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Jazz Festival Willisau: Schamanen und Schlagzeug
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  • Rezension

Festival voller musikalischer Überraschungen Jazz Festival Willisau: Schamanen und Schlagzeug

2 min Lesezeit 31.08.2019, 17:55 Uhr

Einmal jährlich wird die Kleinstadt Willisau zum Treffpunkt für musikalische Überraschungen. Der Freitagabend zeigte: Auch nach 45 Ausgaben überzeugen Programm und Ambiente des prestigeträchtigen Festivals. 

Ein bärtiger Mann mit Beret zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Hinter einem Wagen, ausgestattet mit Espressotassenhaltern und einem Herd brüht er Carajillo, die spanische Art von «Kafi mit Schuss». Er hält einen Löffel mit Zucker über den brennenden Bourbon in der Pfanne, bis er sich in braune Flüssigkeit verwandelt. Alchemistisch wirkt die Live-show der Braukunst und wird mit dem schwungvollen Eingiessen des Kaffees aus einer Bialetti in den Zaubertrank vollendet. Unerwartet und witzig ist er das i-Tüpfchen des Jazz Festivals Willisau.

Avantgardistischer Schamanismus

Das Ambiente stimmt also an der 45. Ausgabe des renommierten Festivals – Zeit, sich der Musik hinzugeben. Der Einstieg ins Konzert von MR. Schütz & the Paradox hört sich wie ein Voiceover begleitet von Hintergrundmusik an. Gleich anfangs des zweiten Stücks singt Improvisator und Komponist, und neuerdings Leadsänger Martin Schütz: «Have you ever considered how invisible we are to each other?» Verführerisch folgt man Schütz’ Stimme, bis die ganze Band plötzlich mit voller Wucht mit einer Art schamanischer Rockmusik einsetzt. Der Wechsel ist mitreissend, zieht einen während des ganzen Konzerts in ihren Bann.

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Jazz Festival Willisau

Klassisch bombastisch

Dann folgt der Hauptact: Makaya McCraven. Er und seine Band sind aus Chicago, da erwartet man eine klassische Jazzperformance. Doch McCraven und Musiker sind viel mehr als das. Von Trompete über Bass zu Schlagzeug und Klavier: Die Verbindung zwischen intensiven Solos und dem Aufbau zu einem wilden, aber doch harmonischen Zusammenspiel gelingt.

Auch wenn die Band gemeinsam eine grossartige Performance hinlegt: Makaya McCraven, Schlagzeuger und Produzent des vorgeführten Albums «Universal beings», stielt allen die Show. Er spielt das Konzert wie in einem Atemzug durch und lässt unaufhörlich seine Drumsticks über Trommel und Hi-Hat fliegen. Nicht einmal fällt der Drummer aus dem Takt, besonders sein anfängliches Solo beim Lied «Atlantic Black» bleibt in Erinnerung.

Für das Jazzfestival nach Willisau zu fahren lohnt sich also nur schon für das Ambiente, doch sollte man die Konzerte auf keinen Fall verpassen. Die Auswahl der Künstler*innen  am Jazzfestival überzeugt auch in der 45. Ausgabe.

Hannah Göldi

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit null41.ch, dem Onlineblog von «041 – Das Kulturmagazin» entstanden und kann auch hier gelesen werden.

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