Jan Kovar: «Ich verspüre kein grosses Bedürfnis, in die KHL zu wechseln»
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Die überragende Figur des EVZ in der bisherigen Saison: Topskorer Jan Kovar. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Musik in den Ohren der EVZ-Fans Jan Kovar: «Ich verspüre kein grosses Bedürfnis, in die KHL zu wechseln»

7 min Lesezeit 12.04.2021, 05:01 Uhr

Eine Qualifikation mit Bestwert des EV Zug und ein herausragender Ausnahmekönner: Der tschechische Spielgestalter Jan Kovar (31) hat die Zuger leistungsmässig auf ein höheres Niveau geführt. Ein Gespräch über seine Familie, seine berufliche Zukunft und die ihm eigene Fähigkeit, seine Sturmpartner besser zu machen.

Der 31-jährige Center besticht als bester Vorlagengeber (47 Assists) und Topskorer (63 Punkte) der höchsten Schweizer Liga und wurde am Ende der Qualifikation von den Captains und Coaches zum wertvollsten Spieler gewählt.

Seit der Saison 2019/20 begeistert der tschechische Nationalspieler die Eishockeyfans in der Schweiz. Jan Kovar weiss, wie Playoffs erfolgreich zu bestreiten sind, wurde er doch einmal tschechischer Champion mit dem HC Pilsen (2013) und zweimal KHL-Meister mit Metallurg Magnitogorsk (2014 und 2016).

Nun strebt er mit seinem dritten Arbeitgeber nach meisterlichen Ehren.

zentralplus: Dobrý den Jan Kovar. (Guten Tag Jan Kovar). Leider sind damit meine tschechischen Sprachkenntnisse bereits erschöpft. Wie sieht es eigentlich mit Ihren Deutschkenntnissen aus? Sprechen Sie schon etwas Deutsch?

Jan Kovar: Ich habe in der Schule etwas Deutsch gelernt. Das ist allerdings schon eine Weile her. Ich versuche, es wieder etwas aufzufrischen. Aber es ist nicht einfach.

zentralplus: Hatten Sie die letzten Tage um und nach Ostern etwas Gelegenheit, Zeit mit Ihrer Familie zu geniessen?

Kovar: Ja, das war schön. Schade war nur, dass das Wetter nicht so recht mitmachen wollte. Irgendwie war es ironisch; so lange wir Spiele bestritten über Ostern, wäre das Wetter angenehm sonnig und warm gewesen. Als wir dann ein paar Tage frei und etwas Zeit gehabt hätten, war es wieder kalt und winterlich, es schneite ja sogar. Nichtsdestotrotz, es ist schön, etwas zu Hause zu bleiben mit der Familie. Ich liebe das und ich weiss, meine Familie schätzt das. Für sie ist es auch manchmal nicht so einfach. In einem anderen Land, ohne die Freunde und den Rest der Familie, wie Grosseltern und so weiter. Deshalb bin ich sehr glücklich, wenn ich etwas Zeit mit ihnen verbringen kann.

zentralplus: Sind Ihre Söhne auch interessiert an Eishockey?

Kovar: Oh ja, das sind sie, beide! Mein einjähriger Sohn ist natürlich noch etwas klein. Aber der ältere, 4-Jährige, wacht jeweils am Morgen auf, schnappt sich sofort ein paar Stöcke und beginnt zu spielen (strahlt).

«Mit Sicherheit kann ich nur sagen, dass ich eher hier bleiben werde.»

zentralplus: Eine Frage, die ganz offensichtlich viele Fans und andere Leute im Umkreis des EVZ umtreibt ist die, ob Jan Kovar nächste Saison immer noch in Zug spielen wird?

Kovar: Wir werden sehen. Ich kann nicht zu hundert Prozent sagen, dass ich bleiben werde. Mit Sicherheit kann ich nur sagen, dass ich eher hier bleiben werde. In den heutigen Zeiten ist es sehr schwer zu sagen, was als nächstes passiert, deshalb will ich nicht etwas Endgültiges dazu sagen.

zentralplus: Es ist ja selbstredend, dass Ihre herausragenden Leistungen Begehrlichkeiten und Interesse wecken. Ein gutdotiertes Angebot aus der KHL, vielleicht aus einer schönen Stadt wie St. Petersburg, könnte durchaus reizvoll sein?

Kovar: Ich mag nicht über irgendwelche Teams reden. Im Laufe der letzten zwei Jahre, seit ich hier bin, habe ich fast ständig Angebote von anderen Clubs erhalten.  Sie haben schon recht; es ist keine Überraschung, dass Interesse vorhanden ist. Aber es ist in Tat und Wahrheit nicht so, dass ich meinerseits ein grosses Bedürfnis danach verspüre, zurück in die KHL zu wechseln.

zentralplus: Hier in Zug hoffen freilich alle, dass Sie bleiben. Denn Sie haben eine überragende Saison gezeigt, sowohl Einzelspieler wie auch der EVZ als Mannschaft. Was, denken Sie, war der Schlüssel zum bisherigen Erfolg?

«Es geht darum, dass wir das Beste aus dem ganzen Team herausgeholt haben.»

Kovar: Der gelungene Start in die Saison hat uns geholfen. Gleich zu Beginn der Saison haben wir viele Partien gewonnen. Das gab uns Vertrauen. Dann haben wir weiter hart gearbeitet, um während der gesamten Saison die Spiele für uns zu entscheiden und uns so das nötige Rüstzeug zu holen für die Playoffs. Wenn Sie sehen, wie viele Punkte wir erzielt haben, dann liegt das auch daran, dass zahlreichen Spielern eine bessere Saison gelungen ist als letztes Jahr. Es geht nicht um mich und darum, dass ich eine Menge Punkte gesammelt habe. Es geht darum, dass wir das Beste aus dem ganzen Team herausgeholt haben.

zentralplus: Dennoch lässt es sich nicht von der Hand weisen, dass Ihnen persönlich eine grossartige Saison gelungen ist. Sie haben ein exzellentes Auge für das Spielgeschehen und für Ihre Mitspieler, Sie spielen brillante Pässe und, was am meisten beeindruckt: Wer auch immer mit Ihnen in einer Sturmreihe spielt, scheint ein besserer Spieler zu werden. Wie das?

Kovar: Es ist nicht einfach so, dass ich die Spieler besser mache. Jeder braucht einmal etwas Hilfe von jemand anderem. Mir ging es auch schon so, wenn ich nicht gut gespielt habe. Dann brauchst Du jemanden, der dir hilft, wieder Vertrauen zu fassen. Sonst verkrampfst du dich und je mehr du versuchst, wieder auf dein Level zu kommen, desto schwieriger wird es. Manchmal ist weniger mehr.

zentralplus: Das tönt nach purem Understatement.

Kovar: Ich würde nicht sagen, dass es mein Ziel ist, der Spieler zu sein, der anderen hilft, ihr Selbstvertrauen zurückzuerlangen. Aber ich verstehe, dass es manchmal einfacher ist, zurück zu kommen, wenn dir jemand hilft. Auch ich brauchte während dieser Saison die Hilfe meiner Partner, denn auch ich spiele nicht in jeder Partie grossartig. Als wir beispielsweise Fribourg 6:3 schlugen, hatte ich eine Minus-3-Bilanz. Wann immer ich im Puckbesitz war, schien es gleich wieder in die falsche Richtung zu gehen. Aber am Ende gewannen wir das Spiel dennoch 6:3.

zentralplus: Sie sind der Ligatopskorer, haben unglaubliche 47 Assists gegeben und nach Abschluss der Qualifikation haben die Captains und Coaches der Liga Sie zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt. Was bedeutet Ihnen das?

«Diese Auszeichnung ist vermutlich höher einzustufen als der Topskorer der Liga zu sein.»

Kovar: Viel. Das schätze ich sehr. Denn diese Auszeichnung kommt von Spielern, gegen die du spielst. Und ich bin vermutlich nicht gerade der Spieler, gegen den alle anderen gerne spielen. Das ist etwas Spezielles für mich. Es ist vermutlich höher einzustufen als der Topskorer der Liga zu sein.

zentralplus: Auch als Team ist Ihnen ja eine beeindruckende Rekordsaison gelungen. Sie haben mit 119 Punkten eine deutliche Bestmarke aufgestellt.

Kovar: Ja, das ist exzellent. Aber wir können uns nichts davon kaufen, dass wir die Regular Season gewonnen haben. Die Playoffs werden ganz anders und es zählt letztlich nur, was du am Ende der Saison erreichst. Sicher haben wir bisher viele gute Dinge gemacht. Wir waren auch taktisch exzellent in einigen Spielen, in denen wir viele Tore gegen Spielende erzielen konnten, quasi in letzter Minute. Insofern, ja, bisher ist es eine grossartige Rekordsaison. Aber die Qualifikationsphase ist nun vorbei und wir müssen einen weiteren Schritt machen und auch besser spielen als bisher.

zentralplus: Dem Team gelangen effektiv auffällig viele Tore zur Entscheidung in den letzten Dritteln, gegen Ende der Spiele. Wo sehen Sie den Grund dafür? Welche Rolle spielen dabei der Coaching Staff, das Training, vielleicht die Infrastruktur mit dem neuen OYM? Wie ordnen Sie das ein?

«Wenn es uns gelingt, unser bestes Spiel aufzuziehen, wird es für jeden Gegner schwer, uns zu schlagen.»

Kovar: Ich denke, es ist die Kombination aus allen Faktoren. Besonders wichtig dabei scheint mir dabei die Einstellung und die Mentalität zu sein und dieses Vertrauen, an dem wir gearbeitet und das wir kontinuierlich aufgebaut haben. Dadurch geben wir uns immer eine Chance auf den Sieg, selbst wenn wir kein perfektes Spiel zeigen. Dieses Vertrauen und das Wissen wird uns auch in den Playoffs helfen.

zentralplus: Zweifellos wird Ihnen dieses grosse Selbstvertrauen in den Playoffs hilfreich sein. Nun haben Sie am Donnerstag mit der unmittelbaren Trainingsvorbeitung begonnen. Worauf konzentrieren Sie und das Team sich hauptsächlich im Hinblick auf die Playoffs?

Kovar: Wir konzentrieren uns auf uns selbst. Wenn es uns gelingt, unser bestes Spiel aufzuziehen, wird es für jeden Gegner schwer, uns zu schlagen. Daher müssen wir uns einfach auf uns selbst fokussieren.

zentralplus: Ist der EVZ bereit, diese Saison den ganzen Weg zu gehen?

Kovar: Hmm, es ist einfach zu sagen «ja». Aber es gibt so zahlreiche Faktoren. Bereits in der ersten Runde werden wir gegen ein sehr starkes Team antreten. Beide Mannschaften verfügen über sehr starke und erfahrene Spieler. Einfach wird das bestimmt nicht. Wir müssen bescheiden bleiben und unser Bestes geben, um die nächste Runde zu erreichen.

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