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«Jetzt müssen die Luzerner halt mit dem Plastikhaufen aus Wien leben»
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Die Entlebucher Bank auf dem Kornmarkt. (Bild: zvg)

Bank-Guerilla-Aktion aus Entlebuch kam schlecht an «Jetzt müssen die Luzerner halt mit dem Plastikhaufen aus Wien leben»

3 min Lesezeit 1 Kommentar 30.09.2017, 08:31 Uhr

Und plötzlich gesellt sich zu den Testmöbeln auf dem Kornmarkt eine Entlebucher Bank. Die Stadt ist gar nicht erfreut, die Entlebucher nehmen’s mit Humor. Aber lesen Sie selbst.

Auf dem Kornmarkt und anderen Plätzen testet die Stadt Luzern derzeit verschiedene neue Sitzmöbel (zentralplus berichtete). Das Thema scheint die Leute bis ins Entlebuch zu beschäftigen: Seit Freitag gesellt sich zu den farbigen und ausgefallenen Testmöbeln eine profane Sitzbank mit einer Entlebucher Fahne daneben.

Diese Guerilla-Aktion sieht man bei der Stadt Luzern nicht gern. Per Mail forderte eine Verantwortliche von Stadtraum und Veranstaltungen die Verantwortlichen dazu auf, die Bank umgehend wieder zu entfernen. «Jede Benützung von öffentlichem Grund, welche über den Gemeingebrauch hinausgeht, ist bewilligungspflichtig», schrieb die Stadt an die Entlebucher. Weitere verwaltungsrechtliche Massnahmen würden zur gegebener Zeit geprüft, heisst es weiter trocken.

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Ein Mail an den Stapi

Theo Schnider, Direktor von Biosphäre Entlebuch, ist gleichermassen irritiert wie erfreut. Er schreibt am Freitag in einer Mail an Stadtpräsident Beat Züsli, die zentralplus auch vorliegt: «Wir haben uns natürlich darüber gefreut, dass die Stadtverwaltung diese Aktion bemerkt und registriert hat.»

Das «beigefügte Tatbestand Foto» dokumentiert laut Schnider «die buchstäbliche Bequemlichkeit und der herausragende Stil der Entlebucher Holzbank». Die Bank sei zu einem überwiegenden Teil aus regionalen Ressourcen hergestellt.

Testgelände Kornmarkt: Der Holzring links und das «Plastikbänkchen» werden schon rege genutzt.

Und so sehen die offiziellen Testmöbel auf dem Kornmarkt aus.

(Bild: mbe.)

Gestalter statt Verwalter

Die Kritik an den von der Stadt vorgeschlagenen Sitzmöbeln sei so gross, dass die Entlebucher nicht mehr hätten zuschauen können, schreibt Schnider: «An unserem Agieren erkennen Sie, sehr geehrter Herr Stadtpräsident, dass wir Gestalter, nicht aber Verwalter sind.»

Weiter schreibt er durchaus ironisch: «Wir haben uns nicht vorgängig untertänig-obrigkeitsgläubig um eine mit Flächenangaben und Einsatzdauer versehene verwaltungsrechtliche Bewilligung gekümmert, sondern intuitiv, schlagfertig, ja vielleicht etwas überfallmässig gehandelt.»

Mit dem «Bank-Überfall» wolle man der schönen Stadt Luzern vielmehr eine echte Alternative zeigen zu den «improvisierten Willisauer-Ringlis aus Zürich und dem orangenen Plastikhaufen aus Wien». Er fordert den Stapi dazu auf, das Entlebucher Sitzmöbel zu testen und den Vorschlag spontan in die Onlineumfrage aufzunehmen.

Und weg ist es

Den Räumungsbefehl ignoriert man im Entlebuch übrigens: «Sie haben sicher Verständnis dafür, dass wir uns frühestens nächste Woche um die Zukunft der Entlebucher Bank am Kornmarkt kümmern können.»

Nachdem einige Passanten das unerwartete Bänkli testen konnte, hat es die Luzerner Stadtverwaltung verbannt. Es stehe nun im ersten Stock des Innenhofes bei der Stadtverwaltung an der Winkelriedstrasse 12a, lassen die Entlebucher verlauten, und finden das so gar nicht humorvoll.

«Schade, dass die Verwaltung den Luzernern unseren Möbilierungsvorschlag mit allen Mitteln vorenthalten will. Jetzt müssen die Luzerner halt mit dem improvisierten Willisauerringli aus Zürich und dem Plastikhaufen aus Wien leben», finden diese.

Das Entlebucher Bänkli wurde mittlerweile in den ersten Stock der Stadtverwaltung verbannt.

Das Entlebucher Bänkli wurde mittlerweile in den ersten Stock der Stadtverwaltung verbannt.

(Bild: zVg)

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1 Kommentare
  1. Gallus Beatus Ineichen, 30.09.2017, 11:27 Uhr

    Schade! Ich wünschte den Verantwortlichen mehr Verständnis für die Ironie der Sache, und eine Prise Selbstironie. Ein Musterbeispiel für den Stadt-Land-Unterschied mit riesigem Interpretationsspielraum: abhanden gekommene Bodenhaftung der Stadtmenschen, Irritabilität von Verwaltungsangestellten, die weite Suche nach dem Nahen, um nur einige zu nennen.