«Jackpot» für Zuger Polizei
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Szene einer Razzia in Zug: Männer sitzen am Tisch und spielen illegale Glücksspiele. (Bild: Zuger Kantonspolizei)

Razzien in Zuger Clublokalen «Jackpot» für Zuger Polizei

5 min Lesezeit 25.04.2016, 10:19 Uhr

Die Meldungen haben sich gehäuft: Immer wieder informierte die Polizei über Razzien in Clublokalen und illegale Glücksspiele. Was geht in diesen Clubs tatsächlich vor sich? Und warum häufen sich die Razzien? Klar ist, dass meistens gleichzeitig gegen mehrere Gesetze verstossen wird und die Zuger Polizei auf einer Erfolgswelle reitet.

«Bei einer Razzia in einem Clublokal wurden Spielterminale, Wettcomputer und ein vierstelliger Bargeldbetrag sichergestellt.» Solche Mitteilungen der Zuger Kantonspolizei haben sich in den letzten Wochen gehäuft. Seit Januar dieses Jahres hat die Polizei bereits vier Medienmitteilungen zu illegalen Glücksspielen verschickt. Im letzten Jahr waren es insgesamt drei. Davor, also vor 2015, waren in Zug keine Verstösse gegen das Bundesgesetz betreffend Lotterien und gewerbsmässige Wetten oder das Spielbankengesetz bekannt.

Was sind illegale Glücksspiele?

Glücksspiele sind Spiele, bei denen um einen Einsatz gespielt wird und ein Geldgewinn (oder geldwerter Gewinn wie Jetons, Kredite, Punkte oder ähnliches) winkt, der aber ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt.

Folgende Handlungen sind strafbar:

  • Online-Glücksspiele anbieten / betreiben oder einen Direktzugang auf ein Online-Glücksspiel setzen
  • Glücksspielautomaten zur Verfügung stellen
  • Räumlichkeiten anbieten, Spielutensilien abgeben oder die Bank eines illegalen Spiels führen
  • ohne Konzession eine Spielbank betreiben, dafür Räume anbieten oder Spieleinrichtungen beschaffen

Wer an einem illegal organisierten Spiel teilnimmt, macht sich nicht strafbar. Der Spieler riskiert aber, dass Einsatz, Gewinn und Spielutensilien eingezogen werden. Das gilt auch für die Teilnahme an Internetglücksspielen. Als Strafen sind Bussen bis zu 500’000 Franken oder Freiheitsstrafen bis zu 5 Jahren möglich.

Ist in Zug das Glücksspielfieber ausgebrochen? Maria Chiara Saraceni, Informationsverantwortliche der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK), will nicht so recht zustimmen: «Es ist schwer zu sagen, ob es sich in Kanton Zug um einen Trend handelt. Die Zahlen variieren und es kommt auch auf die Prioritätensetzung der Polizei an.»

Ein neuer Schwerpunkt bei der Zuger Polizei

Bei der Zuger Polizei sind illegale Glücksspiele tatsächlich weit oben auf der Prioritätenliste. Aufgrund eigener Ermittlungen, aber auch dank Hinweisen sei man in Zug auf die illegalen Machenschaften gestossen, sagt Sandra Schmid, Mediensprecherin der Zuger Strafverfolgungsbehörden.

«Wir haben im letzten Jahr vermehrt festgestellt, dass in verschiedenen Clubs illegale Wettspiele angeboten werden und dort entsprechende Computerterminals aufstellt wurden.» Um diese illegalen Machenschaften zu unterbinden, habe die Zuger Polizei da einen Schwerpunkt gesetzt und in den vergangenen Monaten mehrere Kontrollen durchgeführt, so Schmid. Das erklärt die Häufung solcher Meldungen in den letzten Monaten.

Keine isolierten Einzelvergehen

Die ESBK kommt erst ins Spiel, wenn ganz klar ein Verdacht gegen illegale Glücksspiele vorliegt, so Saraceni. Oftmals würden illegale Glücksspiele aber rein zufällig aufgedeckt.

«Wenn man ein Lokal betritt, weiss man nie genau, was man antrifft.»
Maria Chiara Saraceni, Informationsbeauftragte ESBK

Die Polizei könne auch aufgrund einer Schlägerei in einem Club auf illegale Glücksspiele stossen. «Wenn man ein Lokal betritt, weiss man nie genau, was man antrifft», so Saraceni. Aber es gebe eine enge Zusammenarbeit zwischen den kantonalen Polizeistellen und der ESBK, so Saraceni.

Zufällig werden bei Razzien aber auch weitere Delikte aufgedeckt, wie Sandra Schmid erklärt: «In den betroffenen Fällen wurde konkreten Hinweisen bezüglich illegalem Glücksspiel oder illegaler Sportwetten nachgegangen. Zusätzlich haben wir jedoch noch Delikte gegen das Ausländergesetz, gegen das Arbeits- und Gastgewerbegesetz sowie im Bereich des Steuerwesens festgestellt.»

Polizei lässt sich nicht in die Karten blicken

Die erfolgreichen Razzien scheinen die Polizei hungrig gemacht zu haben: «Wir werden weiterhin in verschiedenen Lokalitäten Kontrollen durchführen und Verstösse zur Anzeige bringen», so Schmid. Auffallend ist, dass sich die meisten der kontrollierten Vereinslokale in Baar befinden. Dass Baar ein Ballungszentrum illegaler Glücksspiele sei, will Schmid aber nicht bestätigen.

Auf Anfrage sagt sie: «Neben den Lokalen in Baar wurde im April letzten Jahres auch ein Clublokal in Hünenberg kontrolliert und diesen Monat eines in Cham.» Auch dort seien illegales Glücksspiel und Sportwetten betrieben worden. «Weiter ist es so, dass in Baar die gleichen Lokale mehrmals kontrolliert wurden.» Ob es auch in Zug solche Vereinslokale gibt, will Schmid nicht sagen: «Aus ermittlungstaktischen Gründen können wir dazu keine Angaben machen.»

«Die Ermittlungen sind komplex und auch technisch anspruchsvoll.»
Sandra Schmid, Mediensprecherin der Zuger Strafverfolgungsbehörden

Auch über das Vorgehen der Polizei bei den Ermittlungen kann sich Schmid nicht äussern. «Die Ermittlungen sind komplex und auch technisch anspruchsvoll.» Über ihr genaues Vorgehen möchten sie sich aber nicht detaillierter äussern. «Die Täterschaft soll uns nicht in die Karten blicken können», erklärt Schmid.

Bei mehreren Razzien im Kanton Zug wurden Verstösse gegen das Bundesgesetz betreffend Lotterien und gewerbsmässige Wetten festgestellt.

Bei mehreren Razzien im Kanton Zug wurden Verstösse gegen das Bundesgesetz betreffend Lotterien und gewerbsmässige Wetten festgestellt.

(Bild: Zuger Kantonspolizei)

Geht der Polizei bei einer Razzia ein Anbieter solcher Glücksspiele ins Netz, folgt eine Anzeige. Schmid erklärt: «Das Anbieten solcher Glücksspiele ist strafbar. Die Betreiber der kontrollierten Clubs wurden deshalb angezeigt. Unter anderem wegen Verstössen gegen das Bundesgesetz über Glücksspiele und Spielbanken und wegen Widerhandlungen gegen das Bundesgesetz betreffend die Lotterien und gewerbsmässigen Wetten.» Sie müssen sich nun vor der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug verantworten.

Sechs der sieben Täter stammen aus dem Balkan

Auffällig ist, dass bei sechs der sieben Fälle Personen aus dem Balkan in die mutmasslichen Straftaten verwickelt sind. Ob es zwischen den einzelnen Fällen eine Verbindung gibt, will die Kantonspolizei Zug weder bestätigen noch dementieren.

Was bisher geschah:

13. April 2015: Razzia in einem Clublokal in Hünenberg

Ein 33-jähriger Kosovare steht unter Verdacht, während Monaten illegale Glücksspiele und Sportwetten organisiert zu haben. Spielterminals, Wettcomputer und mehrere tausend Franken wurden sichergestellt. Beim Eintreffen der Polizei befanden sich etwa 35 Personen in den Räumlichkeiten.

21. September 2015: Vermittler von illegalen Sportwetten in flagranti erwischt

In einer Baarer Bar wurden zwei Männer verhaftet, die im Auftrag einer serbischen Wettfirma verdeckt Spielterminals montiert und danach auf den Computern Software für verbotene Sportwetten installiert haben. Die beiden Männer aus Montenegto und Serbien waren als Touristen im Land.

30. November 2015: Glücksspiel-Razzia in Baar

In einer koordinierten Aktion gegen illegale Glücksspiele wurde in Baar ein Clublokal durchsucht. Der aus Bosnien stammende 43-jährige Betreiber steht unter Verdacht, während Monaten illegale Glücksspiele und Sportwetten organisiert zu haben. Es wurden wiederum Wettcomputer und Spielterminal gefunden. Zudem hielten sich zwei Frauen in den Räumlichkeiten auf, die keine Aufenthaltserlaubnis hatten.

27. Februar 2016: Razzia in Clublokal in Baar

Bei einer Razzia in Baar rückte ein 38-jähriger Mazedonier ins Zentrum. Er steht unter Verdacht, während Monaten illegale Glücksspiele und verbotene Sportwetten organisiert zu haben. Im Klublokal wurde zudem eine Serbin verhaftet, die ohne Bewilligung erwerbstätig war und sich ohne rechtmässige Aufenthaltserlaubnis in der Schweiz aufhält. Es wurden mehrere tausend Franken, Wettcomputer und Spielterminals sichergestellt

7. März 2016: Razzia in Clublokal in Baar

Bei einer Nachkontrolle im Klublokal des Mazedoniers in Baar wurden erneut Wettcomputer und Bargeld sichergestellt.

17. März 2016: Razzia in Clublokal in Baar

Im Clublokal eines 50-jährigen Schweizers wurden Wettcomputer, Spielterminals und ein vierstelliger Bargeldbetrag sichergestellt. Zudem nahm die Polizei zwei Serbinnen fest. Diese arbeiteten als Kellnerinnen ohne Arbeitserlaubnis und wurden des Landes verwiesen.

15. April 2016: Razzia in Vereinslokal in Cham

Ein 43-jähriger Türke wird verdächtigt, während Monaten illegale Glücksspiele und verbotene Sportwetten organisiert zu haben. Bei einer Razzia wurden mehrere Spielterminals, ein Wettcomputer und Bargeld sichergestellt.

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