Jetzt geht das Ringen um den Bypass erst richtig los
  • Regionales Leben
Durch den Bypass würde die Ein-/Ausfahrt zum Sonnenbergtunnel doppelt so breit. Deshalb fordert Kriens eine Überdeckelung dieses Abschnitts. (Bild: iPhoto)

Die Einsprachefrist ist abgelaufen Jetzt geht das Ringen um den Bypass erst richtig los

3 min Lesezeit 1 Kommentar 07.07.2020, 11:00 Uhr

Die Pläne des Milliardenprojekts lagen einen Monat lang öffentlich auf. Nun ist die Einsprachefrist abgelaufen. Jetzt zeigt sich, um welche Ecken des Bypasses besonders hart gekämpft wird.

Dass es Einsprachen gegen den Luzerner Bypass geben wird, stand zu keiner Zeit zur Diskussion. Das ist bereits bei kleinsten Strassenprojekten der Fall und bei einem veritablen Megaprojekt wie dem Luzerner Bypass eine Selbstverständlichkeit.

Davon zeugt etwa die Tatsache, dass beim Bundesamt für Strassen (Astra) kein Termin für den Baubeginn des Projektes auszumachen ist. Der angegebene Zeithorizont für das Projekt ist die nun beendete Auflage.

Dennoch: Als frühstmöglicher Starttermin für die zwölfjährige Bauphase wird allgemein das Jahr 2024 gehandelt. Ob dies realistisch ist, wird der Verlauf der Einspracheverhandlungen zeigen, die nun beginnen können.

Luzern will Verkehrskollaps vermeiden

Zwei der gewichtigsten Einsprachen stammen aus den Städten Luzern und Kriens. Luzern will mit seiner Einsprache Folgendes bewirken:

  • Verkehrskollaps vermeiden: Der Stadtrat will dafür sorgen, dass das Gesamtsystem Bypass stadt- und landschaftsverträglich umgesetzt wird, die Quartiere während der Bauzeit möglichst wenig belastet werden und die Innenstadt vom Verkehr entlastet wird.
  • Durchgehende Busspuren: Dem Stadtrat fehlen flankierende Massnahmen zur Verbesserung des öffentlichen Verkehrs während der Bauzeit und auch nach Inbetriebnahme des Bypasses. Er fordert deshalb, dass im Rahmen des Projektes durchgehende Busspuren vom Kupferhammer in Kriens bis zum Luzernerhof realisiert werden.
  • Verbesserung in Ibach: Für den Stadtrat ist der Ausbau im Bereich Ibach und der Verzweigung Rotsee ein unverhältnismässiger Eingriff in den Landschafts- und Naherholungsraum an der Reuss. Er fordert deshalb den Bund auf, den Eingriff in diesem Bereich auf ein Minimum zu reduzieren.
  • Dammgärtli schonen: Wegen eines Hilfsschachtes soll das Dammgärtli während Jahren unbenutzbar sein. Der Stadtrat fordert, dass die Beanspruchung des Dammgärtlis auf ein Minimum reduziert wird und die grosse Eiche erhalten bleibt.
  • Lüftung im Gütschwald: Der Stadtrat stellt sich nicht gegen die Notfalllüftungszentrale im Gütschwald. Er setzt sich aber für eine natur- und landschaftsverträgliche Realisierung ein und fordert, dass der Eingriff in die Landschaft minimiert wird.

Kriens will seine Vision realisieren

Die Stadt Luzern leistet Kriens zudem Schützenhilfe, indem sie die Anliegen von Kriens für eine geschlossene Autobahn im dicht besiedelten Gebiet Luzern Süd unterstützt. Das ist die zentrale Forderung der Krienser Einsprache.

Noch-Stadtpräsident Cyril Wiget schreibt: «Mit der Einsprache wollen wir nicht das Bypass-Projekt verhindern. Im Gegenteil: Wir zeigen konkrete Lösungsansätze auf, wie aus einem Autobahnprojekt ein Stadtentwicklungsprojekt gemacht werden kann.»

Konkret spricht er damit die in Kriens formulierte Vision mit dem Namen «Chance Bypass» an (zentralplus berichtete). Diese sieht eine komplette Einhausung der Autobahn zwischen Sonnenberg- und Schlund-Tunnel vor. «Wir sind uns bewusst, dass dies ein grosser Wurf wäre. Aber es könnte eben auch ein Schulbeispiel dafür sein, dass man heute Verkehrsfragen siedlungsverträglich angehen könnte», schreibt Wiget in einer Mitteilung.

Zudem pocht Kriens auch auf bessere Lösungen und mehr Mitsprache in Sachen Lärmschutz und Verkehrsführung während der Bauzeit.

Gesamtzahl der Einsprachen bleibt unklar

Selbstredend sind Luzern und Kriens nicht die einzigen Einsprecher. Bekannt ist etwa bereits die gemeinsame Einsprache der Umweltverbände WWF und VCS (zentralplus berichtete). Mit Fokus auf die Situation im Ibach dürfte die Gemeinde Emmen ebenfalls opponieren (zentralplus berichtete).

Wie viele Einsprachen insgesamt gegen das Projekt eingegangen sind, ist derzeit noch unklar. Massgebend ist das Datum des Poststempels, spätestens der 7. Juli. Erst Ende Woche sollte der Bund eine Übersicht der eingereichten Einsprachen haben, wie es auf Anfrage heisst.

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1 Kommentare
  1. Philipp, 07.07.2020, 12:40 Uhr

    Langsam verlieren die komplett Ihren Verstand. Eine Überdachung des Portals ist ja nachvollziehbar und würde ich unterstützen. Aber eine durchgehende Busspur vom Kupferhammer bis Luzernerhof ist absoluter Blödsinn. Auf einem grossen Teil, namentlich Paulusplatz bis Bahnhof, ist bereits eine Busspur vorhanden. Wenn man jedoch vom Kupferhammer bis Paulusplatz auch noch eine Fahrspur opfert, gibt es einen Verkehrschaos sondergleichen. Man ignoriert offensichtliche, dass man mit dieser Busspur massive Rückstaus bis auf die Autobahn und Kriens erzeugt. Und eine Busspur vom Bahnhof bis Luzernerhof würde bedeuten dass man auf der Seebrücke, wohlgemerkt die Hauptverkehrachse von Luzern, auch nur noch 1 Spur für Autos hat. Auch dies würde zum Kollaps führen. Es wird Zeit dass man realisiert dass man als Stadt nicht nur wachsen und wachsen kann ohne mehr Fläche für den öffentlichen Verkehr UND den Individualverkehr zur Verfügung zu stellen. Dies betrifft Kriens und Luzern zu gleichen Teilen. Man hat es in der Vergangenheit schlichtweg verpasst alternativen zu realisieren. Ein Strassennetz das gebaut wurde vor fast 100 Jahren, kann einfach nicht genügend sein wenn sich gleichzeitig die Bevölkerungszahl um 30-40% erhöht. Es ist absolut illusorisch zu denken dass alle den ÖV benutzen wollen und insbesondere können. Das betrifft Privatpersonen und speziell die Wirtschaft die auf funktionierendes Strassennetz für den Individualverkehr angewiesen ist.

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