sprechen über die Liebe». Nun ja, den Abgang oder die Geschmacksnuancen (Rost, Laub, Asche) wird er hoffentlich nicht gemeint haben. Aber vielleicht das Terroir?

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