IT-Notstand an der Kantonsschule Zug ausgerufen
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45 Prozent weniger Geld für Internet-Technologie: Die Kantonsschule Zug. (Bild: zvg)

Lehrer klagen über fehlenden Support IT-Notstand an der Kantonsschule Zug ausgerufen

6 min Lesezeit 3 Kommentare 30.10.2020, 05:00 Uhr

Zwei Lehrpersonen der Kantonsschule Zug schlagen in einem offenen Brief Alarm. Nachdem das IT-Budget der Schule fast halbiert worden ist, sei die Lage «desolat». Bei der Bildungsdirektion relativiert man die Vorwürfe. Politiker von CVP und ALG fordern dennoch Konsequenzen.

Der Zuger Regierungsrat hat vor drei Jahren entschieden, bei den kantonalen Schulen im Bereich der Informationstechnik (IT) 1,14 Millionen Franken einzusparen. Den grössten Teil der Sparmassnahme ging zulasten der Kantonsschule Zug (KSZ). Sie musste 876’000 Franken sparen.

Die Situation an der KSZ sei mittlerweile «desolat», beklagen zwei Lehrpersonen in einem offenen Brief. «Unwürdig» gar für eine Schule, die Anfang 2019 aufgrund ihrer Projekte und Programme von der Akademie für Naturwissenschaften Schweiz ausgezeichnet wurde.

Verlust von Know-how

Zwei Leute aus der IT-Abteilung seien entlassen worden. Zwei weitere langjährige Mitarbeiter hätten in Anbetracht der perspektivlosen Situation «das sinkende Boot» verlassen. Sie wechselten zum kantonalen Amt für Informatik und Organisation des Kantons Zug.

Die Lehrpersonen stören sich daran, dass es seit Beginn des Jahres keinen technischen Support mehr gibt für die privaten Computer, welche die 180 Kantilehrer zur Arbeit einsetzen müssen. Ausserdem sei nach Ende des Fernunterrichts «diesen Sommer die wertvolle IT-Infrastruktur an der Schule buchstäblich zerschlagen» worden.

Rückbau der Infrastruktur

Lehrerarbeitsgeräte seien entfernt, schuleigene Server zurückgebaut und virtuelle Desktop-Infrastruktur entsorgt worden. «Die verbleibende IT-Infrastruktur, ehemals vorbildlich, mutet heute – auch im Gegensatz zu anderen Schulen und Kantonen – vorsintflutlich an», lautet ihre Diagnose.

«Die aktuelle Umstellung ist für die Kantonsschule Zug sehr herausfordernd.»

Lukas Fürrer, Generalsekretär, Direktion für Bildung und Kultur des Kantons Zug

Rektoren waren eingebunden

Beim Kanton relativiert man die Aussagen. Im Rahmen des Entlastungsprogramms 2015–2018 sei den kantonalen Schulen ein Sparauftrag bei der Schul-IT erteilt worden, bestätigt aber Lukas Fürrer, Generalsekretär der Direktion für Bildung und Kultur des Kantons Zug.

Die IT-Strategie und auch die Umstellung auf BYOD («Bring Your Own Device = bring dein eigenes Gerät mit») gehe auf einen Entscheid des Lenkungsausschusses IT kantonale Schulen zurück. Alle Rektoren der kantonalen Schulen hätten Einsitz genommen, so Fürrer.

Er räumt ein: «Die aktuelle Umstellung ist für die Kantonsschule Zug sehr herausfordernd.» Zumal die Implementierung der neuen Strategie mit personellen Wechseln zusammenfalle.

Die IT-Strategie für die kantonalen Schulen sei ambitiös. «Als Leiter des Lenkungsausschusses sehe ich aber im Moment keinen Grund, von ihr abzuweichen.» Fürrer ist der Auffassung, dass das bestehende IT-Budget immer noch eine gute und verlässliche Schul-IT an der KSZ ermöglicht. Für IT steht der Schule derzeit rund eine Million Franken jährlich zur Verfügung.

Besserung ab 1. November

Zum offenen Brief, der «im Namen besorgter Lehrerinnen und Lehrer der KSZ» in der «Zuger Zeitung» erschienen ist, sagt Fürrer, die Bildungsdirektion habe die Anliegen der Lehrerschaft mit der für den IT-Umbau zuständigen Schulleitung besprochen.

KSZ-Direktor Peter Hörler sagt, die Schule befinde sich «aktuell an einem Kristallisationspunkt, an dem viele Stränge zusammentreffen». Nach einem Abbau, der die Streichung von 45 Prozent der IT-Gelder und die Reduktion von 1,4 Vollzeitstellen mit sich brachte, sei man derzeit in einem «infrastrukturellen wie personellen Umbauprozess», der in einen Aufbau übergehe. Derzeit arbeiteten zwei Personen in der IT-Abteilung der KSZ, die sich 100 Stellenprozente teilen.

«Was uns fehlt, ist ein Informatiker für einen angemessenen technischen Support für die Lehrpersonen.»

Peter Hörler, Direktor Kantonsschule Zug

«Ab 1. November werden es wieder mehr Personen und Prozente sein», kündigt Hörler an. Die vakanten Stellen seien teilweise wieder besetzt. «Mit dem aktuell ausgeschriebenen Windows-Admin/M365-Spezialisten werden wir im neuen Jahr wieder drei Informatik-Techniker teilzeitig vor Ort haben.»

Es hagelt politische Vorstösse

«Was uns unabhängig davon fehlt, ist ein Informatiker für einen angemessenen technischen Support für die Lehrpersonen», sagt Rektor Peter Hörler. Dieser sei mit der Einführung von BYOD in der kantonalen IT-Strategie aber nicht mehr vorgesehen.

Das könnte sich ändern. Denn der aktuelle Hilferuf der Kantilehrer hat Politiker auf den Plan gerufen. Zwei Postulate und eine Interpellation an die Zuger Regierung wurden bereits deponiert. «Das gibt uns die Möglichkeit, uns vertieft und über alle kantonalen Schulen hinweg mit der Frage auseinanderzusetzen», sagt Lukas Fürrer. «Doch entscheiden wird der Kantonsrat.»

CVP will Support und gute Compis

Dort sitzt auch eine Zuger Kantilehrerin. Anna Bieri (CVP) unterichtet an der KSZ. Zusammen mit CVP-Fraktionschef Thomas Meierhans und Parteikollege Heinz Achermann will sie die Regierung beauftragen, «Massnahmen zu ergreifen und die finanziellen Mittel zu sprechen, dass die IT an den kantonalen Schulen wieder auf ein zu erwartendes Niveau ausgebaut wird».

Die kantonalen Lehrpersonen seien mit Geräten auszurüsten, die im Standard mit jenen der anderen Verwaltungsangestellten vergleichbar sind. Weiter wird «ein guter Support im IT-Bereich zur Umsetzung des Berufsauftrags» gefordert. Dazu notwendige Stellen seien zu bewilligen. Heisst: Der Sparauftrag an die kantonalen Schulen im Bereich der IT soll zurückgenommen werden.

Die CVP sieht die Regierung in der Pflicht, den Datenschutz sicherzustellen. Ein spezielles Augenmerk legt darauf auch die Alternative – die Grünen in einer Interpellation. Die ALG will zudem wissen, wieviel an den verschiedenen kantonalen Schulen und bei der kantonalen Verwaltung für die IT ausgegeben wird.

Können Prüfungen gehackt werden?

Sie spielt auf IT-Probleme an, die es an der KSZ während des Corona-Fernunterrichts offenbar gab. Konkret: «Überlastungen mit Synchronisierungsproblemen, periodische Ausfälle von Moodle, Teams und WLAN», wie es im Vorstoss heisst.

Die Alternativen fragen nach den Risiken für die Datensicherheit, die daraus entstehen, dass Lehrende und Lernende ihre eigenen Geräte verwenden und der Support von einem Schülerteam gewährt wird. Und doppelt nach: «Welche Schäden wegen mangelnder Datensicherheit sind bereits entstanden oder könnten theoretisch entstehen etwa durchs Hacken von Zeugnisnoten oder von Maturaprüfungen?»

Lehrer sollen auswählen dürfen

Kantonsrätin Tabea Zimmermann, Kantilehrerin in Luzern, ALG-Fraktionschef Anastas Odermatt und ihre Parteikollegin Rita Hofer wollen mit einem Postulat ebenfalls für mehr Geld und Ressourcen zuhanden der kantonalen Schulen sorgen.

Sie verlangen ein leistungsfähiges WLAN und Cloud-Lösungen für Lehrer und Schüler sowie einen wirksamen Support. Ausserdem soll den Kantilehrern die Wahl haben, ob sie den eigenen Computer mitbringen wollen oder ein Gerät benutzen wollen, das der Schule respektive dem Kantomn gehören würde.

«Die Benützung eines kantonalen Computers brächte Vorteile sowohl bei der Datensicherheit wie auch beim Support.»

Tabea Zimmermann Gibson, Kantonsrätin ALG

Der Support für die schuleigenen Geräte soll der Kanton leisten, der Support für die eigenen Computer müsste weiter von den Lehrpersonen finanziert werden, da diese für die Benutzung des privaten Rechners entschädigt werden.

Die meisten nehmen Schulcomputer

Tabea Zimmermann erklärt, welchen Vorteil die Wahlmöglichkeit hätte. Computercracks könnten weiter ihre privaten Geräte in den Unterricht bringen und ihre besonderen IT-Kenntnisse für die Schule nutzen. Für alle andern, die das nicht wollten, bringe die Benutzung eines kantonalen Computers «Vorteile sowohl bei der Datensicherheit wie auch beim Support». Bei einem kantonalen Gerät habe sie zwar nur beschränkte Zugriffsrechte, sagt Tabea Zimmermann Gibson. «Dafür bekomme ich ein Gerät mit allen Standardprogrammen und einem funktionierenden Gesamtsystem. Zudem weiss ich, dass der Schutz des Systems immer auf dem neusten Stand ist.»

Bei technischen Schwierigkeiten würde der Support von der Schule geleistet. Bei technischen Schwierigkeiten würde der Support von der Schule geleistet. Die Datensicherheit sei höher, «weil wichtige Updates durch die kantonale IT-Stelle ausgelöst würden und man nicht als Einzelperson dafür verantwortlich ist.»

Tabea Zimmermann Gibson erzählt, dass sich an der Kantonsschule Alpenquai in Luzern über 80 Prozent für die Benutzung eines kantonalen Computers entschieden hätten. «Wir sind sehr zufrieden mit dieser Lösung, und ich fände es sinnvoll, wenn die Zuger Lehrpersonen auch diese Wahl hätten», sagt sie.

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3 Kommentare
  1. Guellemaetteli, 30.10.2020, 13:07 Uhr

    Na ja, vielleicht ist es gut so. Ev. Investieren Kanton/Kanti zur Zeit besser in Hochfrequenz-Zonen-Luftreiniger zur effizienten Reduzierung von Schwebstoffen und Aerosolwolken.

  2. Guellemaetteli, 30.10.2020, 12:58 Uhr

    IT und Kt. Zug – dieser schon über über 20ig Jahre anhaltende Dilettantismus ist so offensichtlich – und wenn es nicht so viele Steuermillionen kosten würde – könnte ich über diese Schildbürger endlos lachen. Daran hat sich auch unter Herr Tännler nichts geändert. Es ist eben einfacher ein ESAF zu organisieren.

  3. Giovani, 30.10.2020, 09:39 Uhr

    Da die Benutzung von Teams an Schweizer Schulen gemäss schweizerischem Recht sowieso nicht Tragbar/verboten ist, ists nun auch nicht so schlimm. Dazu kommt: Schon noch blöd wenn man nur auf Teams Azure und Co setzt und dann erst während Corona merkt, dass es dummerweise nicht funktioniert wenn sämtliche Internet-Anbindungen bei diesen Billiganbietern wie Mirosoft, Dropbox, Amazon etc. überlastet sind.

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