Jetzt sagt Zug den Lärmposern den Kampf an
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Sie sind schnell und vor allem laut: die Lärmposer. (Bild: Adobe Stock)

Mehr Personal für mehr Kontrollen Jetzt sagt Zug den Lärmposern den Kampf an

3 min Lesezeit 8 Kommentare 16.03.2021, 16:37 Uhr

Mehr Polizisten, mehr Kontrollen, neue Messgeräte: Der Kanton Zug will diese Saison Jagd auf die Autoposer machen. Rechtlich gesehen ist das einfacher gesagt als getan. Zudem werden Bussen von der Szene in Kauf genommen – ohne mit der Wimper zu zucken.

Der englische Begriff «Misfit» lässt sich mit den Begriffen «Unangepasst» oder «Aussenseiter» übersetzen. Unter diesem einigermassen polemischen Aktionsnamen geht die Zuger Polizei seit rund zehn Jahren gegen alle Arten des Lärmposings vor. Früher hat die Szene gerne die Luftfilter entfernt, um den Motor «kerniger» tönen zu lassen. Heute sind es raffinierte Abgassysteme mit elektronischen Schaltungen oder verdeckte Installationen an der Abgasanlage, die den Lärm verursachen.

Diese Erkenntnisse stammen aus der Antwort der Zuger Regierung auf eine ALG-Interpellation zum Autoposing und übermässigem Motorenlärm in Zug. Die Regierung gibt darin Einblicke dazu, wie man dieses Jahr gegen die Lärmposer vorgehen will.

Mehr Personal für mehr Kontrollen

Gemäss der Regierung setzt die Zuger Polizei 2021 einen Schwerpunkt bei der Bekämpfung des Autoposer-Phänomens. Bekanntlich werden unnötig herumfahrende und lärmende Autos und Motorräder meist nur bei schönem Wetter gesichtet – und vor allem gehört.

Besonders betroffen ist die Innenstadt von Zug. Der Schwerpunkt liegt auf der Baarerstrasse und den Ausfallachsen in Richtung Baar und Cham. Die Kontrollen entlang dieser Strecken sollen «intensiviert» werden, wie die Regierung schreibt. Zudem verstärke sich die Verkehrspolizei zu diesem Zweck auch personell und hat vor, technisch aufzurüsten.

Tückische Messung des Lärms

Das mit der technischen Aufrüstung ist dann aber so eine Sache. Die Zuger Polizei kann Lärmgrenzwerte auf der Strasse zurzeit nicht erfassen. Dies, weil Lärmemissionen nur aussagekräftig gemessen werden können, wenn ein Fahrzeug in einem definierten Abstand unter Ausblendung von Neben- und Störgeräuschen mit einer definierten Drehzahl an einem Messgerät vorbeifährt.

«Verlässliche Instrumente für den Einsatz auf der Strasse existieren heute noch nicht», schreibt die Regierung. Allerdings stehe die Zuger Polizei mit Herstellern in Kontakt, die solche Geräte entwickeln, und werde eine Anschaffung prüfen. In der Praxis sind solche Anlagen etwa in London allerdings bereits im Einsatz (zentralplus berichtete).

Keine Angst vor Bussen

Die Polizei hat aber dennoch eine Handhabe beim Umgang mit dem Lärmposing. Wer in flagranti dabei erwischt wird, wie er seinen Motor unnötig aufröhren lässt, muss mit einer Busse rechnen. Bei wem unerlaubte Manipulationen am Auspuff festgestellt werden, dem droht im Extremfall die Beschlagnahmung des Gefährts.

Die ALG wollte von der Regierung wissen, wie «nachhaltig» sich die zu befürchtenden Konsequenzen auf das Verhalten der Lärmposer auswirken. «Es besteht der Eindruck, dass die Verkehrsbussen, das Vorführen des Fahrzeugs beim Strassenverkehrsamt und die Gebühren häufig in Kauf genommen werden», schreibt die Regierung dazu.

Eine erzieherische Wirkung ist also kaum festzustellen. «Einschneidender wirken härtere Massnahmen wie das Einziehen des Fahrausweises und der Kontrollschilder sowie die Sicherstellung und Beschlagnahmung des Fahrzeuges», so die Regierung weiter.

Keine aktive Szene in Zug

Letztlich steht die Frage im Raum, wie gross das Problem im Kanton Zug eigentlich ist. Der Polizei ist bewusst, dass in den Nachbarkantonen Zürich und Aargau teils organisiert Szenen oder zumindest lose verbundene Autoposing-Szenen bestehen. Im Kanton Zug ist hingegen aktuell keine aktive Szene bekannt. «Die Zuger Polizei geht davon aus, dass es sich um Einzelne oder sich zufällig treffende Fahrzeuglenkende handelt», so die Regierung.

Stattdessen spekuliert man darauf, dass der Lockdown im Frühling – und die damit verbundene Mobilitätsreduktion – dazu geführt haben, dass den Anwohnern der Strassenlärm stärker auffällt als in der Vergangenheit. Wie dem auch sei: Die Aktion «Misfit» wird diesen Sommer offenbar einen Gang hochschalten.

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8 Kommentare
  1. Marc Spezzi, 20.03.2021, 10:13 Uhr

    Am besten in der Siedlung Röhrliberg Cham anfangen, Poser Terror 24/7 seit Jahren Bereich Röhrliberg 4 sowie 30. Auch 30er Zone interessiert keinen

  2. Daniela, 19.03.2021, 15:01 Uhr

    Das ist unbedingt notwendig….Aber bitte nicht nur Alibi-Bussen, welche am Ziel vorbeischiessen.
    Fürs Lärmposing braucht es keine aktive Szene um aktiv zu sein – die Art der Autos sind meiner Meinung nach das Problem! Mir persönlich fällt es besonders in der Stadt Zug auf, in deren Zentrum ich arbeite. Das Problem scheint mir hier massiver als beispielsweise in Luzern, wo ich vorher tätig war. Die Boliden sind viel präsenter. Die Belästigung durch «Einzelne» ist enorm, nicht mal nur durch den Lärm, sondern auch die Raserei (siehe gerade und wunderbar übersichtliche Poststrasse).

  3. Hans Peter Roth, 17.03.2021, 15:25 Uhr

    Es wäre allzu schön, wenn die Zuger Polizei endlich gegen die zahlreichen Autorowdys (Lärm und Geschwindigkeit) aktiv werden würde. Die Autos und Motorräder mit abgeänderten, lärmorientierten technischen Anlagen sind auch ohne High-Tech-Messgeräte erkennbar. Dazu besitzt mensch ein Gehör, dass Lärm zwar subjektiv misst, aber diesen als übertrieben oder unzumutbar qualifizieren kann. Zum Beispiel: Motoren, die ich durch die geschlossenen, dreifach verglasten Fenster rumpeln höre, sind unzumutbar und gehören beschlagnahmt. Motoren, die ich auf dem Balkon noch in einem Radius von 500m höre, sind unzumutbar und gehören beschlagnahmt. Die Poser müssen in flagranti angehalten und kontrolliert werden, da modernes Tuning den Ausbau oder das Ausschalten der Lärmanlage ermöglicht, wenn die Lärmmonster erst auf Vorladung bei der Motorfahrzeugkontrolle geprüft werden. Als State of the Art der motorisierten Mobilität verweise ich auf die nahezu unhörbaren Elektromotoren. Lärm ist in starkem Masse gesundheitsgefährdend. Es gibt keinen Grund mehr, diesen nun massiv zu bekämpfen. Der Kanton Zug hat bisher wenig in diese Richtung unternommen, bestellte er doch kürzlich noch neue Dieselbusse für den ÖV.

  4. transit, 16.03.2021, 22:19 Uhr

    Warum schreibt man eigentlich nur immer von Zug oder Zugs Innenstadt? Diese Lärmverursacher «erfreuen» schon längst den gesamten Kanton. In Steinhausen z.B.geht, ab Abzweigung ins Zentrum Richtung Knonau, oft die Post ab und das bis weit in die Nacht hinein. Das wird in anderen Ortschaften kaum anders sein, Mehr Polizeipräsenz gegen diese Poser wünschen sich jede Menge Bürger – vielleicht klappt es dieses Jahr besser.

  5. Gery Blum, 16.03.2021, 20:53 Uhr

    Vielleicht hat Zug keine aktive Szene, was auch immer das sein soll. Dafür regelmässig bei mir vorbei fahrende Krachmacher. Das reicht mir vollauf. Wird Zeit, dass etwas dagegen unternommen wird.

  6. Patrick Weibel, 16.03.2021, 17:09 Uhr

    Der zweitletzte Abschnitt sagt alles: Keine aktive Szene in Zug. Somit gibts für die Polizei null Handlungsbedarf. Den Grünen gehts sowieso nicht um den Lärm, sondern um die Boliden und deren (angeblich) reiche Besitzer. Letztlich also um Neid und Umerziehung.

    1. digiradio, 16.03.2021, 21:59 Uhr

      Endlich setzt jetzt also auch die Zuger Polizei diesem Treiben ein Ende. Mit Missgunst und Neid, wie Herr Weibel hier meint, hat der Unmut von uns Anwohnern überhaupt nichts zu tun. Viel mehr ist es diese Respektlosigkeit, mit welcher die meist spätpubertierenden Lenker versuchen, etwas Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – zu Lasten von uns Stadtbewohnern. Und es sind auch nicht die Halter von besonders luxuriösen Sportwagen, welche hier am meisten auffallen. Nicht selten dürften die Lärmeskapaden von geleasten Fahrzeugen stammen. Jedenfalls sorgen diese Horden auch ohne organisierte Szene täglich für unnötigen Lärm.

    2. Hans Peter Roth, 17.03.2021, 15:44 Uhr

      @ Patrick Weibel: So ein Quatsch! Nicht alles ist wahr, was die Polizei behauptet. Es gibt auch im Kanton Zug eine gut vernetzte Poser-Szene, die sich auf Parkplätzen oder vor Tuning-Garagen sammelt, um von da zu Lärm-Rallys durch die Innenstädte aufzubrechen. Die Besitzer dieser Lärmmonster sind meistens verschuldete Kleinkreditler mit starken Minderwertigkeitskomplexen, die sich nur mit Lärmorgien aufplustern können. Reiche haben das nicht nötig, wollen nicht unnötig Aufmerksamkeit auf die fragwürdigen Geldflüsse leiten, welche ihre Konten anschwellen lässt.

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