«Jetzt mache ich keine Plastiken mehr! Jetzt zeichne ich nur noch!»
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Vielseitiges Interesse am unbekannten Zeichnungsschatz (Bild: vba)

Führung durch die Werke des Chamers Fritz Roth «Jetzt mache ich keine Plastiken mehr! Jetzt zeichne ich nur noch!»

3 min Lesezeit 21.09.2020, 11:54 Uhr

In der Herbstausstellung im Kunsthaus Zug sind Werke von regionalen Kunstschaffenden und internationalen Künstlern, die sich in ihren Arbeiten auf Zug beziehen, zu finden. Viele werden im Rahmen der Ausstellung «BeZug» zum ersten Mal präsentiert, so auch die zeichnerischen Werke des Chamers Fritz Roth.

Nach der Vernissage der Herbstausstellung «BeZug» mit rund 370 Besuchern fand am letzten Wochenende nun eine Führung durch die zeichnerischen Werke von Fritz Roth (1945–2016) statt.

Der Chamer ist bekannt für seine Holzskulpturen, von denen drei Exemplare im Obergeschoss des Kunsthauses zu sehen sind. Die Arbeit als Bildhauer fordert nicht nur viel Konzentration und Fingerfertigkeit, sondern auch einiges an Muskelkraft. Mit zunehmendem Alter entschied er sich daher, sich auf eine seiner anderen Leidenschaften zu fokussieren – das Zeichnen.

Unbekannter Zeichnungsschatz des bekannten Bildhauers

Die zeichnerischen Werke von Fritz Roth waren zu dessen Lebzeiten beinahe unbekannt und nun ist der grösste Ausstellungsraum mit der lange unbeachteten Kunst bestückt. Eine Auswahl aus der vielfältigen Sammlung von Roths Werken sind in ihrem Entstehen chronologisch geordnet an den vier Wänden des Raums arrangiert.

Alle seine Zeichnungen sind ohne Rahmen, ohne Glasscheibe mit kleinen Nägeln direkt an der weissen Wand angebracht. «Diese simple Weise der Montage passt gegenwärtig zur Interpretation der Werke. In ein paar Jahren sind die Bilder vielleicht hinter Glas und mit einem dicken Goldrahmen versehen, damit der Wert der Bilder deutlich erkennbar ist», so der Sammlungskurator Marco Obrist.

Ist dies Kunst?

Keine Ölfarbe auf Leinwand, sondern Tusche, Kugelschreiber und Sprayfarbe auf grösseren und kleineren Papierformaten. Fritz Roth habe gerne mit einfachen, günstigen und in der Bildhauerwerkstatt bereits vorhandenen Hilfsmitteln gearbeitet, so seine langjährige Partnerin Monika Lang. Es entstanden Zeichnungen mit Maschendrahtzaun, schwingenden Senkblei-Pendeln oder einer einfachen Spritze.

«Roth war kein Freund von Entscheidungen, weshalb er Zeichnungsmethoden entwickelte, die ihm einen Teil der Gestaltungsfreiheit abnahmen und ihn in eine Richtung lenkten. Auf dem Weg zu den Kunstwerken ist er auch viel gescheitert», so Monika Lang. Die misslungenen Versuche bleiben den Besuchern jedoch verborgen.

Marco Obrist und Monika Lang im Gespräch über die Maschendraht-Zeichnungen. (Bild: vba)

Vielfalt auf kleinem Raum

Jede Werkgruppe aus der Sammlung hat eine eigene Handschrift, die sich in der nächsten Gruppierung nicht wiedererkennen lässt. Wo in der Auswahl der Bilder aus den 70er-Jahren viele Striche dominieren, nimmt die Komplexität der Bilder bis in die 00er-Jahre immer mehr ab. Ob dies mit dem zunehmenden Alter des Künstlers zusammenhängt, bleibt unklar.

Die Besucherinnen liessen sich bei der Führung von der Vielfalt der Bilder begeistern und die Definition der persönlichen Lieblinge ist überraschend vielseitig.

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