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Jetzt verkommt der Rigi-Knatsch zur Schlammschlacht
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Sein Verhalten wird rund um die Rigi längst nicht mehr überall goutiert: Rigi-Bewohner René Stettler. (Bild: Bildmontage bic )

Einheimische haben genug von der ewigen Kritik Jetzt verkommt der Rigi-Knatsch zur Schlammschlacht

5 Min 1 Kommentar 09.03.2019, 15:30 Uhr

René Stettler kämpft an vorderster Front gegen die geplanten Entwicklungen auf der Rigi und stellt die ausgehandelte Charta in Frage. Bei den Rigi-Bahnen stösst dies auf Unverständnis. Doch sie sind längst nicht die Einzigen, die von Stettlers Verhalten genug haben. 

Es waren happige Vorwürfe, die der Rigi-Bewohner René Stettler am Donnerstag an die Rigi-Bahnen AG richtete. Sie würden die Bevölkerung bewusst im Unklaren darüber lassen, wie sie sich die nächsten Schritte bei der Entwicklung auf dem Berg vorstellen, schrieb er in einer Mitteilung.

Insbesondere die Auswirkungen der geplanten Gondelbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad würde man verschleiern. Doch diese Pläne bedeuteten laut Stettler immense Schäden an der Natur, da eine grosse Schneise in den Wald geschlagen werden müsste (zentralplus berichtete).

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«Sind dabei, die beste Lösung zu finden»

Nun kontert Karl Bucher, Verwaltungsratspräsident der Rigi-Bahnen die Vorwürfe. «Es kann keine Rede davon sein, dass wir die Bevölkerung nicht über das Gondelbahnprojekt informieren.» Denn am 28. Mai finde eine öffentliche Informationsveranstaltung zum Stand des Projektes statt.

Und weiter: «Bis dahin laufen weitere Gespräche und Abklärungen mit allen betroffenen Behörden auf Stufe Gemeinde, Kanton und Bund sowie mit allen involvierten Natur-, Landschafts- und Umweltschutzorganisationen. Dabei geht es darum, die beste Lösung betreffend Streckenführung, Tal- und Bergstation zu finden», erklärt Bucher.

Austausch führte zu Anpassungen

In seinem Schreiben hatte Projektgegner Stettler den Rigi-Bahnen weiter unterstellt, dass diese vorhandene Visualisierungen und Pläne vorsätzlich unter Verschluss halten würden, um eine Diskussion zu umgehen. VR-Präsident Bucher stellt klar: «Die Rigi-Bahnen haben im Laufe der geschilderten Entwicklungsarbeiten diverse Planunterlagen und auch Visualisierungen erstellen lassen, die als Gesprächsgrundlage mit den erwähnten Behörden und Verbänden dienten.»

Doch der Austausch habe dazu geführt, dass die ursprüngliche Strecke abgeändert wurde, sagt Bucher, weshalb die Visualisierungen nicht mehr aktuell seien. Die geplante Seilbahnstrecke beziehungsweise das geplante Profil sei auf Basis der Rückmeldungen laufend optimiert und angepasst worden. «Darauf basierend erfolgten auch Gespräche mit den betroffenen Grundeigentümern, was wiederum zu weiteren Anpassungen und Optimierungen führte», ergänzt Bucher.

«Die im Text getätigten Aussagen entsprechen in keiner Art und Weise dem aktuellen Planungsstand.»

Karl Bucher, VR-Präsident Rigi Bahnen AG

Denn man wisse um die grosse Bedeutung der Rigi, die als Ganzes im Bundesinventar für schützenswerte Landschaften steht und darum zu Recht besonderen Schutz geniesse. «Die Auflagen für die Realisierung einer Bahn sind entsprechend hoch und deren Einhaltung wird bis auf Bundesebene von verschiedenen Behörden und Organisationen genauestens kontrolliert.» Damit stellt Bucher die Kritik Stettlers als haltlos dar.

Und er beschwichtigt: «Sobald die Planung der Streckenführung abgeschlossen ist und alle Direktbetroffenen davon Kenntnis haben, werden wieder neue, dem aktuellen Projektstand entsprechende Visualisierungen erstellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.»

Jetzt hagelt es Kritik an Stettler

Neben der Verteidigung des Vorgehens der Rigi-Bahnen richtet der VR-Präsident seinerseits Kritik an René Stettler: «Die im Text getätigten Aussagen betreffend Schneise, Schutzwald und Rodung entsprechen in keiner Art und Weise dem aktuellen Planungsstand.» Korrekt sei einzig, dass die angedachte Seilführung im Bereich Müseren eine höhere Stütze zur Folge hat, so Bucher. Dies um die Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten.

«Die Rigi-Bahnen sind daran, die bestmögliche Lösung zu erarbeiten und diese auch realisieren», betont Bucher. Dies alles im Einklang mit den Grundsätzen der Rigi-Charta 2030, zu denen man stehe (zentralplus berichtete). «Die Rigi-Bahnen befinden sich im Dialog mit allen Organisationen, die die Werte der Charta 2030 verantwortungsvoll mittragen und einen Beitrag zum guten Gelingen leisten», bekräftig Bucher.

«Auch unsere Leser regen sich langsam auf.»

Gallus Bucher, Redaktionsleiter «Wochenzeitung Vitznau»

Und Bucher legt nach: Dass der Streit überhaupt so weit gedeihen konnte, sei auf das Verhalten Stettlers zurückzuführen. «Herr Stettler war von Anfang an bei allen Gesprächen und den Sitzungen der Arbeitsgruppe zur Rigi Charta 2030 beteiligt. Entgegen seiner unterschriftlich getätigten Zusage zum finalen Entwurf hat er diese noch vor deren Unterzeichnung aber wiederholt öffentlich heftig kritisiert», moniert Bucher.

Damit wiederholt Bucher die Aussage, welche er im Dezember gegenüber zentralplus machte (zentralplus berichtete). «Es ist schwierig, einen konstruktiven Dialog zu führen, wenn die andere Seite nach jedem Treffen mit umfassenden Forderungen an die Medien tritt und den erreichten Kompromiss infrage stellt.»

Somit habe sich Stettler selber aus der Arbeitsgruppe und der Rigi-Charta 2030 verabschiedet und verfolge mit seinen öffentlichen Vorwürfen und Unterstellungen eine eigene, persönliche Agenda, auf die man seitens der Rigi-Bahnen nicht weiter eingehen werde.

Auch die Lokalzeitung hat genug

Die Verantwortlichen scheinen des Knatsches also mittlerweile überdrüssig zu sein. Und dabei sind sie nicht die Einzigen. Genug von Stettlers Vorgehen hat man auch bei der «Vitznauer Wochenzeitung», wo wiederholt umfassende Leserbriefe des Bahngegners abgedruckt wurden. «Erst im Dezember haben wir zwei ganze Seiten damit gefüllt», sagt Redaktionsleiter Gallus Bucher.

Man habe Stettler deutlich gemacht, dass man dies in Zukunft nicht mehr tun werde. Ausser er werde sich jeweils kurzfassen. «Das Angebot, einen von uns gekürzten Text abzudrucken, hatte Herr Stettler unlängst jedoch abgeleht», erinnert sich Bucher.

«Auch unsere Leser regen sich langsam auf», sagt Bucher hörbar enerviert. «Wir bringen daher längst nicht mehr alles von Herrn Stettler und wollen künftig selber recherchieren.» Dies habe auch damit zu tun, dass Stettler in seinen Schreiben nicht davor zurückschrecke, einzelne Personen persönlich anzugreifen, was man nicht länger tolerieren könne.

Stettler will unbeirrt weitermachen

Manövriert sich Stettler also ins Abseits und schadet mit seinem Vorgehen seiner eigenen Glaubwürdigkeit und letztlich seiner Sache? «Nein, diese Bedenken teile ich nicht», zeigt sich Stettler unbeirrt. Denn man könne ihn leicht zur Projektionsfläche machen, obwohl er auf zahlreiche Mitstreiter aus Politik, Wissenschaft und Kultur zählen könne, die seine Kritik teilen würden.

Zur Erinnerung: Stettlers Petition «Nein! zu Rigi Disneyland» haben rund 3’500 Personen unterzeichnet. Seit seinem Schreiben vom Donnerstag habe er erneut Zuschriften von verschiedensten Leuten erhalten, die ihn in seiner Haltung stärkten. «Wiederholte Kritik ist heute dringend notwendig, auch wenn es Menschen gibt, die davon nichts hören möchten», sagt Stettler. Denn nur so könne verhindert werden, dass der Berg infolge des Massentourismus immer mehr verkomme.

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1 Kommentare
  1. Michel Ebinger, 10.03.2019, 12:06 Uhr

    Selbst wenn René Stettler übertreibt, er hält den Finger auf den wunden Punkt und deshalb wird nun zur üblichen Waffe gegriffen, man versucht ihn auf persönlicher Ebene an zu greifen und so vom Problem abzulenken!