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Ist unser Verkaufspersonal ausreichend geschützt?
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Eine Hygienemaske dient nicht zum Schutz des Trägers, sondern seiner Umwelt. (Bild: Adobe Stock)

Zuger Kantonsarzt zu Handschuhen und Schutzmasken Ist unser Verkaufspersonal ausreichend geschützt?

5 min Lesezeit 06.04.2020, 17:30 Uhr

Das Personal in den Läden, die noch geöffnet haben, trägt derzeit weder Schutzmasken noch ist es verpflichtet, Handschuhe zu tragen. Der Zuger Kantonsarzt sagt, das sei aus gutem Grund so – könnte sich in den kommenden Wochen aber ändern.

Ein kurzer Gang durch die Stadt Zug, etwa zur Migros an der Grabenstrasse oder die beiden offenen Coop-Geschäfte beim Zuger Bahnhof, bestätigt: Das Verkaufspersonal der Grossverteiler arbeitet ohne Gesichtsmaske. Ganz anders ein Taxifahrer an der Poststrasse in Zug: Er ist mit einer Maske ausgerüstet.

Dabei ist doch gerade in den Läden das Personal ganz besonders exponiert: Die Verkäuferinnen und Verkäufer halten sich in der Regel stundenlang dort auf und stehen mit unzähligen Kunden in Kontakt. Wäre es daher nicht sinnvoll, wenn wenigstens sie sich – gerade auch zum eigenen Schutz – mit einer Maske ausstatten könnten?

Migros und Coop halten sich an Empfehlungen des Bundes

Die Frage geht an die beiden Grossverteiler Migros und Coop. Lisa Savenberg von der Genossenschaft Migros Luzern sagt auf Anfrage, dass es zurzeit keine Empfehlung zum Tragen von Schutzmasken seitens der Migros gibt.

Die Migros halte sich dabei an die Weisungen des Bundesamtes für Gesundheit. Das Tragen von Masken oder Handschuhen für Personen im Detailhandel werde auch vom BAG aktuell nicht empfohlen.

«Möchte man das Personal schützen, dann müssten alle Kunden eine Hygienemaske tragen, nicht umgekehrt.»

Rudolf Hauri, Zuger Kantonsarzt

Zum Schutze der Mitarbeitenden habe die Migros aber diverse andere Massnahmen ergriffen. So seien alle Mitarbeitenden mit Desinfektionsmitteln ausgerüstet worden. Zum zusätzlichen Schutz des Kassenpersonals habe man an allen Kassen Plexiglasscheiben montiert und Bodenmarkierungen angebracht. Ferner gilt eine Limitierung der Anzahl Kunden in allen Filialen.

Raschelsäckli als Körbli-Schutz

Ähnlich tönt es bei Coop. Massgebend in der Schutzmaskenfrage seien die Vorgaben des BAG, sagt Coop-Sprecher Markus Brunner. Diese würden zurzeit keine Maskenpflicht vorsehen.

Es besteht weiter laut Brunner für die Coop-Mitarbeiter und -Kunden auch keine Pflicht zum Tragen von Handschuhen. «Mitarbeitenden, die dies trotzdem tun möchten, steht es natürlich frei, Handschuhe zu tragen», ergänzt er.

Dem Schutz der Mitarbeitenden dienen unter anderem auch die Instruktion betreffend der Hygienemassnahmen, Desinfektionsmittel, Plexiglasscheiben oder auch die Intensivierung der Reinigung. «Wir bieten zudem Raschelsäckli als Option für unsere Kundinnen und Kunden an, die den Griff der Einkaufswagen und Körbli nicht berühren möchten.»

Empfehlungen hängen auch vom Materialbestand ab

Die BAG-Empfehlungen wurden in den vergangenen Wochen laufend angepasst. Möglich, dass auch das Tragen von Schutzmasken zu einem späteren Zeitpunkt als geeignete Massnahme empfohlen wird.

«Mit Schutzmaterial muss sorgfältig umgegangen werden.»

BAG-Sprecherin Katrin Holenstein

Klar scheint, dass eine allfällige Schutzmaskenpflicht oder eine Empfehlung vom Materialbestand abhängt. So erklärt BAG-Sprecherin Katrin Holenstein: «Schutzmaterial – Masken, Handschuhe, Kleidung, Brillen – ist aufgrund der Corona-Krise schwer erhältlich. Mit Schutzmaterial muss deshalb sorgfältig umgegangen werden.»

Masken und andere mögliche Mittel, die eine Verbreitung des Virus eindämmen können, werden zuallererst in den Spitälern und von den Gesundheitsfachpersonen gebraucht. Diese müssten im Umgang mit Patienten sich selber und die andern schützen. Zudem sagt Katrin Holenstein: Eine Anpassung der Empfehlungen wird geprüft, wenn wirklich genügend Schutzmaterial vorhanden ist. Die aktuelle Entwicklung der Epidemie wird ebenfalls in die Überlegungen einbezogen.»

Die Hygienemasken schützen das Gegenüber

Was aber ist aus medizinischer Sicht zur Wirksamkeit der Schutzmasken zu sagen? Der Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri ist Präsident der Schweizer Kantonsärzte. Er teilt die aktuelle Haltung der Weltgesundheitsorganisation und des Bundes.

In Sachen Schutzmasken gelte es zu differenzieren: «Die Hygienemasken, die auch als chirurgische oder Operationsmasken bezeichnet werden, sind nicht für den Eigenschutz des Trägers gedacht, sondern für den Schutz des Gegenübers.» Bei einer Operation schütze die Maske also nicht den Chirurgen vor dem Patienten, sondern den Patienten vor dem Chirurgen. «Möchte man das Personal schützen, dann müssten alle Kunden eine Hygienemaske tragen, nicht umgekehrt.» Zudem müssten diese Masken ersetzt werden, wenn sie feucht sind.

Echte Schutzmasken sind teuer und rar

Spreche man aber von den eigentlichen Schutzmasken mit den Schutzstandards FFP2 und FFP3, dann schütze die Maske effektiv den Träger vor dem Gegenüber. Das Verkaufspersonal müsste also diese Masken tragen. Es handle sich um jene Masken, wie sie zum Beispiel in der Holzindustrie, von Malern oder teilweise auf dem Bau zur Anwendung kommen.

Echte Schutzmasken schützen den Träger und die Umwelt.

«Diese Masken sind wesentlich teurer als die Hygienemasken und sind in viel kleineren Mengen vorhanden. Es besteht Knappheit. Sie erschweren das Atmen und auch sie müssen bei Feuchtigkeit regelmässig ersetzt werden. Für Personen mit Atemproblemen sind sie ungeeignet.»

Handschuhe schützen vor allem den Träger

In Bezug auf die Schutzhandschuhe sagt Rudolf Hauri: «Diese schützen den Träger, allerdings nur, wenn sie richtig getragen und insbesondere auch richtig ausgezogen werden. Das Gleiche gilt natürlich auch für die Masken.» Zudem würden Schutzhandschuhe selbst Viren und Bakterien übertragen, da sie ja eben nicht das Berührte schützen sollen, sondern die berührende Person. «Weiter gilt es zu beachten, dass Schutzhandschuhe nur eine gewisse Zeit dicht sind, dann werden sie durchlässig, weshalb man sie regelmässig wechseln muss.»

Für das Verkaufspersonal bedeute dies zusammengefasst das Folgende: «Es kann zwar Hygienemasken tragen, die vielleicht auch etwas Viren zurückhalten, ein zuverlässiger Schutz auf Dauer ist das aber im Gegensatz zu den FFP2- und FFP3-Masken nicht, insbesondere wenn die Hygienemasken zu locker oder schlecht angepasst getragen werden, was man häufig sieht.»

Umfassende Schulung ist wichtig

Schutzhandschuhe hingegen würden zwar den Träger oder die Trägerin schützen, könnten jedoch zum Problem für die Kunden werden. Zudem müssten sie regelmässig gewechselt werden. «Falls sie nicht richtig ausgezogen werden, können sie auch für den Träger zu einer wichtigen Kontaminationsquelle werden.» Beim Ausziehen gelte es entsprechend darauf zu achten, dass die Aussenflächen nicht berührt werden.

Der Zuger Kantonsarzt zieht entsprechend das folgende Fazit für einen sinnvollen Einsatz der erwähnten Schutzutensilien: «Wenn bloss Hygienemasken zum Einsatz gelangen, so muss das Verkaufspersonal im Umgang mit diesen sehr umfassend geschult werden. Dies gilt auch für die Schutzhandschuhe. Ausserdem müssten ausreichend viele solcher Hygienemasken zur Verfügung stehen.» Wichtig wäre auch, dass dieses Material durch den weiter verbreiteten Einsatz nicht den Spitälern entzogen wird. «Dann ist eine gewisse, nicht aber zuverlässige Schutzwirkung denkbar.»

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