Jacqueline Theiler: «Ich sehe mich nicht als One-Woman-Show»
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Jacqueline Theiler möchte die Weichen für eine erfolgreiche FDP stellen. (Bild: jal)

Erhält Luzerner FDP erstmals eine Präsidentin? Jacqueline Theiler: «Ich sehe mich nicht als One-Woman-Show»

6 min Lesezeit 08.12.2019, 11:16 Uhr

Die FDP, ein Altherrenclub: Dieses Klischee will Jacqueline Theiler endgültig abstreifen. Die 38-Jährige will das Präsidium der Kantonalpartei übernehmen – als erste Frau. Im Interview sagt sie, wie sie die Partei auf Erfolgskurs trimmen will und wieso der berühmte Vater ihr als kleines Mädchen manchmal peinlich war.

Die Luzerner FDP hat ein enttäuschendes Wahljahr hinter sich. Bei den kantonalen Wahlen im Frühling büsste sie drei Mandate ein. Im Herbst verlor sie einen der beiden Nationalratssitze. Die Partei auf die Siegesstrasse zurückzubringen, dürfte kein Zuckerschlecken werden.

Jacqueline Theiler will genau das schaffen. Die 38-Jährige könnte am 14. Januar die neue – und erste – Präsidentin der Luzerner FDP werden. Die Geschäftsleitung schlägt die Stadtluzernerin als einzige Kandidatin für die Nachfolge von Markus Zenklusen vor (zentralplus berichtete).

Auch wenn sie bislang kein politisches Amt ausübte, kennt die Tochter von alt Ständerat Georges Theiler den Parteialltag. Sie war während vier Jahren Geschäftsführerin der Luzerner FDP (ebenfalls als erste Frau). Zuvor hatte sie Politikwissenschaft und Betriebswirtschaft studiert.

Heute ist sie als Kommunikationsberaterin tätig. Theiler wohnt mit ihrem Partner in der Stadt Luzern. Ihre Freizeit verbringt sie gerne mit Freunden und Familie, auf den Skiern oder in der Natur.

zentralplus: Als Parteipräsidentin arbeitet man viel und steht oft in der Kritik. Die Luzerner FDP hat zudem kein berauschendes Wahljahr hinter sich. Wieso wollen Sie sich das antun?

Jacqueline Theiler: Aus Liebe zur Partei. Mich schmerzt der Verlust bei den Wahlen, aber ich bin motiviert, gemeinsam am Karren zu ziehen und die FDP wieder auf den Erfolgsweg zurückzubringen.

zentralplus: Mit welchem Rezept?

Theiler: Wir müssen die Menschen und insbesondere unsere Wähler wieder mehr für die Politik und die liberalen Werte begeistern. Aufgrund meiner Erfahrungen als Geschäftsführerin der FDP Luzern kenne ich die Ortsparteien und die Basis sehr gut – das ist sicher ein Vorteil.

zentralplus: Wenn man die Wahlergebnisse anschaut, scheint die FDP für viele Wähler nicht mehr attraktiv zu sein.

Theiler: Zum einen dominierte die Umweltpolitik das Wahljahr. Da haben andere mehr gepunktet als die FDP, der man vorwirft, relativ spät auf den Klimazug aufgesprungen zu sein. Zum anderen gelingt es uns vielleicht zu wenig, aufzuzeigen, dass wir in anderen Themen auch stark sind. Natürlich sind wir wirtschaftsfreundlich, weil wir überzeugt sind: Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es uns allen gut. Wir sind aber auch – mit Stolz – gesellschaftsliberal und das grenzt uns ab zu anderen bürgerlichen Parteien.

«Ich werde oft gefragt: Wieso bist du in der FDP, fühlst du dich als junge Frau bei den älteren Männern wohl?»

zentralplus: Klingt nach einer modernen FDP.

Theiler: Ja, das klingt nicht nur so, wir sind eine moderne FDP (lacht).

zentralplus: Wo besteht im Kanton Luzern der grösste politische Handlungsbedarf?

Theiler: Wir müssen uns davon lossagen, dass es in unserem Kanton nur immer um die Finanzen geht. Vermeiden lässt es sich aber nicht, da sich die Wirtschaftslage verschlechtert. Kurzarbeit in einigen Luzerner Unternehmen sind Anzeichen dafür. Sicher werden auch die Themen Mobilität, Raumplanung  und Gesundheitspolitik die nächsten vier Jahre prägen. Aber ich sehe mich nicht als One-Woman-Show, die alleine bestimmt, wo es lang geht. Ich möchte gemeinsam mit einem starken Team die Schwerpunkte setzen.

zentralplus: Werden Sie am 14. Januar gewählt, wären Sie die erste Frau an der Spitze der Partei. Ständerat, Nationalrat, Regierungsrat, Fraktionspräsident, Stadtrat: Das sind bei der Luzerner FDP aktuell alles Männer. Hat die Partei ein Frauenproblem?

Theiler: Nein, und ich finde auch nicht, dass wir die Personalpolitik verschlafen hätten. Es stimmt, ich werde oft gefragt: Wieso bist Du in der FDP, fühlst Du dich als junge Frau bei den älteren Männern wohl? Aber weder Ständerat Damian Müller noch Regierungsrat Fabian Peter entsprechen diesen Klischees. Und wir haben auch viele engagierte, starke Frauen in unseren Reihen. Im Kantonsrat, in den Gemeinden wie auch in unserer Geschäftsleitung. In der Politik zu sein, braucht Mut und einen breiten Rücken – das haben Frauen genauso wie Männer. Ich hoffe natürlich, ich könnte als Parteipräsidentin auch ein Zeichen setzen.

zentralplus: Das Klima prägte dieses Jahr die politische Diskussion. Wie stehen Sie zum Kurs von Parteipräsidentin Petra Gössi?

Theiler: Man kann kritisieren, dass der Kurswechsel zu kurzfristig kam, aber die Politik von Petra Gössi ist die richtige. Ich bin überzeugt, dass liberale und pragmatische Lösungen in der Umweltpolitik langfristig zukunftweisend sein werden. Wir wollen Innovation statt Verbote. Die Schweiz war schon immer ein Land mit viel Innovationskraft. Vieles ist schon in Bewegung. Zentralschweizer Unternehmen wie die Migros, Emmi oder Galliker, die Wasserstoff-Lastwagen einsetzen, sind nur ein Beispiel dafür.

«Wir dürfen die Klimapolitik nicht einfach mit der städtischen Brille betrachten.»

zentralplus: Aber es gibt auch kritische Stimmen innerhalb der FDP, die den Kurswechsel falsch finden. Wie würden Sie als Parteipräsidentin versuchen, Ihre Schäfchen beieinander halten?

Theiler: CO2-Abgaben nach dem Verursacherprinzip einzuführen ist korrekt, so zum Beispiel die Flugticketabgabe. Auch ich bin dafür, mit einer CO2-Abgabe Anreize zugunsten des öffentlichen Verkehrs zu setzen. Der Teufel steckt immer im Detail. Gerade Luzern ist ein ländlich geprägter Kanton. Wir dürfen das Ganze nicht einfach mit der städtischen Brille betrachten. Die Lösungen müssen wirtschaftsfreundlich und sozialverträglich sein. Denn wenn die Bürger spüren, dass es zu stark ins Portemonnaie geht, sind die ganz grossen Würfe nicht möglich. Es braucht Kompromisse und kleine Schritte für einen nachhaltigen Wandel.

Jacqueline Theiler hat dieses Jahr für den Kantons- und den Nationalrat kandidiert. (Bild: zvg)

zentralplus: Die FDP predigt den Wettbewerb. Wieso nicht auch bei der Frage, wer das Parteipräsidium übernehmen soll?

Theiler: Dieser Wettbewerb ist intern gelaufen, die Findungskommission hat mit mehreren Personen Gespräche geführt und nun mich zur Wahl vorgeschlagen. Am Ende entscheiden die Delegierten.

zentralplus: Mit dem Namen Theiler ist man in der Luzerner Politik kein unbeschriebenes Blatt.

Theiler: Ja, das ist Fluch und Segen gleichzeitig (lacht).

«Ich habe als Jugendliche mit andere Werten sympathisiert, was zuhause zu politischen Diskussionen führte.»

zentralplus: Ihr Vater war Grossrat, Nationalrat und zuletzt Ständerat. Hatten Sie nie Lust zu rebellieren und zum Beispiel der Juso beizutreten?

Theiler: Als Jugendliche habe ich überhaupt nicht mit der FDP geliebäugelt, ich war auch nie bei den Jungfreisinnigen. Ich habe mit anderen Werten sympathisiert, was zuhause zu politischen Diskussionen führte. Aber mit dem Alter habe ich gemerkt, dass ich eine sehr liberale Person bin und meine Werte aus der Jugendzeit den gesellschaftsliberalen Werten der FDP entsprechen. Meine Eltern haben uns so erzogen, dass wir auf eigenen Beinen stehen und durchaus unseren eigenen Kopf haben sollen (lacht).

zentralplus: Dass Sie den Alltag eines Politikers hautnah miterlebten, hat Sie also nicht abgeschreckt?

Theiler: Naja, als junges Mädchen fand ich gewisse Dinge, die mein Vater tat, manchmal schon peinlich (schmunzeln). Ich habe erlebt, was ein politisches Amt bedeutet. Dass es nicht einfach darin besteht, kurz in den Nationalratssaal zu sitzen und ein paar mal den Abstimmungsknopf zu drücken. Es steckt viel Knochenarbeit dahinter, kann aber – oder gerade deshalb – auch sehr bereichernd sein.

zentralplus: Zum Schluss möchte ich Sie bitten, die folgenden Sätze zu beenden. Die FDP wird bei den kommunalen Wahlen nächsten Frühling …

Theiler: … als Siegerin dastehen.

zentralplus: Die FDP hat trotz der grünen Welle Anrecht auf zwei Bundesratssitze, weil …

Theiler: … eine gewisse Konstanz gegeben sein muss.

zentralplus: An der Luzerner Fasnacht trifft man mich …

Theiler: … in den Gassen Luzerns an.

zentralplus: Der schönste Ort im Kanton Luzern …

Theiler: … ist für mich der Sonnenberg. Da ich im Obergütsch aufgewachsen bin, ist er für mich nicht nur unser Hausberg, sondern auch ein Ort der Erholung, an dem ich Energie tanke und auf frische Gedanken komme.

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