Isabelle Morales: «Was wir in der jetzigen Situation brauchen? Empathie!»
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Isabelle Morales hat in ihrem Leben schwere Zeiten durchgemacht – nun hilft sie anderen dabei, diese zu bewältigen. (Bild: Marjana Ensmenger)

Zuger Mentaltrainerin über Corona Isabelle Morales: «Was wir in der jetzigen Situation brauchen? Empathie!»

5 min Lesezeit 25.12.2020, 17:45 Uhr

Die Zugerin Isabelle Morales hat in ihrem Leben viele Tiefschläge erlebt. Diese Erfahrungen haben sie zu ihrer Lebensaufgabe als Coach gebracht. Nun hilft sie anderen, ihre Krisen zu meistern.

Isabelle Morales ist eine Frohnatur. Als wir sie in diesen kalten Wintertagen zum Gespräch in Hünenberg treffen, ist ihre Vorfreude spür- und ihre Aufregung greifbar. Nie hätte sie damit gerechnet, dass eine Journalistin sie mal interviewen möchte. Nach dem Gespräch ist klar, die 47-Jährige ist ein «Stehaufweibchen». Aber alles der Reihe nach.

Während viele Menschen in der ganzen Schweiz mit der Coronakrise kämpfen, hat Morales im Dezember 2020 ihr eigenes Unternehmen als Persönlichkeits- und Mentaltrainerin gestartet. Ein Wagnis, werden sich manche denken. Aber sie ist auf Krisen vorbereitet. Denn: Auch ihre Reise verlief nicht immer stringent.

Morales liebäugelte schon lange mit der Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen. «Es war eher eine Reise, die bereits mit dem Auszug aus meinem Elternhaus mit 18 Jahren begann.» Als Tochter von zwei Welschen Eltern verlässt sie das Elternhaus nach schwieriger Kindheit einige Wochen nach ihrer Volljährigkeit – und zahlt mit ihrem ersten Lohn die erste Miete.

Mit dem Nachwuchs will’s nicht recht klappen

Der frankophone Hintergrund und die Neugierde auf die Welt führen dazu, dass sie mit 25 Jahren die Schweiz in Richtung Spanien verlässt. Sie ist auf der Suche nach sich selbst. Diese Suche sollte sich alle sieben Jahre wiederholen.

«Ich war am Boden zerstört, als ich nach fünf Jahren immer noch nicht schwanger war.»

Isabelle Morales, Persönlichkeits- und Mentaltrainerin

Der kulturelle Unterschied und die Herzlichkeit der Spanier hat sie bis heute wesentlich geprägt. Nur kurze Zeit nach der Rückkehr ihres Auslandabenteuers lernt sie einen Secondo-Spanier in der Schweiz kennen. Bis sie sich dazu entschliessen, Kinder zu kriegen, vergehen mehrere Jahre. Als beide damit einverstanden sind, will es aber nicht klappen. Auch nicht mit medizinischer Unterstützung. Morales gerät ins Grübeln. Und dann passiert das erste Wunder.

Trauer- und Geburtskarten werden zusammen versendet

Aus heiterem Himmel wird sie schwanger. Auf die grosse Vorfreude folgt ein Tiefschlag. Ihre Mutter stirbt. Mit der Geburt scheint sich das Blatt wieder zu wenden. Doch auch diesmal Glück sollte nur von kurzer Dauer sein. Vier Monate vor der Geburt des Kindes stirbt auch ihr Vater. Die Trauer- und Geburtskarten werden gleichzeitig an Angehörige und Freunde verschickt.

Morales erkrankt nur wenige Wochen nach der Geburt an einer seltenen Autoimmunkrankheit. Ihr rechtes Auge ist gelähmt. «Mehrere Wochen schaute mein Auge in eine Richtung, ohne Kontrolle darüber zu haben», erinnert sie sich. Dann geschieht das zweite Wunder. Vollgepumpt mit Hormonen wird Morales nach wenigen Monaten wieder schwanger und die Lähmungen beginnen zu verschwinden.

«Mit einem Notizblock in der Hand machte ich mich schrittweise auf den Weg zurück zu mir.»

Isabelle Morales, Persönlichkeits- und Mentaltrainerin

Morales‘ Blick schweift hinüber zu den Türen, die zu den Kinderzimmern führen. «Ich sage es meinen zwei Buben jeden Tag: ‹Ihr seid das grösste Wunder meines Lebens.›» Man glaubt ihr. Ihre Gedanken kehren zum Gespräch zurück und sie erzählt weiter. Mit zwei Kleinkindern in den Armen haben sich die Ehepartner kurz nach der Geburt des zweiten Kindes getrennt. Fortan musste sie als alleinerziehende Mutter über die Runden kommen. Sie ist wieder auf einer Reise zu sich selbst.

Von einer alleinerziehenden Mutter zur Autorin

Drei Jahre nimmt sie Abstand von der Arbeit und kümmert sich um die Kinder. Dann beginnt sie wieder zu arbeiten. Über zahlreiche Stationen innerhalb der Pharmabranche landet sie schliesslich am Universitätsspital Zürich.

Im März 2019 erzählt sie einer Arbeitskollegin das erste Mal von ihrem Vorhaben, ein Buch zu schreiben. «Ursprünglich war geplant, eine Art Werkzeugkiste für meine Söhne zu verfassen.» Entstanden ist am Ende ein Buch, das den Titel «Dein bestes Du» trägt. Die Suche nach sich selbst scheint abgeschlossen zu sein.

«Ich sage es meinen zwei Buben jeden Tag: ‹Ihr seid das grösste Wunder meines Lebens.›»

Isabelle Morales, Persönlichkeits- und Mentaltrainerin

Das Buch hat 371 Seiten und behandelt Alltagsthemen wie den Umgang mit Ängsten oder den Weg zu sich selbst. Themen, die in der heutigen Zeit besonders relevant sind. Aber das Buch ist kein Ratgeber per se, sondern soll vielmehr als Sammlung von Lebenserfahrung gelesen werden und ist ein Tool für Selbstcoaching. «Mit einem Notizblock in der Hand machte ich mich schrittweise auf den Weg zurück zu mir und meinen inneren Stärken. Schrieb meine Gedanken und meine Erkenntnisse auf, meine Eindrücke aus dem Leben», so Morales. Und die Reise geht bis heute weiter.  

Als sie schliesslich eine einjährige Coachingausbildung in Zürich erfolgreich absolviert hatte, beginnt sie sie damit, ihr eigenes Unternehmen aufzubauen. «Das ist mein zweites Baby und für mich ebenfalls eine Herzensangelegenheit», erklärt Morales.

Im Zentrum ihres Unternehmens «CoachZone» steht die Arbeit mit Menschen jeglicher Altersklasse und Herkunft. Mithilfe ihrer eigenen Erfahrung und der Expertise aus der Coachingausbildung möchte Morales Menschen mit unterschiedlichen Problemen auf ihrem Lebensweg begleiten und sie dabei unterstützen, ihre Potenziale wiederzuentdecken oder diese weiterzuentwickeln.

Den richtigen Umgang mit Corona finden

Darauf angesprochen, wie man in der jetzigen Situation mit Corona den besten Umgang findet, antwortet Morales: «Mit Empathie. Wir dürfen lernen, resilienter zu werden. Denn Krisen begegnen uns im Verlaufe unseres Lebens immer wieder.»

In Bezug auf Corona erklärt Morales, dass es drei Grundängste gibt: «Die erste Angst besteht davor, krank zu werden. Die zweite Angst betrifft die Existenz: Wir haben beispielsweise Angst, unseren Job zu verlieren oder in die Armut abzurutschen. Und die dritte Angst gründet in der Angst vor der Fremdbestimmung: Wir haben Angst, dass uns unsere Freiheit genommen wird.» Allen drei Ängsten liegt eine Kernangst zu Grunde: die Angst vor dem Tod.

Im Video sagt Isabelle Morales, wie ihr ohne Stress durch die Festtage kommt.

Durch die ständige Informationsüberflutung brechen diese drei Ängste immer wieder neu hervor. Aus eigener Erfahrung weiss Morales, dass ein Perspektivenwechsel für ein ruhiges Gemüt sorgen kann. «Wir müssen lernen zu akzeptieren, dass sich die Menschen in unserem Umfeld anders fühlen und möglicherweise andere Ängste haben als wir selbst.» Dazu benötige es neben Mitgefühl auch Verständnis. Schliesslich können wir die Situation nicht ändern, aber wir können lernen, damit den richtigen Umgang zu finden.

Instinktiv glaubt man den Worten von Morales. Denn schliesslich hat sie in ihrem Leben mehrfach bewiesen, wie der richtige Umgang mit Krisen aussehen kann. Auch wenn sie sich dafür mehrfach neu erfinden musste.

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