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Jäso: Auch dank den «Cüplitrinkern» ist der FCL erfolgreich!
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Links: So sieht der VIP-Bereich von aussen aus. Rechts: So ist die Sicht vom VIP-Bereich aufs Spielfeld. (Bild: fcl.ch)

Reportage aus dem VIP-Bereich des FCL-Stadions Jäso: Auch dank den «Cüplitrinkern» ist der FCL erfolgreich!

6 min Lesezeit 03.12.2016, 16:46 Uhr

VIP-Loge. President’s Club. Business Lounge. Nur «Cüplitrinker» seien das, schimpfen die «wahren» Fussballfans. Was viele nicht wissen: Für den FC Luzern sind die rund 800 VIP-Plätze in der Swissporarena überlebenswichtig. Auch aus sportlicher Sicht.

Logen wurden bereits vor mehreren Jahrhunderten in Theater eingebaut, damit die gutbetuchten Einwohner ungestört dem Schauspiel auf der Bühne frönen konnten. Seit etwa 20 Jahren werden nun in praktisch allen neugebauten Fussballstadien auch Plätze mit dem gewissen Etwas geplant und erstellt.

Waren es früher ein paar Wenige, welche sich einen Besuch im Theater leisten konnten, gibt es heute im Fussball für jedes Budget eine passende Gelegenheit, einen Match zu besuchen. «Wir wollten in der Swissporarena allen die Möglichkeit geben, ihren Club in einem ihren Bedürfnissen und ihrem Gusto entsprechenden Ambiente zu unterstützen», sagt Thomas Ulrich, Leiter Marketing beim FC Luzern. zentralplus hat ein Spiel in der Business Lounge mitverfolgt.

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In den oberen Etagen des FCL-Stadions stehen rund 800 teurere VIP-Plätze zur Verfügung.

In den oberen Etagen des FCL-Stadions stehen rund 800 teurere VIP-Plätze zur Verfügung.

(Bild: meienberger-photo.ch)

Kleinigkeiten sind entscheidend

Der Mehrwert der Premiumplätze beginnt vor dem Stadion: Der Parkplatz ist reserviert. «Es hat sich gezeigt, dass solche Kleinigkeiten über den Kauf des Tickets im Premium-Segment entscheiden können», so Ulrich. Ein eigener Eingang mit einem ersten freundlichen «Willkommen in der Business Lounge» sei eine weitere solche Einzelheit. Das Kribbeln eines Stadion-Besuchs steigert sich beim Gang durch das Treppenhaus, wenn man auf den lebensgrossen jubelnden Marco Schneuwly oder den dribbelnden Jahmir Hyka auf Plakaten trifft.

«Wir können für fast jedes Budget einer Firma eine entsprechende Werbe- und Networkingplattform bieten.»

Thomas Ulrich, Leiter Marketing FCL

Im zweiten Stock angekommen, zeigt sich die wahre Grösse, welche dieser Sektor hat: Er zieht sich über die gesamte Länge des Spielfeldes und löst mit seiner Glasfront gegen das Spielfeld einen «Wow»-Effekt aus. Die zwei Catering-Bereiche werden erst nach einigen Sekunden und einem Blick durch das Stadion erspäht. «Die Front wurde natürlich für die Gäste reserviert», so Ulrich.

Firmen buhlen um neue Kunden

Rund die Hälfte der Ticketingeinnahmen an einem Matchtag wird im Premium-Segment erwirtschaftet. Dass sich nicht alle Zuschauer Woche für Woche ein solches Erlebnis gönnen können, ist verständlich. Gerade die Business Lounge wird gerne von Firmen genutzt, um (potentielle) Kunden einzuladen oder Mitarbeiter zu belohnen. Davon zeugen auch die Tischsteller, welche die Namen der entsprechenden Organisationen tragen. Auch dies nicht ganz grundlos, wie Ulrich erklärt: «So können wir für fast jedes Budget einer Firma eine entsprechende Werbe- und Networkingplattform bieten. Ab und zu entwickelt sich eine solche Zusammenarbeit auch weiter, und aus einem anfänglichen Gast in der Business Lounge wird ein Werbepartner.»

Am teuersten sind übrigens die für FCL-Sponsoren und Grossfirmen gedachten Logen im 3. Obergeschoss. 150’000 Franken kostet einer der komfortablen, individuell eingerichteten Räume für eine Saison – bei einer Mindestmietdauer von drei Jahren.

Eine der Logen im VIP-Bereich der Swissporarena.

Eine der Logen im VIP-Bereich der Swissporarena.

(Bild: Fcl.ch)

Man sagt den VIP-Lounges nach, dass dort oft Geschäftsbelange diskutiert werden. Es fällt auf, dass man im Bereich der Business Lounge sehr wenige Anzugträger sieht. Auch wenn ab und zu wohl ein Vertreter mit seinem Kunden hierher kommt und dadurch ein Vertrag abgeschlossen wird, kann man nur annehmen, dass die wirklich grossen Abschlüsse eine Etage höher, in den privaten Logen oder dem President’s Club, erfolgen. Wenn aber das Firmenangebot nur bedingt überzeugt – hofft man dann bei einem Bier dennoch auf einen Geschäftsabschluss?

«Ohne die 800 Premium-Plätze könnte der FCL keine Mannschaft auf diesem Niveau unterhalten.»

Thomas Ulrich, Leiter Marketing

Auch beim Essen ist nichts dem Zufall überlassen. Die Auswahl ist gross und so kommen auch Vegetarier, Veganer oder Allergiker auf ihre Rechnung. Ein passender Wein rundet die Vor- und Hauptspeise ab. Ein weiteres kleines Detail, welches den Mehrwert dieser Plätze unterstreicht, sind die Mannschaftsaufstellungen, welche rechtzeitig vor dem Anpfiff in Papierform direkt an den Tisch gebracht werden.

Impressionen aus dem VIP-Bereich der Swissporarena.

Impressionen aus dem VIP-Bereich der Swissporarena.

(Bild: Fcl.ch)

Umsorgt und abgeschirmt

Wenn man den Fussballfan befragt, der regelmässig ins Stadion pilgert, dann würde er sagen, dass die Emotionen, der Geruch der Bratwurst und das gemeinsame Anfeuern der Mannschaft einen Besuch wirklich lohnenswert machen. Leider werden durch die Glaswand des VIP-Bereiches die anderen Zuschauer nicht gehört. Auch der Stadionspeaker, der die Mannschaftsaufstellungen verliest, und andere Ansagen oder Lieder, welche die auf den LEDs eingeblendeten Werbungen unterstützen, hört man nur sehr leise im VIP-Bereich.

Aber das kollektive «Zibung» steigert bei den meisten Fans die Vorfreude auf das Spiel. So wird man im Premiumsektor durch das Essen und die fürsorgliche Bedienung etwas von der Hauptattraktion, dem Fussballspiel, abgelenkt. So sehr, dass man zum Beispiel gar nicht feststellt, dass sich die Spieler zum Aufwärmen auf den Platz begeben haben. Schade eigentlich. Aber vermutlich ist das den Besuchern in diesem Bereich auch bewusst und die Prioritäten liegen anderswo.

Einblick in den President's Club.

Einblick in den President’s Club.

(Bild: FCL)

Während des Spiels hat man die Wahl: Man kann am Tisch sitzen bleiben, oder man begibt sich nach draussen auf bequem gepolsterte Sitze. Auch so ein kleines Detail, welches zeigt, dass das Stadion bei der Planung generell ziemlich gut durchdacht wurde. Das Dessertbuffet in der Pause sowie, falls man wirklich noch Hunger hat, eine Bratwurst nach dem Spiel runden das Angebot ab. Der Grundgedanke der «Hospitality» wird bis zum Ausgang gelebt, steht doch eine Mitarbeiterin mit einer Schere bereit, um das Eintritts-Armbändchen wieder zu entfernen.

Verschwenderisches Angebot

Unser Essen war ausgezeichnet. Was auffiel: Das Buffet wurde ständig nachgefüllt. Auch wurden die bereitgestellten Bratwürste bei unserem Besuch kaum gegessen – was geschieht danach mit all den Esswaren? Vielleicht wäre es besser, wenn ein Koch die Bratwurst vor den Augen des Kunden braten würde, was auch weniger weggeworfene Lebensmittel zur Folge hätte. VIP-Zone und Food Waste – hier gibt es also noch Luft nach oben.

Übersicht über die verschiedenen Steh- und Sitzplatzkategorien im FCL-Stadion:

Angebot Kapazität  Preis pro Spiel*   Zielgruppe
Stehplätze total 3000 28 Fr. Besucher mit knappem Budget, Stehplatzliebhaber

Sitzplätze total

13’100 30 bis 100 Fr. Alle

VIP: Eichhof Corner

50 190 Fr. Stehplatzbesucher, die sich etwas gönnen
VIP: Business Light 100 300 Fr. Sitzplatzbesucher, die sich etwas gönnen
VIP: Business Lounge     480 425 Fr. Firmen, die ihre Kunden zum Spiel einladen
VIP: Blue Box 50 500 Fr. Besucher, die ein kommentiertes Fussballspiel wollen
VIP: President’s Club 120 575 Fr. Besucher, die mit den FCL-Chefs plaudern möchten
VIP: Loge (kosten je 6000 Fr., mit Platz für 10 Pers. 90 600 Fr. Besucher, die unter sich bleiben wollen

* Preise für Erwachsene. Logenpreis bei Vollbelegung

Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Über den ganzen Nachmittag gesehen war es ein vorzüglicher Aufenthalt im FCL-Premium-Besucherbereich. Mit gutem Essen und einem ausgezeichneten Blick auf das Spielfeld. Durch die vielen Details erkennt man die Entwicklung der Logen seit den frühen Theatertagen bis zur Moderne. Was jedoch geblieben ist, ist das Spektakel auf dem «Parkett» – und das gefällt jedem FCL-Fan, egal, in welchem Sektor er sitzt.

Einblick in den President's Club.

Einblick in den President’s Club.

(Bild: FCL)

«Ohne die rund 800 Premium-Plätze im Stadion könnte der FCL keine Mannschaft auf diesem Niveau unterhalten», sagt Ulrich abschliessend. Das könnte dann auch heissen, dass der FCL nicht um die Europa-League-Plätze mitspielen würde, sondern gegen den Abstieg. Die Fans, welche sich gegen die Logenbesucher aussprechen, sollten diese Seite der Premiumplätze auch beachten.

Dazu geben wir das Wort gerne an Uli Hoeness weiter (absolut sehenswert!):

PS: Sie mögen den FCL? Wir auch! In unserem umfangreichen Dossier finden Sie alle Berichte über die Fans, die Mannschaft und das Stadion.

Hinweis: Mehr Bilder vom VIP-Bereich der Swissporarena finden Sie hier:

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