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Ist der FCL aufgestellt für vertikalen Fussball?
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Kann Darian Males seinen neuen Trainer davon überzeugen, ihn als Spielmacher einzusetzen? (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

In Kürze öffnet das Schweizer Transferfenster Ist der FCL aufgestellt für vertikalen Fussball?

5 min Lesezeit 2 Kommentare 17.01.2020, 11:00 Uhr

Am Samstag kehrt der FC Luzern aus dem Trainingslager in Südspanien zurück. Eine Woche startet der abstiegsbedrohte Super Ligist in die Rückrunde. Der FCL will den Ligaerhalt mit kämpferischem, mutigem und vertikalem Fussball schaffen. Ist er dafür aber auch gerüstet?

Der auf den zweiten Teil dieser Meisterschaft neuverpflichtete FCL-Trainer Fabio Celestini fühlt sich seiner Herkunft getreu dem lateinischen Fussball verpflichtet. Dieser definiert sich in erster Linie über taktisches Verständnis und technische Raffinesse. So bevorzugte es der 44-jährige Romand, seine bisherigen Teams, Lausanne und Lugano, in einem 3-4-1-2-System aufs Feld zu schicken.

Beim FC Luzern, so lassen es die bisherigen Testspiele vermuten, wird Celestini davon erst mal Abstand gewinnen. Aber das erachtet er nicht als Problem: Getreu seinem Motto, dass ein Trainer die Spielweise der individuellen Qualität der Mannschaft anpassen muss – und nicht umgekehrt (zentralplus berichtete).

Warum die Systemanpassung?

Es sieht danach aus, als ob Celestini den FC Luzern auf der Basis eines 4-4-2 antreten lässt. Die Frage ist: Warum die Systemanpassung?

Die Antwort liegt auf der Hand: Der FCL ist noch nicht aufgestellt für seine Vorstellung von Fussball. Die Verteidigung macht keinen stabilen Eindruck. Darüber hinaus ist Kreativität im Team Mangelware. Und Abhilfe scheint nicht in Sicht. FCL-Sportchef Remo Meyer sagt: «Im Winter gibt es bei uns in der Regel weniger Verpflichtungen als im Sommer.»

Das ist nachvollziehbar. Bei der Hälfte des saisonalen Pensums trennt man sich in unseren qualitativ vergleichbaren Fussball-Gefilden kaum von dem Personal, das einem zum Erfolg verhelfen kann. Und der FCL steht mit seinen finanziellen Möglichkeiten am unteren Ende der Nahrungskette.

FCL fehlt Verteidigungsminister

Was ist Grundvoraussetzung für das bevorzugte System von Celestini? Mindestens einer der drei Verteidiger im 3-4-1-2 muss schnell auf den Beinen sein und darüber hinaus die Rolle eines Verteidigungsministers übernehmen können. Stefan Knezevic kann das, aber das Niveau, das ihn vor der abermaligen Knieverletzung auszeichnete, hat er noch nicht erreicht.

Lucas Alves hat physische Präsenz und ein grosses Herz, aber mit seiner Grösse kann er kein agiler Innenverteidiger und bloss in beschränktem Mass eine schnittige Offensivwaffe sein. Lazar Cirkovic fehlt das Tempo und eine niedrige Fehlerquote, um auf ihn zu bauen.

«Bei uns besteht keine personelle Not. In unserer Mannschaft ist Qualität vorhanden.»

FCL-Sportchef Remo Meyer

Marco Burch besitzt zwar die Schnelligkeit, um Abfangjäger vor dem eigenen Sechzehner zu spielen. Aber als erst 19-Jähriger kaum das Vertrauen und die Selbstsicherheit, um die Verantwortung für defensive Sattelfestigkeit übernehmen zu können.

Remo Meyer will sich nicht dazu äussern, wo der Bedarf an Verstärkung beim FCL am nötigsten ist: «Dazu kann ich keine Auskunft geben.» Schliesslich will er keinen aktuellen FCL-Spieler entmutigen, der im Kampf gegen den Abstieg vielleicht noch dringend benötigt werden wird.

Aber Meyer kommt darauf zurück, was er im November bei zentralplus festgestellt hat: «Bei uns besteht keine personelle Not. In unserer Mannschaft ist Qualität vorhanden.»

Rückkehrer stehen für Robustheit

Bleibt die Frage nach der Qualität im FCL für vertikalen Fussball: also das schlagartige, gradlinige und präzise Spiel in die Schnittstellen, die den Gegner in Bedrängnis bringen.

Mit Marvin Schulz und Tsiy Ndenge kehren mit Beginn der Rückrunde zwei lange Zeit verletzte Mittelfeldspieler ins FCL-Aufgebot zurück, die Celestini mehr Optionen im Mittelfeld lassen.

Beide Gladbacher stehen für körperliche Robustheit. Bei Schulz kommt in der Vorwärtsbewegung noch die Schussstärke dazu. Ndenge kann den Ball gut verteilen.

Hätten sie auch noch das seltene Gen, einen Gegner mit dem entscheidenden Zuspiel in die Einzelteile zerlegen zu können, würden sie irgendwo ausserhalb von Luzern in einer grossen Liga spielen.

Kann sich Males durchsetzen?

Dennoch gibt es einen, dem man eben die Position eines Spielgestalters zutrauen darf. Vielleicht nicht heute, aber morgen oder übermorgen. Der 18-jährige Darian Males hat alle Anlagen dazu: das Auge und die feine Technik.

Es gibt zum aktuellen Zeitpunkt aber auch Schwachpunkte beim schweizerisch-serbischen Doppelbürger: Males hat noch nicht die Härte, um sein Spiel im Zentrum durchsetzen zu können. Lange Zeit hat er mehr auf sein Talent vertraut als in physische Arbeit investiert.

«Vertikaler Fussball beginnt in der Innenverteidigung. Er hat viel mit der Bereitschaft zu tun, sich zu bewegen.»

Aber ein Spieler seines Formats kann man sich auch auf dem Flügel vorstellen. Males verfügt über Schnelligkeit. Beim Dribbling, mit dem man sich auf der Seite einen entscheidenden Vorteil verschaffen kann, hat er Luft nach oben.

Setzt sich Males auf einer Position in der FCL-Offensive durch, wird er zum nächsten Millionen-Deal.

Transferfenster bis Mitte Februar offen

Remo Meyer, zu Beginn dieses Jahrtausends selbst Mittelfeldspieler beim FCL, macht vertikalen Fussball nicht von einem eigentlichen Spielgestalter abhängig. Er sagt: «Vertikaler Fussball beginnt in der Innenverteidigung. Er hat viel mit der Bereitschaft zu tun, sich zu bewegen. Dass man sich als Mitspieler nicht versteckt, sondern den Ball fordert, in die Zwischenräume läuft und so Verantwortung übernimmt.»

Nach aktuellem Stand weiss Meyer nichts davon, dass einer der aktuellen FCL-Spieler Begehrlichkeiten der in- oder ausländischen Konkurrenz geweckt hätte. Das Schweizer Transferfenster ist vom 18. Januar bis 17. Februar offen.

Es liegt an FCL-Trainer Fabio Celestini, seiner Mannschaft passende Lösungsansätze mit auf den Platz zu geben. Eine Woche bleibt ihm noch bis zum Rückrundenstart auswärts gegen den FC Zürich.

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2 Kommentare
  1. Muessdassi, 21.01.2020, 17:02 Uhr

    Schön, dass Sie auf Marbella waren. Wäre schön, wenn wir hier mit Fakten und Argumenten kommentieren könnten.

  2. urs gründeler auf Marbella, 18.01.2020, 10:55 Uhr

    Ich habe Meyer gesehen auf Marbella.Ist der immer noch beim FC Luzern.Habe noch nichts gescheites gesehen trotz 3 : 0 beim FC Luzern