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Ja zur Pilatus-Arena – Jubel beim HC Kriens
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Ein wichtiger Sieg auf dem politischen Spielfeld: Der Handballclub Kriens darf wohl bald in seine Pilatus-Arena einziehen (im Hintergrund: Das Areal auf dem Krienser Mattenhof). (Bild: Montage, bra)

Kriens bekommt seine Sporthalle Ja zur Pilatus-Arena – Jubel beim HC Kriens

8 min Lesezeit 28.02.2016, 13:04 Uhr

Euphorie bei den Krienser Handballern: Der Landverkauf für das Mattenhof-Areal im Krienser Schlund ist perfekt. Die Stadtluzerner geben ihr Ja-Wort zur multifunktionalen Sport- und Eventhalle Pilatus-Arena. Doch das Projekt könnte noch immer scheitern.

Es ist ein grosser Wurf für die Krienser Handballer und alle Indoor-Sportvereine in der Region: Das Projekt Pilatus-Arena kommt einen grossen Schritt weiter. Die Planung für die Halle mit 4000 Sitzplätzen, Kosten von 30 Millionen Franken, Platz für regionale und nationale Sportanlässe sowie Konzerte, Tagungen etc. kann in Angriff genommen werden.

Für das 13’000 Quadratmeter grosse Stadtluzerner Mattenhof-II-Areal im Krienser Schlund wurde an diesem Sonntag der Firma Eberli Sarnen AG das Kaufrecht übertragen. Die Vorlage «Pilatus-Arena» wurde mit 63,74 Prozent Ja-Stimmen gegenüber 36,26 Prozent Nein-Stimmen angenommen. Die Stimmbeteiligung lag bei 61,68 Prozent.

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Toni Bucher, Verwaltungsratspräsident der Eberli Sarnen AG, und Nick Christen, CEO des HC Kriens, freuen sich über das Resultat.

Toni Bucher, Verwaltungsratspräsident der Eberli Sarnen AG, und Nick Christen, CEO des HC Kriens, freuen sich über das Resultat.

(Bild: Beat Blättler)

18 Millionen für die Stadt

Definitiv verkauft wird aber erst, wenn ein baureifes Projekt vorliegt. Dazu hat die Eberli AG fünf Jahre Zeit. Denn ob sich die Pilatus-Arena wie vorgesehen finanzieren lässt, ist noch unklar. Wird nichts aus dem Projekt, verbleibt das Grundstück im Besitz der Stadt. Bei einem allfälligen Verkauf springen 18 Millionen Franken für die Stadt raus.

Für das Kaufrecht zahlt die Firma Eberli der Stadt pro Jahr 100’000 Franken. Kommt das Projekt nicht zustande, kann Eberli vom Kauf zurücktreten. Zusätzlich zur Multifunktions-Halle sollen auf dem Areal 40’000 Quadratmeter kommerziell genutzte Fläche entstehen – für Wohnungen, Büros und Dienstleistungen. Insgesamt würde die Überbauung 200 Millionen Franken kosten.

Finanzierung mit 80-Meter-Hochhaus

Die Pilatus-Arena soll 30 Millionen Franken kosten und mit über 20 Millionen Franken quersubventioniert werden. Und zwar, indem auf dem Areal anstatt eines 45-Meter-Hochhauses ein 80-Meter-Hochhaus erlaubt wird – dessen Mehrwert aber nur für die Saalsporthalle verwendet werden darf.

Die restlichen knapp 10 Millionen Baukosten für die Halle sollen durch Private sowie Beiträge des Kantons und des Bundes zusammenkommen. Die Stadt oder die Gemeinde Kriens sind finanziell nicht beteiligt. Offen ist, ob der Betrieb und Unterhalt der Arena kostendeckend sein werden. Betreiber der neuen Pilatus-Arena wäre eine private Gesellschaft, angeführt von Nick Christen, Projektleiter und CEO des Handballclubs HC Kriens-Luzern.

 

3D-Karte der geografischen Einbettung der Pilatus Arena.

3D-Karte der geografischen Einbettung der Pilatus Arena.

(Bild: pilatusarena.ch)


Auch für Konzerte oder, wie hier im Bild, Tennis-Länderspiele könnte die Pilatus-Arena genutzt werden.

Auch für Konzerte oder, wie hier im Bild, Tennis-Länderspiele könnte die Pilatus-Arena genutzt werden.

(Bild: zVg)

80 Meter? Keine Diskussion

Wie geht es weiter? Im Herbst 2016 soll der Gewinner des Architekturwettbewerbs feststehen, bis im Frühling 2017 die baurechtlichen Voraussetzungen geklärt sein werden, im Herbst 2017 die Baubewilligung erteilt – und im Herbst 2019 die Eröffnung der Pilatus-Arena gefeiert wird.

Dieser Zeitplan ist allerdings noch nicht in Stein gemeisselt. Wie bei einem solchen Grossprojekt üblich, werden nach der öffentlichen Auflage Einsprachen erwartet. Zur Höhe des Hochhauses gibt es dann allerdings nichts mehr zu sagen. Zonenrechtlich haben die Krienser die 80 Meter bereits abgsegnet. Und mit dem Ja der Luzerner Stimmbürger haben Einsprachen gegen einen 80-Meter-Turm nun keine Chance mehr (zentral+ berichtete). Das Krienser Parlament hat 2013 einen Artikel ins Bau- und Zonenreglement aufgenommen, wonach auf dem Areal Mattenhof II ein 80-Meter-Hochhaus gebaut werden kann, wenn auf dieser Parzelle eine öffentliche Einrichtung von regionalem Interesse gebaut wird.

Gegner-Komitee kritisiert Landverkauf

Mitte Januar wurde ein gegnerisches Komitee zur Pilatus-Arena gegründet. Der Bau der Saalsporthalle bleibe trotz Verkauf unsicher, sagen einzelne Politiker aus den Parteien der SP und der Grünen. «Gemäss Kaufrechtvertrag zwischen der Stadt und der Eberli Sarnen AG kann Eberli nach dem Kauf mit dem Grundstück machen, was sie will», so das Komitee. Um das Grundstück definitiv zu übernehmen, müsse sich Eberli lediglich dazu verpflichten, einen Architekturwettbewerb für eine Saalsporthalle durchzuführen und der Stadt eine Baubewilligung für eine solche Halle vorzulegen. Was Eberli nachher mache, sei nicht mehr in der Hand der Stadt und der Bevölkerung.

Der Verwaltungsratspräsident der Eberli Sarnen AG, Toni Bucher, kontert: «Das ist konstruierter Blödsinn. Ein anderer Bau kommt für uns nicht infrage und würde Treu und Glauben sowie dem Sinn des Vertrages ganz klar widersprechen. Der Kaufrechtsvertrag legt eindeutig fest, dass dieses nur ausgeübt werden kann, wenn das bewilligte Projekt den Bau einer multifunktionalen Halle beinhaltet.»

«Eine einmalige Chance»

Das Pro-Komitee zur Pilatus-Arena freut sich über die gewonnene Abstimmung: «Mit dem heutigen Entscheid der städtischen Stimmbevölkerung kann ein herausragendes Projekt weiter vorangetrieben und konkretisiert werden, auf das Sportbegeisterte und Vereine der Zentralschweiz seit über 20 Jahren warten. Die Bevölkerung hat mit ihrem Ja zur Pilatus-Arena die einmalige Chance ergriffen, den Weg für eine solche Halle mit nationaler Ausstrahlung freizumachen.»

Die Stadt Luzern habe gezeigt, dass sie daran interessiert sei, regionale Anliegen zu unterstützen und über die Gemeindegrenzen hinaus zusammenzuarbeiten. «Die Pilatus-Arena ist ein weiteres Mosaikstück für Luzern Süd, das regionale Wertschöpfung für unsere Wirtschaft generieren wird.» Das Komitee wird vertreten durch Daniel Furrer, Grossstadtrat SP Luzern, Marcel Lingg, Grossstadtrat SVP Luzern, Markus Mächler, Grossstadtrat CVP Luzern, András Özvegyi, Grossstadtrat GLP Luzern, und René Peter, Grossstadtrat FDP Luzern.

Mit Hochdruch an die Realisation

«Wir freuen uns riesig über das tolle Ergebnis», sagt Nick Christen, Initiant der Pilatus-Arena und CEO der HC Kriens-Luzern AG. «Wir danken der Bevölkerung und allen, die sich engagiert haben, für das Vertrauen. Es motiviert uns, weiterhin mit Hochdruck an der Realisation der dringend notwendigen Infrastruktur für Sportvereine, Spitzensport und Kultur zu arbeiten.»

Die 1. Mannschaft des HC Kriens stärkte sich gerade für ein Spiel und schickte uns diese Fotos aus dem Restaurant Obernau:

 

 

Interview mit Stadträtin Manuela Jost

«Es gibt noch einiges an Klärungsbedarf.»

Manuela Jost, Baudirektorin der Stadt Luzern.

Manuela Jost, Baudirektorin der Stadt Luzern.

(Bild: bra)

Am Sonntag informierte der Luzerner Stadtrat über die Abstimmungsergebnisse. Wir haben bei dieser Gelegenheit mit der Luzerner Baudirektorin gesprochen.

zentral+: Die Eberli Sarnen AG hat nun 5 Jahre Zeit, ein spruchreifes Projekt vorzulegen. Wie realistisch schätzen Sie die Chancen für die Pilatus-Arena ein?

Manuela Jost: Wir stehen dem Projekt sehr positiv gegenüber. Aber es gibt noch einiges an Klärungsbedarf. Die Initianten müssen zusammen mit den Investoren die nächsten Schritte lancieren. Sie müssen klären, was städtebaulich verträglich ist. Also welches Volumen für die Überbauung infrage kommt. Schliesslich wollen sie die Halle querfinanzieren.

zentral+: Zum Stichwort Querfinanzierung: Die gesamte Überbauung der Eberli Sarnen soll von den nötigen 30 Millionen Franken für die Halle 20 Millionen abwerfen. Könnte das nicht einen rechten «Klotz» geben, weil die Ausnützung der Baufläche rentieren muss?

«Das Gelände muss städtebaulich sinnvoll und attraktiv bebaut werden.»

Jost: Das ist im Moment noch schwierig abzuschätzen. Ich vertraue da auf die kreative Arbeit der Architekten. Ich bin selber auch gespannt, welche Ideen die Investoren präsentieren. Das Gelände muss städtebaulich sinnvoll und attraktiv bebaut werden.

zentral+: Die Pilatus-Arena wird zu einem grösserem Verkehrsaufkommen führen. Wird es nicht extrem eng, wenn man sich die gesamte Entwicklung in Luzern Süd vor Augen führt? Zwischen Eichhof und Horwer Seebucht sollen Einwohnerzahl und Arbeitsplätze in den nächsten 20 Jahren um 15’000 Personen wachsen (zentral+ berichtete).

Jost: Das wird eine sehr grosse Herausforderung. Deshalb müssen alle Luzern-Süd-Projekte ein Mobilitätskonzept vorweisen, so auch die Pilatus-Arena. Es muss geklärt werden, auf welche Verkehrsarten man setzt und wie man mit anderen Arealen zusammenarbeitet. Klar wird dese Aufgabe nicht leicht. Man kann das aber lösen. Das Gebiet ist mit dem öV und der Anbindung der Zentralbahn sehr gut erschlossen. Für den Langsamverkehr ist das Gebiet insgesamt sehr attraktiv.

zentral+: Ein späteres Betriebskonzept soll vorsehen, dass der Betrieb der Halle einmal selbsttragend wird, die Halle also finanziell selber über die Runden kommt. Ist das realistisch?

Jost: Ich hoffe sehr, dass ein Betriebskonzept entsteht, welches hieb- und stichfest ist. Selbstverständlich ist das im Interesse aller, damit die Halle in Zukunft bestehen kann und nicht Konkurs geht. Wenn allerdings die Stadt Luzern das Land veräussert hat, dann ist die Stadt für den Betrieb der Halle nicht verantwortlich.

Kommentar: Ein Ja für den Breitensport

Satte 63 Prozent der Stadtluzerner sagten an diesem Sonntag Ja zum Verkauf des Mattenhof-Areals an die Eberli Sarnen AG. Das ist ein klares Verdikt für den Breitensport. Die Vorteile für die regionalen Sportvereine wurden im Vorfeld der Abstimmung am stärksten betont. Das hat die Bevölkerung offenbar überzeugt.

Die Kombination aus öffentlicher Nutzung (Pilatus-Arena) und kommerzieller (Erstellung von Wohn- und Geschäftsräumen) ist sinnvoll. Und der Bau der Pilatus-Arena kostet dem städtischen Steuerzahler keinen Franken. Im Gegenteil, die Stadt Luzern erzielt einen Verkaufspreis von 18 Millionen Franken – ein willkommener Zustupf für die nicht allzu prall gefüllte Stadtkasse.

Die Bedenken der Gegner sind nicht durchgedrungen. Der Landverkauf an die Eberli AG wurde von den Grünen und Teilen der SP abgelehnt. Sie wollten eine 2000-Watt-Siedlung realisiert sehen und zudem den gemeinnützigen Wohnungsbau fördern. Das Land solle im Besitz der Stadt bleiben und lediglich im Baurecht abgegeben werden. Zudem sei das Risiko für den Betrieb einer solchen Halle zu gross.

Nun aber rückt die langersehnte Saalsporthalle in greifbare Nähe. Diese Chance sausen zu lassen, wäre fatal. Denn für die Saalsporthalle ist der Standort ideal: zentral gelegen, hervorragend erschlossen und in unmittelbarer Nähe der grossen Sportstätten auf der Allmend.

Zudem wäre ohne die vorgesehene Finanzierung eine solche Halle schlicht nicht möglich. Die Pilatus-Arena soll 30 Millionen Franken kosten und mit über 20 Millionen Franken quersubventioniert werden. Und zwar, indem auf dem Areal anstatt eines 45-Meter-Hochhauses ein 80-Meter-Hochhaus erlaubt wird – dessen Mehrwert aber nur für die Saalsporthalle verwendet werden darf.

Den Initianten der Pilatus-Arena schwebt ein ähnliches Modell vor wie beim Allmend-Fussballstadion. Auch dieses wurde von der Eberli Sarnen AG mitrealisiert und danach an eine eigene Betreiberfirma abgegeben. Der Verkauf wurde damals trotz Widerstand der Linken vom Volk klar gutgeheissen. Und heute gilt das Konzept als Erfolgsgeschichte.

Wie aber die gesamte Überbauung rund um die Pilatus-Arena schliesslich aussehen soll und ob tatsächlich ein riesiges 80-Meter-Hochhaus auf Akzeptanz stösst, das müssen die Projektverantwortlichen nun erklären. Hier darf man gespannt sein. Das Ja zum Baurechtsvertrag ist ein erster Schritt. Nun müssen die Initianten beweisen, dass das Projekt tatsächlich finanzierbar und städtebaulich verträglich ist. Hier gibt es noch viele offenen Fragen. Erst dann ist es an der Zeit, die Korken knallen zu lassen.

 


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